Einzelhändler fordern Parkraumkonzept
Bild: Grujic
Die Errichtung von vier Wohneinheiten plant der Eigentümer dieses Grundstücks zwischen Mühlenwall und Ems. Das würde zum Verlust der rund 30 Stellplätze führen, die zurzeit von vielen Kunden der Wiedenbrücker Einzelhandelsgeschäfte genutzt werden.
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Eigentlich hatte die Stadtverwaltung die Einzelhändler um eine Stellungnahme zum drohenden Verlust von etwa 30 PKW-Stellplätzen am Mühlenwall gebeten. Doch die teils hitzig geführte Diskussion in der Guten Stube des historischen Wiedenbrücker Rathauses zog wesentlich weitere Kreise: Nach eineinhalbstündiger Debatte forderten die Kaufleute die Ausarbeitung eines „tragfähigen Parkraumkonzepts für die gesamte Innenstadt“. Isoliert einzelne Punkte wie den Stellplatz zwischen Mühlenwall und Ems hinter Sport-Wien zu betrachten, mache wenig Sinn.

Stadtverwaltung soll ihre Hausaufgaben machen

Wie verlaufen die Kundenströme? Wo gibt es zu wenig Parkplätze? Und vor allem: Wie können zusätzliche Stellflächen für die Fahrzeuge der Kundschaft in der engen und dicht bebauten Wiedenbrücker Innenstadt geschaffen werden? Diese Fragen gelte es im Rahmen des von den Einzelhändlern eingeforderten Parkraumkonzepts zu beantworten, unterstrich Joachim Runde vom Gewerbevereinsvorstand. Eine klare Stellungnahme zu diesem für die örtlichen Geschäfte so wichtigen Thema seien Rat und Verwaltung ohnehin schon viel zu lange schuldig geblieben.

Respekt vor dem Eigentum

Mit 23 Ja-Stimmen bei 13 Enthaltungen sprachen sich die Gewerbevereinsmitglieder dafür aus, an der vorhandenen Stellplatzzahl im Wiedenbrücker Ortskern nicht zu rütteln. Zum Zankapfel Mühlenwall äußerte sich die Kaufmannschaft hingegen nur indirekt: Wünschenswert sei der Erhalt dieser rund 30 besonders zentrumsnahen Parkplätze allemal. Aber die Stadt auffordern, sämtliche Hebel in Bewegung zu setzen, um die Flächen notfalls auch gegen den Willen der beiden Eigentümer für Parkzwecke zu erhalten, wollten die Einzelhändler mehrheitlich dann doch nicht. Respekt vor dem Besitz anderer führten sie als Begründung ins Feld. Ein Vereinsmitglied ging sogar soweit, dass mit ihm „diese Form der modernen Enteignung“ nicht zu machen sei. Stattdessen solle die Stadtverwaltung nach zentrumsnahen Alternativen für die Mühlenwall-Stellplätze suchen.

Hintergrund

Parkplätze im Zentrum sind für die Einzelhandelsgeschäfte von extrem hoher Bedeutung. Das Warenangebot könne noch so groß und der Service noch so gut sein: Wenn die Kunden keine schnell zu erreichenden Stellplätze Autos finden, bleiben sie auf Dauer weg. „Die Kunden wollen ihre Fahrzeuge am liebsten mit in den Laden nehmen“, brachte es eine Diskussionsteilnehmerin während der Versammlung des Gewerbevereins auf den Punkt. Der Großparkplatz auf der Schanze beispielsweise sei manchem, der ein Geschäft in der Innenstadt aufsuchen wolle, schon zu weit weg vom Schuss, bemerkte ein anderer Einzelhändler.

Dass die Suche nach Freiraum für etwa 30 zusätzliche PKW-Parkplätze ein schier aussichtsloses Unterfangen werden könnte, davor warnte der städtische Baudezernent Gerhard Serges während der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Gewerbevereins.

Bauvoranfrage gestellt

Bei ihren Versuchen, die Stellflächen zwischen Mühlenwall und Ems, die früher Teil des Aldi-Parkplatzes waren, dauerhaft zu sichern, habe sich die Stadtverwaltung bislang weit aus dem Fenster gelehnt. „Als die Eigentümer eine Bauvoranfrage für das etwa 1500 Quadratmeter große Grundstück am Mühlenwall gestellt haben, sind wir hellhörig geworden“, erläuterte Serges. „Denn die auf dem Areal geplanten vier Wohneinheiten würden zu einem völligen Verlust der zurzeit bestehenden Parkmöglichkeiten führen.“

In einem ersten Schritt habe die Verwaltung in Absprache mit dem Rat das Baugesuch um ein Jahr zurückgestellt. „In einem zweiten Schritt wäre der Erlass einer bis zu vierjährigen Veränderungssperre möglich“, informierte der Technische Beigeordnete. In diesem Zeitraum wären den Eigentümern der nebeneinanderliegenden Parkplatzflächen, die von einem Fußgängerweg getrennt werden, faktisch die Hände gebunden. Letzter Schritt wäre laut Serges die Aufhebung des Baurechts, das für die besagten Flächen seit der Landesgartenschau im Jahr 1988 gilt.

Juristisches Tauziehen befürchtet

Seitens des bauwilligen Eigentümers sei der Stadt bereits angedroht worden, für das Baurecht notfalls auf juristischem Weg zu kämpfen. Serges sieht die Kommune im Fall einer Klage auf nahezu sicherer Seite. Die Wahrscheinlichkeit liege bei bis zu 70 Prozent, dass die Stadt den Rechtsstreit gewinne.

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