Ecke Sagemüller lässt es krachen
Bild: Dresmann
Ins Schwitzen kamen die Landjugend-Tänzer bei ihrer Aerobic-Nummer. Enge Outfits waren da natürlich ein Muss.
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Wer am Samstagabend in Voltmanns Halle an der Varenseller Straße gekommen war, der war gewiss mit hohen Erwartungen nach Lintel gereist. Denn das Eckenfest ist so etwas wie ein Geheimfavorit unter den Karnevalsfesten der Doppelstadt. Wobei das Wort „geheim“ getrost gestrichen werden kann. Lintel lag im nicht ganz repräsentativen Karnevalsranking der Besucher klar vorn.

Landjugend zeigt nackte Haut

„Wir haben da noch ein Ass im Ärmel“, wusste Moderator Christian Stiens zu berichten, als er zusammen mit Ludger Daut die Landjugend ankündigte. „Sie haben hart gearbeitet, um diesen Abend beschließen zu dürfen.“ Im Rhythmus der Technomusik tanzte Lintels Ü18-Jugend über die Bühne, schwang das schlanke Bein und sprang Seilchen. Zwei, sie konnten es sich leisten, ließen sogar die Hüllen fallen. Natürlich durfte in der Choreographie um kurz nach 23 Uhr die Landjugend-Hymne „Wo war ich in der Nacht von Freitag auf Montag?“ nicht fehlen.

Erinnerung an Udo Jürgens

„Ostwestfalens bestes Stück, das ist Rheda-Wiedenbrück.“ Die Eckensänger wissen, was das Publikum hören will. Und so hatten sie auch in diesem Jahr wieder Dauerbrenner und Tophits („Atemlos“, „Auf uns“) mit feiner Zunge auf ihr Dorf umgemünzt. Im Udo-Jürgens-Gedächtnis-Bademantel sagen sie zur Melodie des „Ehrenwerten Hauses“: „Dieser Verein ist mir ein Graus – ich tret’ ab heute aus.“ Nach der Beschwerde über den toilettenarmen Karnevalsumzug durfte die Hommage an die amtierende Prinzessin der Ecke Sagemüller nicht fehlen. „Angelika, geboren um Liebe zu geben“, skandierten die Eckensänger aus vollen Kehlen, doch sie wussten gleichzeitig: „Du bist unerreichbar für uns.“

„Prinz geht wie ein Walross“

Für Prinz Berthold und seine bessere Hälfte hatten die Sänger extra einen Stargast eingeladen: Bruce Darnell. Im war schnell klar, „hier gibt es keine Sexappeal bei die Männer“. Erst recht gelte das für Prinz Berthold. „Der geht wie eine Walross“, gab sich Bruce enttäuscht, weinte und machte es selber besser: Auf Glitzerpumps und in Strumpfhose. Tja, und was soll man sagen – Hendrik Wortmann konnte es tragen.

Nachwuchs auf der Bühne

Dass die Vereinszukunft gesichert ist, wurde am Samstagabend mehr als deutlich. So nahmen unter anderem die Eckensänger erstmals ihren Nachwuchs mit auf die Bühne. Und die Kleinen sind bereits genauso frech wie die Großen, frei nach dem Motto: „Warum seit ihr nicht wie jedes Kind? Weil wir echte Linteler sind!“ Begleitet von Marc Hustert und Uli Wiesbrock sangen sich die zehn Kinder, die sich übrigens zwei Nachnamen (Küsterameling und Wiesbrock) teilen, richtig in Form und waren sich einig: „Kartoffeln mögen wir bestimmt, wenn sie nicht von Verhoff sind.“

Putin annektiert Lintel

Die Zukunft von Ortsvorsteher Gerhard Stiens ist klar: „Das liegt doch auf der Hand, der kommt bald ins Kanzleramt“, meinte Johannes Deittert alias Igor Integranow in der Bütt. Die Beziehungen zwischen Berlin und Kreml seien seit jeher starken Schwankungen unterworfen. Um wenigstens die Kontakte zu Lintel zu festigen, habe Wladimir Putin kurzerhand den Eckenverein annektiert. „Keine Gegenwehr?“, fragte sich Johannes Deittert in der Rolle als russischer Botschafter. „Dann können wir uns eine Abstimmung ja sparen.“

Wärmebildkamera gibt Aufschluss

Der Diplomat hatte vor seinem Antrittsbesuch in Lintel schon einiges über das Dorf herausgefunden. „Der Linteler lernt schnell, im Gegensatz zu Rheda fast kriminell.“ Apropos Rheda: „Groß und stark – Lintel wird energieautark“, wusste Integranow. Vor lauter Energie werde Lintel in Zukunft vor Wärme nur so strahlen. „Und Rheda wird es auf der streng geheimen Wärmebilderkamera als erstes sehen“, spielte der vermeintliche Russe auf die Querelen in der Feuerwehr-Führungsriege im nördlichen Stadtteil an. Igor Integranows Kommentar zu Voltmanns Halle: „Dort gehen nur gut gelaunte Menschen hinein, im Reethus stürzt die Decke ein.“

Kaiserpaar regiert

Bereits zum zweiten Mal regieren Berthold und Angelika Martinmaas die Ecke Sagemüller. Nach der ersten Regentschaft vor zehn Jahren sind sie jetzt quasi ein Karnevalskaiserpaar. So nahm der Martinmaas-Thron die Gäste mit auf eine Reise unter dem Motto „Kaisertours“.

Feuerspeiender Drache im Saal

Fester Bestandteil des Eckenkarnevals sind auch die Eckengirls. „23 Mädels, und sie kommen alle aus Lintel“, betonte Moderator Christian Stiens stolz. Mit ihrer Tanzdarbietung passend zum WM-Sieg der Fußballnationalmannschaft tanzten sie zu Hits wie „Football’s Coming Home“ oder „Stand Up For the Champions.“ Wie die Eckentänzer mussten sie sich vor den Garden von KG „Helü“ und WCV, die jeweils Gastauftritte ablieferten, keineswegs verstecken. Aber das würde ihnen auch gar nicht einfallen. Seit mehr als zehn Jahren tanzen die Eckentänzer zusammen und werden auch im Alter immer anspruchsvoller. Im Asiaoutfit bauten sie Pyramiden und warfen sich gegenseitig über die Bühne, alles begleitet von einem feuerspeienden Drachen. Tragen musste den allerdings einer mit der passenden Statur: Ralf Schöppner.

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