Gedenken an Opfer des NS-Regimes
Bild: Hövelmann
Die Erinnerung lebendig halten: Im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung haben die Schüler der Isreal-AG des Einstein-Gymnasiums am Freitag einen bewegenden Wortbeitrag vorbereitet. Im Jahr 2002 ist auf dem jüdischen Friedhof in Rheda eine Stele errichtet worden, die an die 62 ermordeten Menschen der Synagogengemeinde Rheda erinnert.
Bild: Hövelmann

„Wir kommen zusammen, um zu erinnern und zu mahnen. Wir wollen und dürfen nicht vergessen, was vor 80 Jahren in Deutschland und in unserer Stadt Schreckliches geschah“, stellte Rheda-Wiedenbrücks erster Bürger heraus.

62 Juden der Synagogengemeinde Rheda ermordet

62 Menschen der Synagogengemeinde Rheda – darunter fünf Kinder und Jugendliche – wurden damals durch das Nazi-Regime verschleppt und ermordet. Ein Denkmal haben sie in der Stele gefunden, die 2002 auf dem Friedhof am Ignatz-Bubis-Platz errichtet worden ist.

Neben ihr stand gestern auch Irith Michelsohn, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld. „Tote sind erst dann wirklich tot, wenn man sie vergisst“, betonte sie. Der Grund für ihr Reden sei Hoffnung. „Leider können wir die Vergangenheit nicht änder, aber wir können von ihr lernen.“ Bei der Pogromnacht sei es längst nicht nur um zersplitterte Fenster gegangen. „Die wirkliche Perspektive war physische Gewalt an Menschen, war Mord“, verdeutlichte sie.

Die Gräueltaten der Nationalsozialisten hätten auch vor der Doppelstadt nicht Halt gemacht: Am 10. November 1938 fiel das Gebetshaus der Synagogengemeinde Rheda der Brandstiftung zum Opfer. Diese schrecklichen, deutschlandweiten Ereignisse seien die Initialzündung für den folgenden Terror gewesen. „Wir alle dürfen nicht übersehen, dass wir in unserer Gesellschaft auch heute noch viel zu viel Gewalt haben“, mahnte Irith Michelsohn. Oft sei sie subtil, zum Beispiel in Form von Mobbing. „Lassen Sie uns dagegen aufstehen“, sagte sie.

Schüler finden bewegende Worte

Bewegende Worten fanden auch die Schüler der Israel-AG des Einstein-Gymnasiums. Unter Leitung von Thorsten Mönning nahmen sie sich vor allem der Geschichte Anne Franks an. „Und ich hoffe sehr, dass so etwas wie damals nie wieder passiert“, verdeutlichte eine Schülerin. Anschließend verteilten sie Zitate aus dem Tagebuch des jüdischen Mädchens, das heute als Symbolfigur des Holocausts gilt.

Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung unterdessen von Ansgar Brockamp am Piano.

Dokumentation des Stolperstein-Projekts

Das Gedenken an die Opfer wird in der Doppelstadt auch durch die Stolpersteine lebendig gehalten. Anlässlich des 80. Jahrestags der Pogromnacht veröffentlichte die Stadt nun eine Dokumentation des Projekts in Form eines Hefts.

SOCIAL BOOKMARKS