Dokumentation rührt Publikum zu Tränen
Foto: Stephan
Zu Gast bei der Vorpremiere des Dokumentarfilms „Regeln am Band bei hoher Geschwindigkeit“ in einem Münsteraner Programmkino: Filmerin Yulia Lokshina (l.) aus München und die beiden Protagonisten Inge Bultschnieder aus Rheda-Wiedenbrück und Peter Kossen aus Lengerich.
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Der Film, Abschlussarbeit der Münchener Filmstudentin Yulia Lokshina, beleuchtet am Beispiel Tönnies das Leben und Arbeiten von Werkvertragsarbeitern in der deutschen Fleischindustrie. Zur Vorpremiere war auch eine Abordnung der hiesigen IG Werkfairträge nach Münster gefahren. darunter die beiden Aktivisten Almuth Stork und Volker Brüggenjürgen sowie Gründerin Inge Bultschnieder, die zusammen mit dem Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich eine tragende Rolle in dem Film spielt.

Film zeigt Isolation der Menschen

Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat sich die Dokumentarfilmerin Lokshina mit den Arbeitsbedingungen und den Arbeitern in der Fleischindustrie beschäftigt. Dabei ist ihr Film, für den sie mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wurde, eine stille Anklage gegen das System der Werkvertragsarbeit. In eindrucksvollen Bildern und Filmsequenzen schildert Lokshina die Probleme am Arbeitsplatz, die prekären Wohnverhältnisse und die weitgehende Isolation der Menschen. Zu den Sequenzen, die das Münsteraner Filmpublikum emotional am meisten berührten, gehört ein Dreh mit Inge Bultschnieder.

Für die Kamera war die Rheda-Wiedenbrückerin durch Gütersloh gegangen, den eine verzweifelte hochschwangere Werkvertragsarbeiterin aus Rumänien an dem Tag genommen hatte, an dem sie ihr Kind in einer Garage allein entbunden und dann zurückgelassen hatte. Der Film zeigt auch, mit welchem Einsatz sich Bultschnieder nach der Tat um die Frau kümmerte. „Inge, du hast ein unglaublich großes Herz“, bescheinigte Filmerin Lokshina der Rheda-Wiedenbrückerin in einem Podiumsgespräch.

„Nie war die Hoffnung darauf größer als jetzt“

Das Publikum quittierte die Bemerkung mit lang anhaltendem Beifall. Ob sich etwas verändern lasse, wurde Bultschnieder am Ende der Diskussion gefragt: „Nie war die Hoffnung darauf größer als jetzt.“ Jeder könne etwas zum Positiven beitragen. Zum Beispiel dadurch, dass er weniger Billigfleisch esse.

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