Finanzbeamter: Beruf bietet Sicherheit
Bild: Grujic
Stellensuche übers Internet: Florian Stieglmaier (22) und Nadja Liebich (18) haben sich bereits vor längerer Zeit über das Onlineportal beim Finanzamt Wiedenbrück beworben. Mit Erfolg: Inzwischen absolvieren sie in der Behörde am Sandberg ihre Ausbildung zum Steuerexperten. Finanzamtsmitarbeiterin Annette Steiling (r.) steht den Auszubildenden im ersten Lehrjahr mit Rat und Tat zur Seite.
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 „Dann müssen wir in den Gewässern anderer Finanzämter fischen“, erklärt Stephan Spies. Die Zeiten, in denen das Finanzamt Wiedenbrück ausschließlich mit Bewerbungen aus seinem Zuständigkeitsbereich auskomme, seien vorbei. Die Behörde am Sandberg in Wiedenbrück ist für die Steuerveranlagungen von Unternehmen und Privatpersonen aus Langenberg, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Verl, Schloß Holte-Stukenbrock und Herzebrock-Clarholz verantwortlich. In jüngster Zeit richten Spies und Ausbildungsleiter Alfons Werner ihr Augenmerk verstärkt auch auf Bewerber aus den umliegenden Finanzamtsbezirken.

Acht neue Auszubildende

Potenzielle Kandidaten für freie Ausbildungsplätze rekrutiert die 1920 gegründete Behörde aus dem Internetportal der nordrhein-westfälischen Finanzverwaltung. Online können sich Schulabgänger und junge Erwachsene bei den rund 100 Finanzämtern des Landes bewerben – und umgekehrt die einzelnen Behörden nach geeigneten Auszubildenden Ausschau halten. Das Portal, das seit kurzem für das Ausbildungsjahr 2012 freigeschaltet worden sei, reduziere die Papierflut, die klassische Bewerbungen zwangsläufig mit sich brächten, unterstreicht Spies. „Und es erleichtert uns die Sichtung und Sortierung der eingehenden Unterlagen.“ Lediglich Zeugnisse und andere Bescheinigungen müssten die Bewerber noch im Original nachreichen. 13 junge Männer und Frauen absolvieren zurzeit am Sandberg ihre Ausbildung für den mittleren und gehobenen Dienst. Fünf von ihnen werden in Kürze fertig, acht neue „Azubis“ beginnen in diesen Tagen ihre Laufbahn im Wiedenbrücker Finanzamt.

Zum Wohl der Solidargemeinschaft

Die Nähe zur Wirtschaft, die hohe Arbeitsplatzsicherheit, regelmäßige Fortbildungen und der „unverzichtbare Dienst zum Wohl der Solidargemeinschaft“: Für Finanzamtsleiter Stephan Spies hat der Beruf des Steuerexperten viele Vorteile. „Auch wenn man als Finanzbeamter in der öffentlichen Wahrnehmung oft an den Pranger gestellt wird.“

In speziellen Ausbildungsbezirken werden die jungen Menschen innerhalb des Finanzamts Wiedenbrück auf ihren Beruf vorbereitet. Nach und nach lernen sie alle wichtigen Abteilungen der Behörde am Sandberg kennen. „Das Steuerrecht ist kompliziert und verändert sich rasant“, sagt Ausbildungsleiter Alfons Werner. Entsprechend umfangreich und arbeitsintensiv sei die Ausbildungszeit. „Selbst gute Abiturienten müssen erheblichen Lernaufwand betreiben, um die Prüfungen zu bestehen.“

Finanzexperten in freier Wirtschaft gefragt

Aber der Einsatz lohne sich: „Schon die Ausbildungskonditionen sind attraktiv“, betont Werner. „Es fallen nicht nur keine Studiengebühren an, es wird vielmehr eine Ausbildungsvergütung bezahlt. Darüber hinaus kümmern wir uns gegen ein geringes Entgelt um die Unterbringung und Verpflegung am Studienort.“ Nicht außer Acht gelassen werden dürfe die Arbeitsplatzgarantie nach dem Ende der Ausbildungszeit. „Die Finanzbehörden bilden ausschließlich bedarfsgerecht aus“, sagt Werner. Doch auch in der freien Wirtschaft seien Finanzexperten gefragt, beispielsweise als Steuerberater. Drei Jahre dauert die Ausbildung für den gehobenen Dienst. Am Ende des 21-monatigen Fachhochschulstudiums auf dem Gelände des barocken Wasserschlosses Nordkirchen (Kreis Coesfeld), das mehrfach von insgesamt 15-monatiger praktischer Ausbildung im Finanzamt unterbrochen wird, steht der Titel Diplom-Finanzwirt (FH). Ein zweiter Ausbildungsgang führt nach zwei Jahren zum Finanzwirt und eröffnet die Laufbahn des mittleren Diensts. Der theoretische Unterricht wird in der Landesfinanzschule in Haan (Kreis Mettmann) erteilt.

Bewerbungsportal im Internet

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