Feuerwehrwache wird zum Drehort
In der Wache der Feuerwehr am Nordring in Wiedenbrück wird für die Jugendfeuerwehr gedreht. Das Bild zeigt (v. l.) Lennert Wilke, Tobias Meyer, Lukas Köpp und Bastian Niewöhner.

Dort, wo sonst Zelte, Anhänger und das Boot für sie lagern, steht nun jede Menge Filmequipment: Die Ausbilder der Jugendlichen produzieren damit die Onlinedienste für den Feuerwehrnachwuchs. Beleuchtung, Stative für Kamera und Mikrofon, Bildschirm und Laptop stehen bereit. Vor einem schwarzen Tuch befindet sich Lukas Köpp. Der Jugendwart führt vor laufender Kamera ein Experiment durch. Zuhause vor ihren Bildschirmen sitzen mehr als 20 Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Heute geht es um die Kraft von Wasser- und Luftdruck.

Onlinedienste für die Jugendlichen

Eine leere Getränkedose wird mit ein wenig Wasser gefüllt und die Flüssigkeit im Inneren zum Kochen gebracht. Dann wird die Dose mit der Öffnung nach unten in einen Eimer mit kaltem Wasser getaucht. Sofort zieht sie sich zusammen. Die Ursache: Der Dampf nimmt in dem Gefäß viel mehr Volumen ein, als das flüssige Wasser. Sobald der Dampf kondensiert, hat das Behältnis viel weniger Volumen als vorher und der äußerliche Luftdruck presst sie zusammen. Mit Hilfe kleiner Experimente wie diesem werden verschiedene Themen aus dem Feuerwehralltag demonstriert und besprochen. Sie werden live ins Internet übertragen sowie zusätzlich aufgezeichnet und sind so jederzeit für die Mitglieder abrufbar. Im Rahmen der Onlinedienste wurden schon Explosionen, Implosionen von Flüssigkeitsbehältern, Wärmeleitung, physikalische Grundsätze der technischen Hilfe sowie chemische Gefahren demonstriert und anschaulich erklärt.

Jedes dieser Themen bereitet einer der 14 Ausbilder vor und führt es auch durch. Ein weiterer Ausbilder spielt vom Computer zusätzliche Videos und Bilder ein, um weitere Informationen zu liefern. Doch warum der ganze Aufwand? Die Corona-Schutzmaßnahmen zwingen auch die Jugendfeuerwehr mit ihren 28 Mitgliedern zwischen zwölf und 17 Jahren in die digitale Distanz. Seit fast einem Jahr kann kaum praktisch geübt werden. Lediglich im Sommer waren drei Wochen lang Dienste in kleinen Gruppen möglich. So wurde das Ausbilderteam rund um Lukas Köpp und seine beiden Stellvertreter Alexander Jackwert und Jens Böckmann kreativ. „Zugegeben ist ein Onlinedienst nicht das Gleiche wie ein normaler Übungsdienst. Das persönliche Miteinander bleibt leider in großen Teilen auf der Strecke“, resümiert Lukas Köpp. Dennoch sind er und sein Team überzeugt, dass die Angebote vor der Kamera eine willkommene Alternative im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten sind. Das zeigen auch die Anwesenheitszahlen: Oft sind alle Mitglieder bei den Übungsdiensten dabei.

Eigenkreation „Knoten-Jupp“ hilft beim Üben

Außer den Experimenten, die durch den Einsatz des Ausbilderteams in den vergangenen Monaten immer mehr an Professionalität gewonnen haben, gab es zu Weihnachten zudem ein Präsent für die Mitglieder. Der sogenannte „Knoten-Jupp“ ist eine Eigenkreation, mit der die Jugendlichen zuhause alle für die Feuerwehr wichtigen Variationen üben können – vom Rettungsknoten bis zum Schotenstich. Wenn der Inhalt es zulässt, wird das Hilfsmittel auch aktiv in die Onlinedienste eingebunden. „Da Knoten in der Jugendfeuerwehr immer wieder Thema sind, beispielsweise auf Wettkämpfen, können wir hier ein bisschen Praxis einbringen und so dafür sorgen, dass der eine oder andere Knoten mehr im Kopf der Jugendlichen bleibt“, erklärt Lukas Köpp. Entwickelt und gebaut haben die Ausbilder „Jupp“ selbst. Als die Jugendfeuerwehr auf ihrer Facebookseite davon berichtete, bekundeten diverse Jugendfeuerwehren aus ganz Deutschland ihr Interesse an dem Übungsmittel.

Experimente schlagen Brücke zum Alltag

Doch was bleibt von den digitalen Angeboten bei den Heranwachsenden hängen? „Die Inhalte der Onlinedienste spiegeln aktuell nicht die normalen Themen im Jugendfeuerwehrdienst wider. Es geht eigentlich darum, gemeinsam Grundtätigkeiten der Feuerwehr zu erlernen, Geräte einzusetzen und natürlich als Team eine Menge Spaß zu haben“, erläutert Lukas Köpp. Der Jugendwart bei den Rheda-Wiedenbrücker Blauröcken betont, dass normalerweise jene Praxis im Fokus stünde, die in der aktuellen Situation und auch im Online-Format bei aller Kreativität allerdings kaum durchführbar sei. „Mit dem Brückenschlag von den spannenden Experimenten hin zu dem Bezug zum Feuerwehralltag erreichen wir dennoch einen kleinen Lernerfolg bei unseren Jugendlichen“, sagt Köpp.

Motivieren ohne lange Theorieblöcke

Man versuche, weitestgehend auf lange Theorieblöcke zu verzichten, da praxisferner Unterricht bei den Jugendlichen aufgrund von Homeschooling in der Coronakrise ohnehin schon einen großen Anteil in deren Tagesablauf einnehme. „Wir wollen ihnen eine Alternative bieten: anschauliche Experimente und dann ein kleiner Aha-Effekt für die Zukunft“, erläutert Köpp, der zusammen mit seinem Team nicht zuletzt das Ziel verfolgt, die Motivation für die Feuerwehr bei den Mädchen und Jungen zu erhalten. Denn nur so könne man verhindern, dass in der aktuellen Situation Mitglieder austreten beziehungsweise nach Aufhebung den Kontaktbeschränkungen nicht wieder zur Jugendfeuerwehr kommen. Dass allerdings im Moment kein Übungsdienst in Präsenz stattfinden kann, sei zwar traurig, aber zum Erhalt der Einsatzfähigkeit der Feuerwehr unumgänglich, ist es Köpp abschließend wichtig, zu betonen.

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