Emstreppe geht gehörig ins Geld
Fast doppelt so teuer wie gedacht wird die Emstreppe, die in Wiedenbrück als Verlängerung des Konrad-Adenauer-Platzes entstehen soll. Der Ausschuss für Bauen, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr gab am Donnerstagabend die erforderlichen Finanzmittel für die Maßnahme frei.

322 000 Euro soll die Sitzstufenanlage am Rand des Konrad-Adenauer-Platzes in Wiedenbrück nach neuesten Erkenntnissen der Stadtverwaltung kosten. Das sind 145 000 Euro mehr als zunächst kalkuliert. Fördermittel fließen voraussichtlich in Höhe von 35 000 Euro. Aus eigener Tasche muss die Stadt demnach 287 000 Euro zahlen.

Baudezernent Stephan Pfeffer erklärte in der Sitzung am Donnerstag, dass die Verwaltung die Planung für die Emstreppe in Abstimmung mit den beteiligten Büros noch einmal überarbeitet habe. Der ursprüngliche Gestaltungsentwurf für die Sitzstufenanlage am Flussufer ändere sich dadurch nicht, wohl aber die Gründung und die Unterkonstruktion. Unter anderem durch den Verzicht auf den einen oder anderen Bohrpfahl hätten 30 000 Euro eingespart werden können. Die jetzt vorgestellte Kostenkalkulation beinhalte aber auch einen Posten von 25 000 Euro für unvorhersehbare Risiken während der Bauphase.

Bauzeit mindestens vier Monate

Genaue Angaben zum zeitlichen Ablauf des vom Ausschuss bei einer Gegenstimme (FDP) und zwei Enthaltungen (Grüne) beschlossenen Treppenbaus machte Pfeffer in der Sitzung nicht. Er wies aber darauf hin, dass allein für die Produktion der benötigten Betonelemente acht Wochen einzurechnen seien. Alles in allem sei mit einer Bauzeit von mindestens vier Monaten auszugehen.

„Die entscheidende Frage ist, ob wir so viel Geld ausgeben wollen oder nicht“, sagte Peter Berenbrinck (SPD). Darüber könne man durchaus geteilter Meinung sein. Fest stehe aber auch, dass die Sitzgelegenheit in Wassernähe vor allem an schönen Sommertagen zu einem Publikumsmagnet werde. „Das wäre ein Highlight für unsere Stadt“, prophezeite Berenbrinck und riet der Verwaltung dazu, „nicht allzu knapp zu kalkulieren, damit wir später nicht noch mehrfach Gelder nachbewilligen müssen“. Heinrich Splietker (FDP) sah das anders. „Die Treppe ist schön zu haben, aber uns eindeutig zu teuer.“

Kritik an hohen Kosten

Die „horrende Kostensteigerung“ von 145 000 Euro trieb auch Hans-Hermann Heller-Jordan (Grüne) um. Dass die Treppe die Aufenthaltsqualität auf dem Konrad-Adenauer-Platz enorm erhöhe, stehe außer Frage. „Trotzdem sollten wir beim Geldausgeben genauer hinsehen. Jetzt muss mal Schluss sein“, schrieb der Bündnisgrüne den Befürwortern der Sitzstufenanlage ins Stammbuch. Zu diesen gehörte auch Uwe Henkenjohann. Der CDU-Fraktionschef sprach von einem „Gewinn für Rheda-Wiedenbrück“ und nannte die Investitionssumme „gut angelegtes Kapital“.

Der umfassend sanierte Konrad-Adenauer-Platz in Wiedenbrück sollte ursprünglich bereits wesentlich eher um eine Sitzstufenanlage ergänzt werden. Weil die Kosten für die vom Büro „Chora blau“ entworfene Konstruktion aus dem Ruder zu laufen drohten, wurden die Planungen und damit das bereits gestartete öffentliche Ausschreibungsverfahren im März 2018 gestoppt.

Die überarbeitete Planung geht mit 322 000 Euro deutlich über die ersten Kostenschätzungen in Höhe von 177 000 Euro hinaus. Vor diesem Hintergrund drückte der inzwischen fraktionslose ehemalige CDU-Ratsherr Thomas Theilmeier-Aldehoff sein Befremden darüber aus, dass die Maßnahme von der Ausschussmehrheit nun doch durchgewunken wurde. „Dafür fehlt mir die Fantasie“, sagte Theilmeier, der im Ausschuss kein Stimmrecht hat.

Mühlenwall-Ausbau erst später

Durch den Treppenbau verzögert sich die Instandsetzung des zweiten Mühlenwall-Abschnitts. Denn über die Trasse sollen die Schwertransporte mit den Pfeilern und Betonelementen abgewickelt werden, informierte die Stadt.

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