Gericht: Drogen an Schüler verkauft
Bild: dpa
Überall in dem Ein-Zimmer-Appartement eines 28-Jährigen aus Rheda hatte die Polizei bei einer Razzia Drogen entdeckt. Der Mann muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Bielefeld verantworten, weil er die Substanzen an Minderjährige verkauft haben soll.
Bild: dpa

Seine Kunden seien minderjährige Schüler gewesen, hieß es vor dem Landgericht Bielefeld. Die Razzia war aufgrund eines anonymen Hinweises erfolgt. Die Drogen lagen in der Unterkunft überall verstreut herum: Pasten im Gefrierfach des Kühlschranks, Tabletten auf dem Fernseher, Verschlusstüten im Schuhkarton. Der Pole, der in einem Wohnheim für Leiharbeiter lebte, ist nach eigenen Angaben süchtig.

Per Handy wurden die Treffen vereinbart

„Er war total verballert“, schilderte am Dienstag eine 16-Jährige, die damals noch die Realschule besuchte, der 21. Strafkammer eine Begegnung. Sie habe bei dem Dealer, dessen Adresse und Machenschaften in Teenagerkreisen wohlbekannt gewesen sein sollen, häufiger eingekauft. Die Drogen will sie überwiegend im Auftrag von Freundinnen besorgt haben. Per Handy wurden die Treffen vereinbart. In Chats des Mädchens, die der Kammer vorliegen, hieß es sinngemäß: „Kannst du mir Dinger (Ecstasytabletten), Pep oder Coco (Bezeichnungen für Amphetaminpräparate, die teils mit Koffeeinpulver gestreckt sind) besorgen?“ Der Angeklagte schrieb zurück: „Jawoll!“ Er spricht wenig Deutsch, daher wurde am Dienstag eine Dolmetscherin aktiv. Treffen fanden in Rheda am Bahnhof und in der Nähe des Kauflands statt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte, dass zwischen Dezember 2017 und August 2018 auch eine erst 14-Jährige in sechs Fällen Marihuana, in acht Amphetamine und in fünf Ecstasypillen von dem 28-Jährigen bezogen hat. In der Anklageschrift ist überdies von einem bewaffneten Handeltreiben die Rede, da die Fahnder im Appartement einen „griffbereit aufbewahrten“ metallenen Baseballschläger entdeckt hatten.

Alter seiner Kunden fragte der Dealer nicht nach

Das Alter seiner Kunden habe der Dealer nicht nachgefragt, versicherte die 16-jährige Zeugin, die nach schlechten Zeugnisnoten die Realschule verlassen und eine Lehre begonnen hat. Sie bestätigte damit entsprechende Beteuerungen des Angeklagten. Das Mädchen mit türkischen Wurzeln, das in väterlicher Begleitung frank und frei aussagte, hat sich bereits vor dem Jugendgericht Rheda-Wiedenbrück verantworten müssen und eine Mahnung entgegengenommen. Weitere Folgen hat es nicht mehr zu befürchten. Der Prozess wird am morgigen Donnerstag fortgesetzt.

SOCIAL BOOKMARKS