FDP für Busbahnhof an der Schanze
Bild: Werneke
Zu einer attraktiven Stadt gehört ein funktionierender öffentlicher Personennahverkehr, finden die Liberalen Heinrich Splietker (l.) und Patrick Büker. Die FDP in Rheda-Wiedenbrück hat über eine Neukonzeption nachgedacht und einen Antrag eingebracht.
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Ein zentraler Punkt ist die Einrichtung eines Busbahnhofs in Wiedenbrück auf dem Parkplatz Schanze. Ins Rollen bringen möchte die FDP zudem ein neues Stadtbussystem. „Das, was wir haben, funktioniert nicht, und es wird auch nicht angenommen“, erläutert Heinrich Splietker, sachkundiger Bürger im Rheda-Wiedenbrücker Bau-, Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss, die ÖPNV-Problematik aus seiner Sicht.

Funktionierender ÖPNV für eine attraktive Stadt

Verlässlich und regelmäßig müssten Busverbindungen sein, damit die Bürger sie annehmen. Ein funktionierender ÖPNV gehöre einfach zu einer attraktiven Stadt dazu, betont der Liberale. Die FDP habe mit ihrem Ansinnen nicht nur den Klimaschutz im Kopf, vielmehr denke man auch an mobilitätseingeschränkte Menschen, unterstreicht Fraktionsvorsitzender Patrick Büker. Möglichst leistungsstark und flächendeckend solle künftig der ÖPNV sein. Um dies zu erreichen, müsse man der Zweipoligkeit der Doppelstadt mit einem neuen Mobilitätsknotenpunkt an der Schanze gerecht werden.

Zudem soll eine Bündelung der drei Regionalbuslinien auf der Hauptstraße eine verbindende Achse bilden, auf der ein Express-Takt im 20-Minuten-Rhythmus eingerichtet werden könnte, so die Idee.

Namen von Bushaltestellen zum Teil veraltet

Die Namen von Haltestellen wie etwa „Bahnhof Süd“, „Petermann“ und „Evangelisches Krankenhaus“ verdeutlichten, dass seit Jahren an dem Buskonzept nichts mehr getan worden sei, erklärt Büker. „Das System ist aus der Zeit gefallen“ und seit den frühen 1990er-Jahren weitgehend unverändert, sagt er. Die Liberalen fordern zugleich eine Überarbeitung der Infrastruktur, also etwa der Wartehäuschen, und die Umbenennung veralteter Bezeichnungen.

Einige Quartiere nicht angebunden

Im Lauf der Jahre habe sich die Stadt weiterentwickelt, mit der Folge, dass „ganz viele Quartiere“ nicht erschlossen würden, erläutert Büker, dass nicht selten „ein strammer Fußmarsch“ vonnöten sei, um die nächstgelegene Bushaltestelle zu erreichen. Das gelte auch für Stadtteile wie etwa Batenhorst. Abgehängt seien beispielsweise in Rheda Wohngebiete nördlich der Bahn, an der Wegböhne und im Westen. In Wiedenbrück seien der Südwesten und die Siedlungsgebiete im Nordwesten nicht oder kaum erschlossen. Die FDP erhofft sich eine verbesserte Anbindung dadurch, dass zwei Stadtbuslinien, links und rechts besagter Hauptachse, geführt würden.

Im Bauausschuss auf der Tagesordnung

Ihre Forderungen hat die FDP in einem Antrag formuliert. Dieser ist Thema in der Sitzung des Bau-, Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschusses. Sie beginnt am Donnerstag, 16. Mai, um 17 Uhr im Rathaus Rheda. „Wir möchten fachliches Know How nutzen“, verdeutlicht Büker, dass die Liberalen Wert darauf legen, einen externen Fachplaner hinzuzuziehen. Der solle rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten eines Stadtbuskonzepts prüfen und Fördermöglichkeiten aufzeigen, etwa beim Einsatz von Wasserstoff- oder Elektrobussen. Eine einmalige Pauschale von 20 000 Euro würde die FDP dafür im Haushalt veranschlagen.

Finanzierung des Stadtbuskonzepts

20 000 Euro per Anno und zwar über vier Jahre in die Hand zu nehmen, empfehlen die Liberalen, damit Haltestellen instandgehalten, erneuert und umbenannt werden können. Eine Echtzeit-Information über Fahrplan und Verspätungen an ausgewählten Stellen würden sie begrüßen. Rund 183 000 Euro habe die Stadt 2017 für die Finanzierung des Stadtbusses aufbringen müssen, informiert die FDP, die laut Büker bereit wäre, weiteres Geld in die Hand zu nehmen, was jedoch davon abhänge, was man dafür bekommt. Er betont: „Es muss wirtschaftlich sein.“

Vier Kernforderungen

Der FDP-Antrag zur Neukonzeption des ÖPNV Rheda-Wiedenbrück enthält vier Kernforderungen.

1. Aufbau eines Busbahnhofs auf dem Parkplatz Schanze in Wiedenbrück:  Zwei Busspuren könnten auf dem Parkplatz auf der nordwestlichen Seite an der ehemaligen Bahntrasse liegend eingerichtet werden. Dadurch würden maximal 20 PKW-Plätze wegfallen. Einen solchen zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) nahe der Wiedenbrücker Innenstadt einzurichten, biete sich an, weil schon jetzt alle Buslinien an dem Platz vorbeiführen, betont Büker. Das Areal sei nicht voll ausgelastet, wenn nicht gerade Kirmes oder Christkindlmarkt sei. In Rheda habe man einen gut ausgebauten Mobilitätsknoten, wo Bahnhof, Car-Sharing, Parkhaus, E-Autotankstelle und Radstation zusammenkämen. Ein zentraler Umstiegspunkt sei auch in Wiedenbrück möglich und dort etwa Park- und Ride denkbar. An beiden Knoten wären Echtzeit-Informationen über den Fahrplan eine Option.

Regionallinien auf der Hauptstraße bündeln

2. Die Hauptstraße wird für die Busse zu einer Hauptachse zwischen den Knotenpunkten in Rheda und Wiedenbrück. Dort wird ein 20-Minuten-Express-Takt geschaffen. Die Regionallinien 70 (Rheda-Lippstadt) und Linie 79 (Rheda-Gütersloh) verkehren bereits über die Hauptstraße. Die FDP schlägt vor, die Linie 76 (Rheda-Rietberg), die bislang über die Ringstraße führt, auch über die Hauptstraße rollen zu lassen. Die Pläne aller drei sollten so angepasst werden, dass alle 20 Minuten ein Bus am Bahnhof in Rheda beziehungsweise ZOB Wiedenbrück losfährt, erklärt Büker. So entstünde ein einprägsamer Express-Takt, der das Rückgrat des neuen ÖPNV bilde.

Batenhorst anbinden

3. Umleitung über Batenhorst. Wie sie bereits 2012 beantragt habe, möchte die FDP, dass die Linie 70 über Batenhorst umgeleitet wird.

Zwei Stadtbuslinien statt einer

4. Zwei neue Stadtbuslinien werden eingeführt, die die bisherige ablösen. An die Stelle der Stadtbuslinie 78 sollen zwei neue treten, die laut FDP-Antrag „das Stadtgebiet halbkreisförmig erschließen und sich am ZOB Wiedenbrück und am Bahnhof Rheda kreuzen“. Die neue Stadtlinie 1 würde die Endpunkte Tönnies und Schulzentrum Wiedenbück erschließen und über die Ringstraße verlaufen. Die Stadtbuslinie 2 zwischen Bosfeld und St. Vit würde ihren Weg unter anderem über die Holunderstraße nehmen. Die FDP verspricht sich davon, dass so viele Wohngebiete angeschlossen werden könnten. „Durch eine Anpassung der Fahrpläne und Kreuzung der Linien an beiden ZOB kann jede andere Linie ohne lange Umwege erreicht werden“, heißt es in ihrem Antrag.

Über künftige Organisationsform diskutieren

Derzeit gibt es in Rheda-Wiedenbrück drei Regionalbus- und eine Stadtbuslinie. Den ÖPNV organisiert der Kreis Gütersloh. Bezüglich des Stadtbusses 78 liegt die Aufgabenträgerschaft zwar beim Kreis, doch die Finanzierung trägt die Stadt. Welche Organisationsform eine Neukonzeption des ÖPNV in der Doppelstadt künftig haben soll, sei laut FDP zu prüfen, ebenso die Frage des Finanzbedarfs. „Jede Fahrt kostet Geld“, sagt Büker. Er hält einen Stadtbus im Stundentakt für ein Minimum. Einen Antrag zum ÖPNV habe die FDP bereits 2012 eingebracht. Doch das von der Stadtverwaltung seinerzeit erarbeitete Konzept sei laut Büker finanziell „eine Nummer zu groß gedacht“ gewesen.

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