Fäden laufen in St. Vit zusammen
Foto: Nienaber
Die Kreisfeuerwehrschule in St. Vit dient der Einsatzleitung und den Mobilen Teams dieser Tage als Schaltzentrale. Von dort rücken täglich bis zu 700 Einsatzkräfte aus, um Testungen von Werkvertragsarbeitnehmern durchzuführen.  
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Allein das erfordert schon eine sowohl strategische als auch logistische Meisterleistung. 700 Frauen und Männer rücken allein am Donnerstag aus. Ihr Tagesziel: 550 Proben sicherzustellen, die dann auf das Coronavirus hin getestet werden sollen. Ein zwölfköpfiger Stab, die Einsatzleitung des Kreises Gütersloh, ist überwachendes Auge und Schaltzentrale zugleich. Die ehemaligen Grundschulräume, die mittlerweile für Fortbildungszwecke der Blauröcke im Kreisgebiet genutzt werden, sind in einem provisorischen Leitstand umfunktioniert worden.

80 Fahrzeuge rücken aus

Wer wann und wo getestet werden soll, erfährt die Einsatzleitung aus dem Kreishaus. „Wir stehen kontinuierlich in engem Kontakt mit dem dortigen Krisenstab“, erläutert Ulrich Laupichler, im normalen Leben Löschzugführer in Steinhagen und am Donnerstag für die Kommunikation des Stabs zuständig. Das Gesundheitsamt übermittele über Listen die Daten der zu testenden Personen. Es ist 8 Uhr. Die ersten der rund 80 Fahrzeuge, die in St. Vit für die Mobilen Teams zusammengefasst sind, rollen auf das Gelände am Lattenbusch. Ein Großteil der Einsatzkräfte der beteiligten Hilfsorganisationen (DRK, ASB, MHD und Johanniter) pendelt täglich ein.

Nur wenige sind in Rheda-Wiedenbrücker Hotels untergekommen. Vor Ort werden die Ehrenamtler mit Lunchpaketen (am Donnerstag gibt es Obst, Brötchen, Gummibärchen, Kuchen und Wurst) ausgestattet und mit den Listen versorgt, mit Hilfe derer der Tag strukturiert werden soll. Eine Fahrzeughalle der Kreisfeuerwehr dient als Materiallager und -ausgabestelle.

Die persönliche Schutzausrüstung wird in Kisten an die Mitglieder der Mobilen Teams ausgegeben. Aus gutem Grund: Sie ist umfangreich. Nach jedem Hausbesuch müssen die schützenden Ganzkörperanzüge ausgetauscht werden. Schutzhandschuhe (zwei Lagen übereinander) und Mund-Nasen-Schutz müssen sogar nach jeder Testung durch neue ersetzt werden. Warum? Das erfahren die Aktiven von Mitarbeiterinnen des Medizinischen Diensts, die Hygieneeinweisungen geben, bevor sie die Test-Sets samt Infoblättern austeilen.

Kommandeur besucht Truppe

Die zivilen Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes, des Arbeiter-Samariter-Bunds sowie der Malteser und Johanniter erfahren auf vielfältige Weise Unterstützung von anderer Seite. Die Feuerwehr übernimmt weite Teile der Logistik. Bei den Hausbesuchen stehen die kommunalen Ordnungsbehörden und Mitglieder mehrerer Polizei-Hundertschaften Gewehr bei Fuß. Darüber hinaus leistet die Bundeswehr Hilfestellung.

Mehrere Dutzend Soldaten aus Augustdorf (Panzerbataillon 203, Panzergrenadierbataillon 212 und Sanitäts-Staffel), Ahlen (Aufklärungsbataillon 7) sowie Koblenz (Sanitätsregiment 2) reisen täglich aus Stukenbrock an, wo sie auf dem Gelände der dortigen Polizeischule ihre Stuben bezogen haben. Sie sind vor allem dazu eingesetzt, die Dokumentation der Testungen sicherzustellen.

Carsten Breuer, Generalmajor und Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr, war am Donnerstag mit einem EC-135-Hubschrauber über Bückeburg aus Berlin eingeflogen, um mit Brigadegeneral Torsten Gersdorf des vor Ort verantwortlichen Landeskommandos Nordrhein-Westfalen kurz die Lage zu besprechen, bevor es weiter nach Gütersloh ging. Dort nahm der hochdekorierte Uniformträger an einer Sitzung des Krisenstabs teil.

Eis willkommene Motivationsspritze

Gegen Mittag kommen die ersten Fahrzeuge zurück auf das Gelände der Kreisfeuerwehrschule. Ob das Tagesziel erreicht werden kann? Man weiß es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Es kommt immer wieder vor, dass wir gemeldete Personen nicht in den Unterkünften antreffen. Das bedeutet in der Regel, dass wir ein zweites Mal dorthin ausrücken müssen, was die Testungen verzögert“, erläutert Rainer Stephan, Pressesprecher des DRK-Kreisverbands. Das bedeutet, dass die Tage lang werden für die Aktiven.

Zur Ruhe kommen die meisten erst am späten Abend. Nicht wenige haben noch eine längere Heimreise anzutreten. Die Teams bestehen aus Kräften aus dem gesamten Kreisgebiet, teils auch darüber hinaus. Einzelne Gruppen pendeln sogar täglich zwischen Dortmund und St. Vit. Um das Pensum bewerkstelligen zu können, müssen die Einsatzkräfte entsprechend versorgt werden. Rindergulasch, Gemüsereis und Hähnchenschnitzel gibt es am Donnerstag.

Für die Verpflegung zeichnet das Technische Hilfswerk verantwortlich. Auch das DRK spendiert an diesem Tag eine Stärkung. Der Kreisverband hatte „als Motivationsspritze“ einen Eisstand organisiert, dessen frostige Leckereien bei den vorherrschenden sommerlichen Temperaturen besonders gut schmecken.

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