FDP fordert „Denkmalschutz mit Augenmaß“
An der Langen Straße in Wiedenbrück stehen besonders viele zumeist denkmalgeschützte Fachwerkhäuser. Doch auch an anderen Stellen des Stadtgebiets gibt es Baudenkmäler, um deren Erhalt sich die Untere Denkmalbehörde kümmert.

In der jüngsten Sitzung des Bau-, Planungs-, Umwelt- und Verkehrsausschusses legte die Untere Denkmalbehörde einen 18-seitigen Bericht über ihre Arbeit und ihre Zielsetzungen vor. Das nahm nicht nur FDP-Fraktionschef und Antragsteller Hubert Möller „mit Freude“ zur Kenntnis, sondern auch SPD-Ratsfrau Barbara Völzke-Weidlich: „Man kann der Stadtverwaltung zu dieser Fleißarbeit nur gratulieren.“

„Unverständliche Auflagen“

Die Liberalen hatten sich zuvor intensiv Gedanken um den Denkmalschutz in Rheda-Wiedenbrück gemacht. „Für uns ist es nicht nachvollziehbar, warum engagierte Nutzer von Denkmälern mit oft unverständlichen Auflagen belegt werden, wenn es um marginale Zugeständnisse geht“, schrieb Möller im April 2011 in seinem Antrag an die Stadtverwaltung.

Ziel: Lebendige Denkmäler

„Denkmalschutz mit Augenmaß“ forderte der Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzende der Liberalen und begründete dies so: „Wir möchten nachfolgenden Generationen nicht zumuten, dass sie umgeben sind von denkmalgeschützen Ruinen mit bröckelnden Fassaden.“ Hauseigentümern, die investieren wollen, dürfe durch zu viele Vorschriften nicht der Wind aus den Segeln genommen werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich immer weniger Gebäudebesitzer um ihre denkmalgeschützen Immobilien kümmern. Denkmäler müssten lebendig sein und bewohnt werden.

Negativbeispiel Markt 13

Negativbeispiele seien aktuell „Objekte wie das Haus Kemper, die Häuser in der Simonswerk-Siedlung oder auch Markt 13, die einfach aufgegeben werden und für alle nicht mehr erbaulich in der Gegend herumstehen“, argumentierte die FDP.

18-seitiger Tätigkeitsbericht liegt vor

Seit dem Antrag der Freidemokraten vom April vorigen Jahres hat die Stadtverwaltung ihre Hausaufgaben gemacht. Der 18-seitige Tätigkeitsbericht der Unteren Denkmalbehörde, den der Technische Beigeordnete Gerhard Serges und Klaus Landwehr in der jüngsten Bau- und Planungsausschusssitzung vorstellten, war Wasser auf die Mühlen der Partei.

Fachwerkhäuser sind „kein Museum“

„Die Denkmalbehörde sieht in einem Baudenkmal kein Museum“, ist darin unter anderem zu lesen. „Deshalb ist das Vorurteil, in einem denkmalgeschützten Haus nichts verändern zu dürfen und in ihm wie vor 100 Jahren leben zu müssen, nicht richtig.“

Wirtschaftliche Tragfähigkeit wichtig

Die Anforderungen, die Besitzer von denkmalgeschützten Gebäuden an ihre Immobilien stellen, sind nach Auffassung der Stadtverwaltung „für das Überleben des Baudenkmals von entscheidender Bedeutung“. Wirtschaftliche Tragfähigkeit, Energiesparpotenziale und die Schaffung von zeitgemäßem Wohnkomfort seien Zielsetzungen, die die meisten Eigentümer verfolgten, wenn sie mit Restaurierungs- oder Umbauwünschen an die im Rhedaer Rathaus angesiedelte Untere Denkmalbehörde herantreten.

Überzeugen statt verordnen

Überzeugen statt verordnen sei das Leitmotiv. „Damit diese Zukunftsaufgaben erfolgreich gelöst werden können, braucht es kreative Ideen und Visionen“, heißt es im jetzt vorgestellten Handlungskonzept der Unteren Denkmalbehörde. „Denkmaleigentümer und Investoren benötigen Planungssicherheit und die Gewissheit, auf verlässliche Partner zurückgreifen zu können. Deshalb führt die Stadtverwaltung den Dialog mit Hausbesitzern, Architekten und Investoren.“ Bei Restaurierungs- oder Instandsetzungsvorhaben wolle die Behörde nicht auf die Bremse treten, „sondern mit unbürokratischen oder wirtschaftlichen Lösungen weiterhelfen und den Rahmen abstecken, damit bei baulichen Veränderungen die Denkmalverträglichkeit gewahrt bleibt.“ Allerdings müsse von Seiten der Eigentümer „ein Mindestmaß an Verständnis für die Aufgaben und Ziele der Denkmalpflege vorhanden sein“.

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