Firma Tönnies nimmt Antrag zurück
Die Aktion Arbeitsunrecht, die den „Schwarzen Freitag“ in Rheda gestaltet hatte, hätte das Gerichtsverfahren in Berlin gern dazu genutzt, das „kriminogene System Tönnies zu sezieren“.

Nun aber, nachdem der heimische Fleischriese seinen Antrag zurückgezogen und ein Verhandlungstermin vor dem Landgericht Berlin abgesagt worden ist, betrachtet die Organisation ihr Recht auf Meinungsfreiheit als wiederhergestellt. Konkret ging es um den Vorwurf des „systematischen Lohnraubs durch unbezahlte Überstunden, fehlende Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit, Prellen der Beschäftigten um die Bezahlung von Rüst- und Wegezeiten, Kündigungen nach Arbeitsunfällen, bei Verletzung und Krankheit, Preisdumping und planmäßigen Aufkauf von Schlachthöfen in Deutschland und Europa, um sie zu schließen“ sowie einige weitere Vorwürfe.

Gegner spricht von Maulkorb

Die Tönnies-Gegner sprechen von einem Maulkorb, den man ihnen mit Blick auf die Demo am 13. September habe verpassen wollen. Besonders wirkungsvoll ist die einstweilige Verfügung allerdings ohnehin nicht gewesen: Der Publizist Dr. Werner Rügemer beispielsweise, der im Rahmen des „Schwarzen Freitags“ und der dazugehörigen Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz in Rheda als Gastredner geladen war, gab sich gänzlich unbeeindruckt ob der juristischen Winkelzüge, die die Proteste begleiteten.

Er lasse sich nicht den Mund verbieten von Anwälten im Dienste Clemens Tönnies’, sagte der Journalist, ehe er genau das wiederholte, was ihm zu wiederholen seinerzeit eigentlich verboten worden war. Der Antrag des Fleischriesen hätte unlängst vor der 27. Kammer des Landgerichts Berlin verhandelt werden sollen. Aber das Unternehmen ruderte überraschend zurück. „Tönnies zieht das Ringelschwänzchen ein“ titelte der Verein Arbeitsunrecht daraufhin auf seiner Website. Die Freude darüber habe jedoch ihre Grenzen, ergänzen die Verantwortlichen. Schließlich entgehe der Organisation so die Möglichkeit, vor dem Hintergrund eines öffentlichkeitswirksamen Verfahrens das „kriminogene System Tönnies zu sezieren“, wie es heißt.

Image sei angekratzt

Mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt hatte Tönnies die Berliner Kanzlei Schertz Bergmann. Elmar Wiegand, Pressesprecher von Arbeitsunrecht, vermutet, dass die Gegenseite „erkannt hat, dass sie ihre schwierige Lage nur verschärft, wenn sie einen langwierigen Medienprozess in Berlin anstrengt. Das angekratzte Image des Konzerns und seines Chefs wäre dadurch nicht besser geworden.“

„Widersprechen deutlich

Durch die Tatsache, dass die Firma Tönnies den Antrag zurückgezogen habe, würden die Äußerungen von Arbeitsunrecht nicht richtiger, sagte am Dienstag Unternehmenssprecher Dr. André Vielstädte auf Anfrage der „Glocke“. „Wir widersprechen den Aussagen des Vereins weiterhin sehr deutlich, die Vorwürfe sind falsch.“ Gleichwohl habe man sich entschieden, den gerichtlichen Weg nicht weiter zu verfolgen, „da wir kein Interesse an einer juristischen Auseinandersetzung haben“, so Vielstädte weiter. Die Unternehmensgruppe leiste ihren Beitrag als verantwortungsvolle Arbeitgeberin und kümmere sich um die Integration der Mitarbeiter, wolle allerdings keine Energie aufwenden für „eine unsachliche und polemische Diskussion“.

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