Entdeckungen und Papa Haydns Mäusejagd
Bild: Gans
Ein Nager gibt den Takt vor.
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Die Jagd auf den Nager lässt ihn fast vergessen, dass er auch noch eine „Giraffen-Sinfonie“ für die Kaiserin schreiben muss. Nicht immer ging es beim ersten Harmonie-Musik-Festival in der Orangerie am Schloss Rheda so quietschvergnügt zu wie beim Kinderkonzert am Samstag. Doch als kurzweilig und spannend muss man auch die Abendkonzerte des Ma’alot-Quintetts am Freitag und Samstag durchaus bezeichnen.

Seltene Besetzung


Mit Belcanto-Oper von Rossini („Tancredi“) und Heiterem von Mozart („Cosí fan tutte“), in schönster Harmonie-Tradition gesetzt von Ulf-Guido Schäfer, dem Klarinettisten des Ensembles, startete das Festival populär. Die „Sechs Bagatellen“ des Avantgarde-Klassikers György Ligeti fügten sich ebenso funkensprühend in diesen Auftakt ein, wie die Tango-Suite von Astor Piazzolla. Seit Dienstag wurde intensiv geprobt, auch mit den musikalischen Gästen Adrian Oetiker (Klavier) und Johannes Peitz (Bassklarinette). Abseits des Konzert- und Tourneealltags hätten sich solche Raritäten, wie sie das Samstagsprogramm bestritten, auch gar nicht realisieren lassen. Etwa das Klaviersextett von Bohuslav Martinu. Das liegt weniger an der Qualität dieses 1929 komponierten Stückes, als an der seltenen Besetzung für Holzbläserquintett mit Klavier und Bassklarinette (statt Horn). Gut, dass mit Oetiker und Peitz Instrumentalisten von internationalem Rang den Ma’alots in dem von frechen jazzigen Rhythmen bestimmten Werk zur Seite standen.

Harmonische Momente

Wenn überhaupt, wird man dieses Stück in dieser spannungsvollen Dichte und sublimen Finesse wohl kaum je wieder hören. Auch das Bläsersextett „Mladi“ von Leo Janáek erfuhr von den Interpreten eine in den Einzelverläufen scharf konturierte, und klangvoll abgerundete Gesamtdarstellung, die einfach Freude machte. Die steigerte sich, als Adrian Oetiker, der aus der Schweiz mit Gattin und Sohn angereiste Pianist, mit den Ma’alots das Klavier-Sextett des Münchener Komponisten Ludwig Thuille spielten. So hinreißend romantisch in seiner klanglichen Anlage ist dieses 1888 geschriebene Meisterwerk, dass man sich vom Schloss direkt in den Rhedaer Forst hinträumen konnte. Eine Aufführung aus einem Guss, von Schönklang und Anteilnahme geprägt, wurde zum ausgiebig beklatschten Höhepunkt des Abends. Für genau solche Momente gibt es das Harmonie-Musik-Festival.

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