Feuerwerk aus Jazz, Soul und Gospel
Jocelyn B. Smith hat ihre Mission in der Orangerie von Schloss Rheda erfüllt.

Nicht mehr und nicht weniger, als die Menschen mit ihrer Musik „zum Leuchten zu bringen“, hat sie sich auf ihre Fahnen geschrieben. Diesem Vorsatz verlieh die Sängerin mit einem wahren Feuerwerk aus Jazz, Soul, Funk und Gospel den nötigen Nachdruck. Schon die stimmungsvoll illuminierten Fenster hatten dem Publikum den Weg gewiesen. Eine sparsam dosierte, aber effektive Lichtregie während des Konzerts tat ein Übriges. Alles überstrahlt von der quicklebendigen Bühnenpräsenz dieser 56-Jährigen, die in ihrem apfelgrünen, mit einem überdimensionalen Frauenportrait bemalten Seiden-Gehrock all dem Glanz das i-Tüpfelchen aufsetzte. Optisch schon ein Hingucker, wusste die in Queens, New York, geborene Musikerin solo am Flügel oder – mit ihrer fünfköpfigen Band im Rücken – zu jeder Sekunde zu überzeugen.

Ihrer Band, junge Musiker der Berliner Jazz-Akademie, erlaubte sie solistische Ausflüge, darunter auch ein ausufernder Abstecher in den Free-Jazz. Wie Balsam auf den Ohren wirkten da die Balladen, die Jocelyn. B. Smith einstreute. Bei ihnen wurde ihr enormes Stimm-Potenzial besonders deutlich. Von lyrisch leise bis zum knallharten Fortissimo saß jeder Ton auf den Punkt. Überzeugend auch ihr Tastenspiel.

Absoluter Höhepunkt in diesem Reigen war Jocelyns Reverenz an den vor wenigen Tagen verstorbenen Leonhard Cohen. Während der kanadische Song-Poet die fünf Strophen seines weltbekannten „Hallelujah“ stets in der ihm eigenen, betörenden Monotonie gesungen hatte, beließ es die Künstlerin bei zwei Strophen, um im kulminierend wiederholten Crescendo ihres Hallelujahs das Publikum mitzureißen. Abgesehen von wenigen stillen Momenten hieß es: Mitmachen! Mitsingen! Tanzen! Wer mochte diesen „Kommandos“ der temperamentvollen Sängerin widerstehen?

Jocelyn B. Smith möchte aber nicht nur mit ihren Konzerten das Leuchten der Musik in die Welt tragen. Sie berichtete etwa von dem Projekt, bei dem es darum ging, in Lesotho im tiefen Süden Afrikas Kinderchören die Begeisterung am Singen zu erhalten. Oder von ihrer Initiative „Shine an Light“, bei der es bundesweit gilt, bislang unbekannte Kreativität aufzuspüren und zu fördern. Eine umtriebige Künstlerin, die beim Abgang von der Bühne zahllose Hände schüttelte. Wie im Kreis von guten Freunden säuselte sie mit „ihrem Chor“ ein finales „My way“.

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