Dolchstoß für den Rhedaer Einzelhandel?
Bild: Werneke
Prächtig gediehen am „Glocke“-Redaktionsmobil die Vorschläge zur Bereicherung der Rhedaer Innenstadt. Das Bild zeigt (v.l.) Nimo Sudbrock, Leiter der „Glocke“-Lokalredaktion Rheda-Wiedenbrück, Margret Reker von der Initiative Rheda, Ulla Fallner von der Altstadtinitiative Rheda sowie Innenstadtbesucher Claudia Haag und Andreas Zwoll.
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„Wenn das nur immer so wäre“, mag sich mancher Einzelhändler angesichts des nicht enden wollenden Besucheransturms insgeheim denken. Denn wer in Rheda ein Geschäft betreibt oder auch nur als Passant mit offenen Augen durch die Stadt geht, der weiß: Es gibt auch andere Tage. Solche, an denen man sich in der Fußgängerzone ziemlich allein vorkommt.

„Es ist nicht einfacher geworden“

„In den vergangenen Jahren ist es für meine Kollegen nicht unbedingt einfacher geworden“, sagt Margret Reker. Die Vorsitzende der Initiative Rheda hat bis zu ihrem Ruhestand viele Jahre ein Floristikgeschäft in der Stadt betrieben. Am Sonntagnachmittag diskutiert sie bei „Rheda erblüht“ mit Ulla Fallner von der Altstadtinitiative vor dem Redaktionsmobil der „Glocke“ über die Zukunft des Stadtteils. Immer wieder mischen sich auch Bürger in die Debatte ein: Viele von ihnen treibt die Sorge um, dass in der Innenstadt über kurz oder lang die Lichter ausgehen, wenn nicht bald gegengesteuert wird.

Das ist Wasser auf die Mühlen der Vorsitzenden der Altstädter. Ulla Fallner und ihre Mitstreiter haben vor allem mit den Plänen der Politik für die Kolpingstraße ein Problem. Dass dort auf einem Großteil der Flächen ein Einkaufszentrum mit Rewe, Rossmann und weiteren Filialisten entstehen soll, finden sie unverantwortlich. „Das wäre der Dolchstoß für den ohnehin schwächelnden innerstädtischen Einzelhandel“, sagt sie. Für Ulla Fallner ist die Sache klar: „Wer als Konsument an der Kolpingstraße sein Geld ausgibt, kann danach nicht noch in den Läden in der City Umsätze generieren.“

Aufenthaltsqualität auf dem Doktorplatz

Dass die Initiative Rheda als Zusammenschluss der Kaufmannschaft die Pläne eines Hamburger Großinvestors für die Kolpingstraße gutheißt, will nicht in den Kopf von Ulla Fallner gehen. Auch den Wunsch der Einzelhändler, das Wiedenbrücker Tor in Höhe der Wenneberschule nach Jahrzehnten wieder für den Autoverkehr freizugeben, beäugen die Altstadtbewohner mit Argwohn. „Die Aufenthaltsqualität auf dem Doktorplatz, der demnächst für viel Geld saniert wird, wird darunter leiden“, sagt Ulla Fallner. Sie befürchtet, dass durch die Öffnung künftig wesentlich mehr Autos über die Berliner Straße rollen werden als bislang. „Man will mit Rezepten von vorgestern die Probleme von heute lösen“, sagt die oberste Altstädterin. „Das kann nicht funktionieren.“

Kaufkraftabfluss vermeiden

Während die Innenstadtbummler andernorts in der Fußgängerzone in den neusten Cabrio-Modellen heimischer Autohäuser probesitzen, im Streichelzoo des Rassekaninchenzuchtvereins Wiedenbrück auf Tuchfühlung mit flauschigen „Mümmelmännern“ gehen oder im Sonnenschein das erste Eis der Saison genießen, bricht Marget Reker vorm „Glocke“-Mobil eine Lanze für das Einkaufszentrum an der Kolpingstraße: Der Rhedaer Gewerbeverein habe sich auch deshalb dafür ausgesprochen, um einen Gegenpol zu den aktuellen Entwicklungen in Wiedenbrück zu setzen, sagt sie. Sie verweist auf den zurzeit in Bau befindlichen Schenke-Markt auf dem ehemaligen Wonnemann-Areal. „Und wer weiß, was auf den Flächen gegenüber, wo zurzeit noch die alten Hallen des Holzwerks stehen, passiert.“ Es gelte, einen Kaufkraftabfluss aus Rheda zu vermeiden.

Wiedenbrücker Tor als Frequenzbringer

An der von der Initiative geforderten Öffnung des Wiedenbrücker Tors wolle man festhalten, sagt Margret Reker. „Bislang werden insbesondere auswärtige Besucher komplett um die Innenstadt herumgeführt. Die City versteckt sich regelrecht vor potenziellen Besuchern – und das kann es nicht sein“, unterstreicht die Geschäftsfrau, deren erster Blumenladen sich an eben jener Stelle befand, die bis vor etwa 30 Jahren noch eine der Hauptzufahrten ins Zentrum war. „Das Geschäft lief wie geschmiert. Viele Kunden kamen auch aus Wiedenbrück“, erinnert sie sich. Durch die Öffnung der Berliner Straße erhofft sich Margret Reker in erster Linie eine Belebung der Rhedaer Innenstadt. Ein übermäßiges Verkehrsaufkommen befürchtet sie nicht. „Eine Blechlawine wird es nicht geben.“

Werkvertragsarbeiter-Unterkünfte in der Kritik

Trotz aller Kontroversen sind sich die bei den Vereinsvorsitzenden in manchen Punkten auch einig. Beispielsweise darin, dass die sogenannte Flächensanierung Ende der 1960er-Jahre in Rheda viel kaputt gemacht habe. Und darin, dass heruntergekommene Häuser mit osteuropäischen Werkvertragsarbeitern weder in der Altstadt noch anderswo ein Aushängeschild sind.

Wünsche zu Papier gebracht

Und die Gäste am „Glocke“-Mobil? Die bringen derweil auf bunten Fähnchen ihre ganz persönlichen Wünsche für die Fürstenstadt zu Papier.

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