Gesundheitsgefahr im Grundwasser
Bild: von Stockum
Wo Bauern ihre Felder bestellen, steckt häufig mehr Nitrat im Boden und letztlich im Grundwasser, als gesund und erlaubt ist. Verantwortlich dafür ist vor allem der Einsatz stickstoffhaltiger Wachstumsbeschleuniger wie Mineraldünger, Gülle und Substrate aus der Biogasanlage.
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Nun soll das ohnehin schon breite Beratungsangebot für Bauern in Rheda-Wiedenbrück um eine Komponente reicher werden, damit das Problem nicht ausufert.

Problem lässt dich nicht wegdiskutieren

Basierend auf einem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen wird derzeit darüber beraten, inwieweit Stadt und Landwirtschaftskammer gemeinsam ein Beratungsangebot schaffen können, das man jenen Bauern machen möchte, die bislang noch nicht erreicht wurden. Dass es ein Problem gibt, lässt sich nicht wegdiskutieren: An einer von vier Messstellen im Rheda-Wiedenbrücker Umland werden die zulässigen Werte überschritten, berichtete Ulrich Bultmann, Geschäftsführer der Kreisstellen Gütersloh, Münster und Warendorf der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Damit rangiert man auf bundesweitem Durchschnittsniveau.

Auch wenn nur eine Messstelle aus dem gesetzlich erlaubten Rahmen fällt, erkennt Peter Rentrup, Grünen-Ratsherr und beruflich als Sachverständiger in Sachen Umweltschutz unterwegs, dringenden Handlungsbedarf angesichts der vielen Hausbrunnen im Stadtgebiet, aus denen Menschen Wasser zapfen, und die verschärfte Düngemittelverordnung. Längst schon steht Deutschland im Fokus Brüssels, muss sich Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) rechtfertigen für den mitunter laxen Umgang mit Gülle und Gesetzen.

Es gibt Lücken

Also haben unlängst die Grünen beantragt, die Stadt möge nach dem Vorbild Güterslohs eine Kooperation mit den Landwirten eingehen, um über Beratungsangebote und daraus resultierende Konsequenzen im bäuerlichen Tun den Eintrag von Nitrat zu reduzieren. Vor dem Hintergrund, dass eine erhebliche Menge Trinkwasser aus dem Boden gezogen wird, ist bereits vielfach eine enge Zusammenarbeit zwischen Bauern und Versorgungsunternehmen beziehungsweise Institutionen gegeben. Allerdings gibt es Lücken.

Politik teilt Verwaltungsmeinung

So beziffert die Stadtverwaltung die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Stadtgebiet mit rund 4600 Hektar. Nur für die Hälfte davon werden Beratungen angeboten. Ohne Angebot sind Rheda, Nordrheda, St. Vit und Batenhorst. Obwohl zumeist mit schweren Böden gesegnet, aus denen das Nitrat weniger schnell als anderswo ausgewaschen wird, sei auch für die Landwirte dort eine Beratung hilfreich für das ökologische Gleichgewicht, meinen die Fachleute im Rathaus. Die Politik teilt diese Ansicht.

Beratung kostet Geld

Die Schaffung eines Beratungsangebots für Landwirte, das langfristig zur Reduzierung der Nitratbelastung im Grundwasser führen soll, ist mit Kosten verbunden. Für eine Vollzeitstelle kalkuliert die Stadtverwaltung mit 70 000 Euro. Mit Blick auf die Erfahrungen in Nachbarkommunen, wo festgestellt wurde, dass zunächst nur wenige Bauern auf den Zug aufspringen, deren Zahl dann aber kontinuierlich wächst, wird davon ausgegangen, dass es zunächst auch mit halber Kraft geht.

Marco Sänger (SPD) machte sich während der Diskussion über das zusätzliche Instrument zur Wahrung des ökologischen Gleichgewichts für eine Erfolgskontrolle stark. Darüber solle dokumentiert werden, welche von der Stadt verfolgten Ziele ein entsprechender Berater erreicht hat.

CDU tritt auf die Bremse

Auf die Bremse trat letztlich Uwe Henkenjohann (CDU). Zum einen regte er an, über das Vorhaben im Rahmen der Haushaltsplanberatungen zu sprechen, zum anderen forderte er eine Informationsveranstaltung für die betroffenen Landwirte, um ein Meinungsbild zu erhalten. Schließlich sei durchaus wahrscheinlich, dass bei dem einen oder anderen Unsicherheiten darüber bestehen, welche Konsequenzen eine solche Kooperationsvereinbarung hat. Bei fünf Enthaltungen folgte der Bau-, Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss dem Antrag der CDU einstimmig.

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