Eigener Mutter nach dem Leben getrachtet
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Der JVA-Häftling, der am Freitag während einer Geiselnahme in Münster getötet wurde, hatte vor Jahren in Rheda-Wiedenbrück seiner Mutter nach dem Leben getrachtet. Das Bild zeigt Einsatzkräfte vor der JVA Münster.
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Der Mann war im Dezember 2007 zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden, nachdem er versucht hatte, seine Mutter mit einem Küchenmesser zu töten. Der Ort des Geschehens: eine Wohnung in Rheda.

Mann bei Geiselnahme in Münster erschossen

Der inzwischen 40-Jährige hatte, wie berichtet, am Freitag eine 29-jährige Angestellte als Geisel genommen, sie mit einer aus einer Rasierklinge gefertigten Waffe bedroht und einen Hubschrauber gefordert, um aus der JVA zu fliehen. Trotz intensiver Kommunikationsversuche gelang es nicht, den Häftling von seinem Tun abzubringen. Ob der sich zuspitzenden Situation und der lebensbedrohlichen Lage, in der die Frau steckte, ist der Mann letzten Endes getötet worden. Er hatte eine viermonatige Freiheitsstrafe wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verbüßt, die am 10. November geendet hätte.

Am 14. Dezember 2007 war der Mann zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Das Landgericht Bielefeld sah es als erwiesen an, dass der damals 27-Jährige am 6. Mai 2007 in Rheda versucht hatte, seine Mutter zu töten.

Blutiger Familienstreit nach Trinkgelage

Dem Verbrechen vorausgegangen war ein Trinkgelage im Familienkreis. Als sich der Vater des Schlachthofmitarbeiters der Firma Tönnies nach erheblichem Schnaps- und Bierkonsum ins Bett verabschiedete, blieben Ehefrau und Sohn in der Küche zurück. Weil er Eier braten wollte und einige fallen ließ, wurde der 27-Jährige von seiner Mutter ermahnt, den Boden zu reinigen. Daraufhin muss alles sehr schnell gegangen sein: Die Frau drehte sich um, ihr Sohn näherte sich von hinten, zückte ein scharfes Fleischermesser mit 20 Zentimeter Klingenlänge und zog es ihr drei Zentimeter tief durch den Hals. Der Mann flüchtete, während sich die 46-Jährige ins Bad rettete und den Hausherrn um Hilfe rief, welcher den Notarzt alarmierte.

Mildes Urteil vor 13 Jahren

Der Sohn wurde noch am selben Abend in seiner 600 Meter entfernten Wohnung an der Fürst-Bentheim-Straße in Rheda festgenommen. Die Tatwaffe ist nie gefunden worden. Stur hatte der am Freitag Getötete seinerzeit vor Gericht behauptet, seine Mutter habe einen Suizidversuch unternommen.

Die Richterin skizzierte den Geiselnehmer damals als einen Einzelgänger, der aus einer Familie stammte, wo Alkoholkonsum stets eine wichtige Rolle gespielt habe und derselbe sich bei ihm zu einer starken Suchtproblematik ausprägte. Mit einem verhältnismäßig milden Urteil hatte man den Versuch gewagt, dem Mann keine weiteren Steine in den Weg zu legen. Stattdessen war der Wunsch, dass er erfolgreich eine Therapie absolvieren möge, „die seinem weiteren Leben eine Sinnfindung vermittle“.

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