Doppelstadt im Ausnahmezustand
Bilder: Grujic
Südamerika zum Greifen nah: Sie sorgte am Montagnachmittag für brasilianisches Flair beim Straßenkarneval in Rheda-Wiedenbrück. Dahinter trommelten die Mitglieder der Rhedaer Kult- und Marchingband „Ramba Samba“, was das Zeug hielt.
Bilder: Grujic

Aus mehr als 50 Fuß- und Wagengruppen setzte sich der farbenfrohe Lindwurm zusammen, der über drei Stunden lang zwischen dem Doktorplatz in Rheda und der Wiedenbrücker Innenstadt für Ausnahmezustand sorgte. Mehrere tausend Zuschauer bejubelten die fantasievoll kostümierten Jecken von den Straßenrändern aus und feierten anschließend gemeinsam mit ihnen in Zelten und Kneipen ausgelassen die fünfte Jahreszeit. Angeführt wurde der Umzug erstmals von Peter Gassei, dem neuen Vorsitzenden des Rosenmontagskomitees. Er hatte im vorigen Jahr die Nachfolge von Hildegard Baumhus angetreten.

Peer Steinbrück lässt keinen Fettnapf aus

Kein Fettnapf ist Merkel-Herausforderer Peer Steinbrück zu klein – oder zu groß –, um nicht mit beiden Beinen hineinzutappen: Dass der SPD-Kanzlerkandidat Nachholbedarf in Sachen Kommunikation und Außenwahrnehmung hat, nahmen die Karnevalisten zum Anlass, um ihm einen Themenwagen zu widmen.

Der Peer-Steinbrück-Wagen.
Im Spannungsfeld zwischen einem Fettnäpfchen namens Kanzlergehalt und einem prall gefüllten Geldsack auf dem Rücken mit der Aufschrift „Nebeneinkünfte“ lavierte sich Steinbrück durch die feiernde Menge.

Hauptstadtflughafen im Sturzflug

Auch das Flughafendesaster in der Bundeshauptstadt griffen die Jecken auf: „Die Flieger kreisen um Berlin und wissen bald nicht mehr wohin.“ Nur gut, dass wenigstens der Mottowagen der Narren rechtzeitig fertig geworden war – im Gegensatz zum Milliardenprojekt an der Spree. Dass angesichts dieser Geldverschwendung der Euro in schwieriges Fahrwasser geraten ist, wunderte die Jecken kaum. Aber sie hatten schon eine Ersatzwährung parat: „Der Euro schwankt, das ist uns egal, wir zahlen mit Steinen wie im Neandertal.“

Schulen als Opferlämmer

Die Neuordnung der Schullandschaft beschäftigte den Carnevalsverein Rheda. Die beiden Hauptschulen und die Ernst-Barlach-Realschule nahmen in der Vorstellung der Karnevalisten die Gestalt von Opferlämmern an, die von den Ratsfraktionen mit vereinten Kräften zur Schlachtbank gezogen wurden.

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