„Einsteiner“ erfüllen Herzenswünsche
Wünsche werden wahr: (v.l.) Marita Sieben von den Flüchtlingsberatung der Diakonie mit Carmen Gladbach (Lehrerin für Kunst und Deutsch) sowie Kerstin Spieker (Lehrerin für Englisch und katholische Religion) am Wunschbaum im Foyer des Einstein-Gymnasiums Rheda. Die Glaskugeln mit den Nummern – jede steht für einen der 70 Wünsche – haben die Schülerinnen und Schüler des Kunstleistungskurses gestaltet.

Die Relativitätstheorie des Namensgebers ihrer Bildungseinrichtung haben die Kinder und Jugendlichen des Rhedaer Einstein-Gymnasiums neu interpretiert. Anstatt sich wie weiland Physiker Albert Einstein mit dem Wesen von Zeit und Raum in Verbindung mit der Schwerkraft zu beschäftigten, haben die Gymnasiasten einen ganz anderen Ansatz verfolgt: Wie kann man kurz vor Weihnachten möglichst viele Menschen glücklich machen?

Gläserne Kugeln am Baum der Geschenke

Herausgekommen ist ein acht Meter hoher Wunschbaum, den 70 gläserne Kugeln zieren. Jede von ihnen enthält einen Wunsch von bedürftigen Kindern, Familien und Senioren aus der Doppelstadt an der Ems, der garantiert bis zum Heiligen Abend in Erfüllung gehen wird.

Schulleiterin Antje Solty hatte die Idee, die Lehrerinnen Kerstin Spieker und Carmen Gladbach kümmerten sich um die Umsetzung. Im Vorfeld loteten die „Einsteiner“ aus, was sich die Menschen in den drei Altenheimen der Stadt, Kinder und Erwachsene aus finanziell schwachen Familien oder Flüchtlinge, die in Rheda-Wiedenbrück ein neues Zuhause gefunden haben, am sehnlichsten wünschen. Hierzu wurden Kontakte zu den einzelnen Einrichtungen und Verbänden geknüpft.

„Als die Wunschliste fertig war, begann die eigentliche Arbeit“, berichten Kerstin Spieker und Carmen Gladbach. Eine Woche hatten Schüler aller Jahrgangsstufen Zeit, sich einzeln, gruppen- oder klassenweise für einen Wunsch, den sie erfüllen wollten, zu entscheiden. 40 materielle Herzenswünsche und 30, die mit Geld nicht zu bezahlen sind, wurden bis Anfang dieser Woche Realität: Spenden wurden gesammelt, um all die Dinge, die auf der Wunschliste der Bedürftigen stehen, kaufen und anschließend nett verpacken zu können.

Mundharmonika mit Gesangbuch

Für diejenigen, die sich beispielsweise auf den Besuch eines Schülers, der ihnen vorliest, vorsingt oder die Wohnungsfenster putzt, gefreut haben, war größtenteils bereits Bescherung: „Diese immateriellen Wünsche haben die Kinder und Jugendlichen nach Möglichkeit noch vor den Festtagen in die Tat umgesetzt“, sagt Englisch- und Religionslehrerin Kerstin Spieker.

„Eine unserer Bewohnerinnen hat sich ein Gesangbuch und eine Mundharmonika gewünscht“, sagt Gabriele Buck vom evangelischen Altenheim „Haus im Park“ in Rheda. Der Wunsch ging in Erfüllung. Am Dienstag holte Gabriele Buck ebenso wie die Vertreter der anderen Hilfsorganisationen und Verbände die Geschenke für ihre Schützlinge im Einsteingymnasium ab.

Beschenkte können ihr Glück kaum fassen

Unter denjenigen, die Pakete für Hilfebedürftige in Empfang nahmen, war auch Marita Sieben von der Flüchtlingsberatung der Diakonie. Zehn Familien, die von ihr betreut werden, kommen in den Genuss einer Weihnachtsüberraschung. „Sie konnten ihr Glück kaum fassen“, beschreibt Marita Sieben die Reaktion der Flüchtlinge, als sie erfuhren, dass sie sich etwas wünschen dürfen. Kleidung stand auf der Prioritätenliste ganz oben. „Wir sind mit den Familien zum Modediscounter gefahren und haben mit ihnen etwas Schönes zum Anziehen ausgesucht“, sagt Marita Sieben. Zwei Jungen, die seit Jahren im Verein das runde Leder kicken, wollten neue Fußballschuhe haben – und haben sie bekommen.

Einmal zusammen essen gehen

Ein Gutschein für ein Abendessen im Restaurant mit der ganzen Familie war einer der Wünsche, die Birgit Kaupmann von der Caritas im Namen ihrer Klienten an die „Einsteiner“ weitergab. Andere hofften auf neue Kleidung oder Spielzeug. Der Grundtenor war in allen Familien derselbe: „Wenn es die Aktion nicht geben würde, würde nichts unter unserem Weihnachtsbaum liegen.“ Ansporn genug also für die Gymnasiasten, auch 2013 als Wünscheerfüller aktiv zu werden.

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