Frauen zeigen plastisch, wer „Wir sind“
Bild: Daub
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Barbara Heuer, Helga Kirchberg, Britt Prasse, Jutta Koch und Editha Martini  zeigen ihre kreativ-aktuelle Gemeinschaftspräsentation. 

Herausgekommen sind Exponate, die den Zeitgeist widerspiegeln wie das Kirchberg-Exponat „Im Spinnennetz der Sucht.“ Ein geisterhaft wirkendes, glatziges weibliches Wesen nuckelt an der Schnapsflasche mit rotem Inhalt. Die hochgezogenen Augenbrauen signalisieren Verzweiflung pur – durch Alkohol pur. Zeitgeist hat viele Gesichter, vielleicht auch die Kirchberg-Plastik „Rückblick“, eine alternde Männerphysiognomie aus Tonacryl und Silberdraht.

Individualität ist Trumpf

Editha Martini aus St. Vit nimmt es auf die buntträumerisch-leichte Schulter. Ihre Katze Siam ist eine Plastik, die an die Arbeiten von Nikki Saint Phalle erinnern, aber längst den Nimbus unantastbarer Individualität besitzen. Ähnlich wirken die Martini-Objekte „Dream Trees“ und „Blume Daysy“ und ganz klar der Liebling dieser Ausstellung: „Sunyfant“, den man einfach liebhaben muss. Jutta Koch, die von Käthe Kollwitz beeinflusste Autodidaktin, malt und zeichnet Menschen in all ihren Situationen. Nun stellt sie eine Reihe bemerkenswerter Studien zu Musik und Tanz vor, mit dem Bleistift zu Papier gebracht. Aber ihr Zeitgeistbeitrag in Tempera auf Leinwand ist schwerwiegender. Sie zeigt die Rückenansicht vermummter Musliminnen und mitten drin ein kleines Kopftuchkind.

Mag sich da jeder Betrachter seine eigene Meinung darüber bilden, ob ihre Bilder eine Geschichte reflektieren, die im positiven Sinne politisch ist. Britt Prasse, ausgebildete Holzbildhauerin und seit 2009 frei schaffend in Wiedenbrück, hat eine Handvoll Exponate aus Terrakotta, gebrannt und koloriert. „Das Gerücht“ steuert sie der Präsentation bei. Die Ausstellung sei eine Plattform, auf der Malerei und Skulpturen dreidimensional, so durch Applikationen auf der Leinwand, in Farbigkeit und Formenvielfalt wirkten, sagte VHS-Leiter Dr. Rüdiger Krüger in einer Einführungsrede. Seine Mitarbeiterin Barbara Heuer, zuständig für den VHS-Fachbereich Kreatives gestalten“, beweist dies einmal mehr mit ihren Collagen.

Unverwechselbar kreativ

Vom 10. April bis zum 28. Mai sind 50 Exponate der Wiedenbrücker Künstlerinnengruppe „Wir sind…“ im Stadthaus Wiedenbrück zu bewundern. Hierbei steht ein schöpferisch eigenwilliges, aber nicht eigensinniges Team im Blickpunkt. Jede der fünf Frauen setzt ihre Handschrift in der Malerei und bei ihren Skulpturen um. Die Fünf verstehen sich als Interpretinnen, die sich der heimischen Kunstszene durch Gemeinschaftsbeiträge kreativ verpflichtet haben.

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