Gesamtschule schon Sommer 2012 möglich
„Die Stadtschulpflegschaft begrüßt die Gesamtschul-Debatte ausdrücklich“, sagte Vorsitzende Waltraud Gehlhaar. Unser Bild zeigt (v.l.) Brigitte Frisch-Linnhoff, Claudia Schneider (beide Elterninitiative „Pro Gesamtschule“), Referent Werner Kerski, Michaela Koroch (Elterninitiative) und Waltraud Gehlhaar.

Davon jedenfalls ist Werner Kerski, Vorsitzender der gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule Nordrhein-Westfalen, überzeugt. Er sprach auf Einladung der Elterninitiative „Pro Gesamtschule“ vor 200 Zuhörern im Wiedenbrücker Piussaal.

Stadtratsbeschluss zwingend erforderlich

Zwingende Voraussetzung zur Einrichtung einer Gesamtschule sei jedoch ein entsprechender Stadtratsbeschluss. „Die Politiker müssen festlegen, welche der bereits bestehenden weiterführenden Bildungseinrichtungen in eine Gesamtschule umgewandelt werden soll“, erläuterte Werner Kerski das Prozedere. „Zudem muss der Rat die Durchführung einer offiziellen Elternbefragung beschließen, durch die der Bedarf für eine Gesamtschule ausgelotet wird.“ Das Elternvotum sei für die Politiker dann bindend. „Wenn es eine Mehrheit für eine Gesamtschule gibt, ist die Stadt zur Einrichtung dieser Schulform verpflichtet“, sagte Kerski.

Umwandlung organisatorisch unkompliziert

Ein idealer Zeitpunkt für eine Elternbefragung sei der Herbst. „Dann könnte die neue Gesamtschule beim Anmeldeverfahren für die weiterführenden Schulen im Januar oder Februar bereits berücksichtigt werden“, erläuterte Werner Kerski, der bis 2009 in Hagen Leiter einer der 30 ersten Gesamtschulen des Landes war. Rein organisatorisch sei die Umwandlung beispielsweise einer der beiden Rheda-Wiedenbrücker Hauptschulen in eine Gesamtschule relativ unkompliziert. Kerski: „Die Hauptschule läuft langsam aus, indem sie keine fünften Jahrgänge mehr aufnimmt. Die Gesamtschule wird im Gegenzug nach und nach aufgebaut. Im ersten Jahr besteht sie nur aus fünften Klassen.“

Keine Gefahr für die beiden Gymnasien

Die Gefahr, dass eines der beiden Gymnasien durch die Gesamtschulgründung auf der Strecke bleibt, sieht Werner Kerski nicht. „In einer Stadt dieser Größenordnung sind mit Sicherheit drei gymnasiale Oberstufen überlebensfähig.“ Die Gesamtschule würde nicht nur von den beiden Gymnasien Schüler abziehen, sondern auch im Viertklässler-Klientel mit Hauptschul- oder Realschulempfehlung „fischen“. Die Erfahrung habe gezeigt, dass auch Kinder ohne Gymnasialempfehlung an der Gesamtschule ihr Abitur bauen können, erläuterte Werner Kerski. Somit steige das Potenzial für künftige Abiturjahrgänge in der Doppelstadt.

Viele Kinder fahren zum Lernen nach Gütersloh

Nicht vergessen werden dürfe die Tatsache, dass zurzeit an der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Gütersloh pro Jahrgang zwei Klassen mit ausschließlich Rheda-Wiedenbrücker Kindern gebildet werden und auch die Anne-Frank-Gesamtschule in der Kreisstadt von einigen Jungen und Mädchen aus Rheda-Wiedenbrück besucht werde.

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