„GNU hat in ein Wespennest gestochen“
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In der Ems sind multiresistente Keime nachgewiesen worden. Die Stadt sieht den Kreis in der Verantwortung, sich des Problems anzunehmen. Die Grünen und die GNU hatten beantragt, dass die Kommune ihrerseits aktiv wird und Messungen vornimmt. Das Bild zeigt Keime unter einem Mikroskop.
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Die GNU hatte im Sommer an zwei Stellen aus der Ems in Rheda-Wiedenbrück Wasserproben entnehmen lassen. Im Labor konnten Keime nachgewiesen werden, die gegen sechs bis acht Antibiotika immun sind. Zudem wurden Kolibakterien entdeckt, die sogar gegen drei von vier Notfallantibiotika resistent sind.

Unangekündigte Kontrollen gefordert

„Dies muss als Alarmsignal gesehen werden“, schreibt die GNU in ihrem Antrag an die Stadt. Sie fordert, „dass unverzüglich alle Maßnahmen ergriffen werden, um die Quellen der multiresistenten Keime zu ermitteln und die Einleitung zeitnah zu unterbinden“. Durch unangekündigte Kontrollen soll darüber hinaus gewährleistet werden, dass in Zukunft keine antibiotikaimmunen Keime mehr in die Ems gelangen.

Dass der Technische Beigeordnete Stephan Pfeffer sowie die Vertreter der übrigen Parteien in erster Linie nicht die Stadt, sondern den Kreis als zuständige Wasserbehörde in der Pflicht sahen, ärgerte Hans-Hermann Heller-Jordan. Der Grünen-Ratsherr attestierte der Verwaltung „zu viel Passivität und Sorglosigkeit“. Mit ihren Untersuchungen habe die GNU in ein Wespennest gestochen und „uns allen schonungslos vor Augen geführt, dass das bundesweit zu beobachtende Problem inzwischen auch in unserer Stadt angekommen ist“.

„Abwarten finde ich unerhört“

„Ich hätte mir eine gewisse Handlungskraft gewünscht“, erklärte Heller-Jordan. Den GNU-Antrag einfach an den Kreis Gütersloh weiterzuleiten, sei ihm zu wenig. „Wir sollten nicht so tun, als könnten wir hier vor Ort nichts gegen die multiresistenten Keime machen. Einfach nur abzuwarten finde ich unerhört.“

Eine fünfte oder sogar sechste Reinigungsstufe im kommunalen Klärwerk an der Marienfelder Straße in Rheda sei erforderlich, um die Keime abzutöten. Das gehört aus Sicht des Bündnisgrünen „zur Wahrheit dazu“. Weil die Aufrüstung der Anlage aber viel Geld koste, „wäre dies mit einem enormen Gebührenanstieg verbunden“, sagte Heller-Jordan.

Stephan Pfeffer betonte, dass der Kreis Gütersloh für die Pflege und den Unterhalt der Ems zuständig sei. Deshalb obliege ihm auch die Kontrolle der Gewässerqualität. Der Technische Beigeordnete im Rhedaer Rathaus wies darauf hin, dass das kommunale Klärwerk an der Marienfelder Straße laut geltender Beschlusslage ab 2019 um eine vierte Reinigungsstufe erweitert werden soll.

Vierte Klärstufe kommt 2021

Die Inbetriebnahme der mit Ozon arbeitenden vierten Klärstufe sei für 2021 vorgesehen. „Ozon eliminiert nicht nur Mikroschadstoffe, sondern wirkt auch keimtötend, so dass demnächst mit einer deutlich verbesserten Einleitqualität in die Ems zu rechnen ist“, erläuterte der Baudezernent.

Weiterhin führte er aus, dass multiresistente Keime kein „Rheda-Wiedenbrücker Sonderfall“ seien, sondern ein bundesweites Problem darstellten. Abgesehen von der Massentierhaltung sei auch die Humanmedizin einer der Hauptverursacher.

Uwe Henkenjohann (CDU) sprach sich in der Ausschusssitzung dafür aus, das Thema zunächst an den Kreis zu verweisen. Die Kritik der Grünen an der Stadtverwaltung bezeichnete er als „unangemessen“. Ähnlich sah es Peter Berenbrinck (SPD). „Woher wollen die Grünen eigentlich wissen, dass sich der Kreis Gütersloh nicht längst mit der Problematik auseinandersetzt?“

Grüne mit Antrag gescheitert

Hans-Hermann Heller-Jordan wollte das so nicht stehen lassen. Er wies darauf hin, dass nicht zuletzt Kanufahrer, Angler und andere Nutzer der Ems Antworten verlangten. Nicht außer Acht gelassen werde dürfe, dass es zahlreiche Tiermast- und Zerlegebetriebe im Kreis Gütersloh gebe. Auch sie seien potenzielle Quellen multiresistenter Keime.

Der Grünen-Ratsherr stellte den Antrag, die Keimbelastung in der Ems durch die Stadt Rheda-Wiedenbrück regelmäßig zu kontrollieren und besonders betroffene Bereiche, so genannte Hotspots, zu ermitteln. Dafür sollten im Haushalt die notwendigen Mittel bereitgestellt werden. Für den Vorschlag der Grünen fand sich in der Sitzung des Fachausschusses jedoch keine Mehrheit. Er wurde bei zehn Gegenstimmen in Bausch und Bogen abgelehnt. Den weitergehenden Antrag der GNU verwies das Gremium auf Vorschlag der Stadtverwaltung an den Kreis Gütersloh.

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