Förderverein kritisiert Bädergutachten
Bild: Werneke
Die rote Karte zeigt der Vorstand des Freibad-Fördervereins Wiedenbrück den Verfassern des Gutachtens zur Bädersituation. Das Papier enthalte zahlreiche handwerkliche Fehler.
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In einer zweieinhalbseitigen Stellungnahme geht der Vereinsvorstand mit den Verfassern der Studie hart ins Gericht. Anstatt die bestehenden Frei- und Hallenbäder zu analysieren und auf dieser Grundlage Verbesserungspotenziale aufzuzeigen, hätten sich die von der Stadtverwaltung bezahlten Gutachter von vornherein auf ein Gesundheits- und Freizeitbad als Patentlösung festgelegt. Da die Unternehmensberatung „Prova“ selbst Betreiberin mehrerer privater Bäder ist, habe sie möglicherweise ein Interesse daran, auch in der Doppelstadt an der Ems ein ähnliches Projekt zu realisieren, heißt es in der Stellungnahme des Wiedenbrücker Freibad-Fördervereins.

„Besserer Goldfischteich“

Dass das Gutachten zu dem Schluss kommt, ein Freizeitbad mit den Schwerpunkten Gesundheit und Bewegung sei ein adäquater Ersatz für die bestehenden Freibäder in Rheda und Wiedenbrück, können Vorsitzender Peter Henz und seine Vorstandskollegen nicht nachvollziehen. „Warum will man die funktionierenden öffentlichen Einrichtungen am Reinkenweg und an der Rietberger Straße, die bereits vom Steuerzahler finanziert worden sind, zerschlagen und durch ein Freizeitbad mit einer Wasserfläche von der Größe eines besseren Goldfischteichs ersetzen?“, fragen sich die Freibad-Unterstützer. Zurzeit verfüge Rheda-Wiedenbrück über zwei 50-Meter-Becken in den beiden Freibädern sowie ein 25-Meter-Becken im Hallenbad. Das sei mit Blick auf die Einwohnerzahl zwar überdurchschnittlich viel. „Doch das von den Gutachtern ins Spiel gebrachte Freizeit- und Spaßbad mit 250-Quadratmeter-Becken wäre deutlich zu klein“, argumentiert der Förderverein. Der Schwimmunterricht in den Schulen sowie der Vereinssport im „kühlen Nass“ seien bei einer Verwirklichung der Pläne ernsthaft in Gefahr. „Und das, obwohl schon heute zirka 50 Prozent aller Kinder am Ende der vierten Klasse keine sicheren Schwimmer sind“, unterstreicht Peter Henz. Ein privater Bäderbetreiber habe ohnehin kein Interesse an Schulklassen oder Vereinsgruppen. „Es geht allein um die Gewinnmaximierung.“ Die bestehenden Bäder seien auf Zuschüsse angewiesen – daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern. „Doch das ist bei fast allen öffentlichen Aktivitäten der Fall“, sagt Henz und verweist auf die Kulturarbeit.

„Schritte in die richtige Richtung“

„Leider beschäftigt sich das Gutachten nicht mit den Kosten für den Erhalt der bestehenden Einrichtungen“, moniert der Förderverein des Freibads Wiedenbrück und gibt zu bedenken, dass beispielsweise die Schwimmstätte an der Rietberger Straße in den Jahren 2003 und 2004 umfassend saniert worden sei.

Die Wasserfläche sei verkleinert und der Energieverbrauch durch die Installation einer Solaranlage gesenkt worden. Dank des neuen Blockheizkraftwerks am benachbarten Hallenbad könne darüber hinaus kostengünstig zusätzliche Energie bezogen werden.

„Das alles sind Schritte in die richtige Richtung“, resümiert der Fördervereins-Vorstand. „Wenn man den eingeschlagenen Weg weiter geht und mit vertretbaren Mitteln die Attraktivität der Bäder erhöht, sollte es auch in Zukunft möglich sein, beide Freibäder zu erhalten.“

„Klares Zeichen“ von Politik erwartet

In diesem Zusammenhang hoffen die Freibad-Förderer auf ein „klares Zeichen der Politik zum Erhalt beider Bäder“. Die Bürger hätten ihre Unterstützung bereits durch zahlreiche Vereinseintritte bekundet. Seitdem das lange Zeit geheim gehaltene Bädergutachten durch die Berichterstattung der „Glocke“ vor einigen Wochen ans Licht gekommen sei, habe der Förderverein des Freibads Wiedenbrück 46 neue Mitglieder hinzugewonnen. Die Attraktivitätssteigerung der Badeanstalt bleibe das oberste Ziel, versicherte der Förderverein. Um die erfolgreiche Arbeit fortsetzen zu können, „muss uns die Stadt aber endlich in die Lage versetzen, die schon seit vielen Jahren geplante Einrichtung einer Cafeteria im Freibad zu verwirklichen“, schreibt der Vereinsvorstand. Auf diese Weise könne insbesondere die Aufenthaltsqualität für junge Leute erhöht werden. Um das Bad für Kinder und Jugendliche dauerhaft interessant zu gestalten, sei ferner die Erweiterung um eine Strandzone denkbar.

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