Für neuneinhalb Jahre ins Gefängnis 

 Richter Reinhard Kollmeyer betonte, es beständen keinerlei Zweifel, dass dem 49-Jährigen schwere sexuelle Übergriffe gegen drei Opfer in einem Zeitraum von mehr als 20 Jahren anzulasten seien. Die Kammer bezog sich auf 73 Fälle, „aber Tatsache ist, dass es viel mehr Übergriffe gewesen sind“, betonte Kollmeyer. Die jetzt verhängte Haftstrafe sei „das rechte Maß, um die Dinge zu sühnen.“

Mädchen mehrfach Opfer

Durch Zufall kamen „die Dinge“ an den Tag, die eine Nichte der zweiten Ehefrau des Angeklagten, eine Babysitterin aus der Nachbarschaft und den Stiefsohn aus der dritten Ehe betrafen. Der Arbeiter, Vater zweier Kinder, habe sich erstmals 1987 der Nichte genähert und sie sich gefügig gemacht. Das Kind war gerade mal sechs Jahre alt. In den Folgejahren, bis zum 15. Lebensjahr, kam es im Kinderzimmer der Familie und andernorts immer wieder zu sexuellen Handlungen. Das Mädchen wurde auch Opfer eines Nachbarn, der 1997 wegen seiner Sexualverbrechen zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Auch der Lebensgefährte der Großmutter des Kindes, inzwischen verstorben, soll, nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme, das Mädchen missbraucht haben.

Leben zerstört

„Drei Männer haben mein Leben zerstört“, erwähnte die junge Frau gegenüber den Ermittlern – so wurde 2008 eine Strafanzeige gegen den Arbeiter angestrengt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Stiefsohn schon seit sechs Jahren in den Fängen des Verführers. Der Junge musste noch einen Tag vor dem Tod seiner krebskranken Mutter – dritte Frau des Täters – seinem Stiefvater zur Verfügung stehen. Ein Nachbarmädchen, neun Jahre alt, war als Babysitterin mehrere Jahre lang in der Familie tätig – und auch bis zu seinem 13. Lebensjahr den sexuellen Übergriffen des heute 49-Jährigen ausgeliefert.

Ungewöhnlich langer Zeitraum

Verzwickte Familienverhältnisse galt es aufzuklären, der Richter sprach von einem „ungewöhnlich langen Sachverhalt über einen ungewöhnlich langen Zeitraum hinweg“. Dass nicht schon früher die Polizei aktiv wurde, liege wohl daran, dass sich Angehörige zwar einer Opferberatung im Kreis anvertraut hätten – „aber die Diskussion, ob solche beratenden Stellen eine Anzeigenpflicht haben sollen, immer noch andauert“, sagte der Richter.

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