Glanzvoller Auftakt der Rhedaer Orgeltage
Bild: Kreyer
In der St.-Clemens-Kirche Rheda haben die 27. Rhedaer Orgeltage begonnen. Der Kirchenchor St. Clemens und die Solisten boten den Kirchbesuchern zum Auftakt am Samstag während einer glanzvollen Vorabendmesse ein wahres Hörvergnügen.
Bild: Kreyer

Als die „kleine Schwester“ im Schatten der bekannten „Missa solemnis“ hat sie in dem Rhedaer Gotteshaus starken Eindruck hinterlassen. Mit großem Aufwand wurde der Altar verrückt und machte Platz für die mehr als 70 Akteure im Altarraum. Dass Beethoven eine kompakte Messvertonung geschaffen hat, in der die Bedeutung und Auslegung des Textes im Vordergrund standen, davon konnten sich die Zuhörer in der vollbesetzten Kirche überzeugen. Sie war in den Gottesdienst eingefügt, an dem die Besucher singend und betend aktiv teilnahmen. Viel Gespür für Tempi und Kontraste offenbarte Gokus bei einer bisweilen dramatischen, dann wieder innigen Wiedergabe. Nie trug er dabei zu dick auf. Bewunderung verdient der perfekt agierende Kirchenchor St. Clemens. Die Akustik des Altarraums war nicht ideal für die Textverständlichkeit, dennoch geriet der Chorklang homogen und dynamisch reich. Was für ein Hörvergnügen, Chor und Solistenquartett gemeinsam das tief emotionale Benedictus intonieren zu hören.

Solisten überzeugen

Überhaupt war das Solistenquartett gut aufgestellt, in dem die beiden männlichen Protagonisten herausragten: Hermann Munkelts Stimme ist vielfach oratorien- und liederprobt, ein sehr sauber geführter Tenor mit angenehmem Timbre und makelloser Diktion. Michael Kampmeiers Bassstimme ist profund, aber nicht opernhaft schwer, sondern angemessen flexibel und vibratoarm. Den beiden Sängerinnen gelang die Balance zwischen kirchlicher Zurückhaltung und opernmäßigen Anforderungen recht gut; Katja Friebel wirkte etwas dominant, erfreute aber immer noch durch einen hellen und mädchenhaften Sopran. Die Altistin Gabriele Berger fügte sich mit ihrem warmen Timbre bestens ins Ensemble. Und dass die neue Truhenorgel auch noch zum Einsatz kam, wird viele gefreut haben. Als gern gehörte Gastorganistin brachte Barbara Pawelczyk sie zum Klingen.

Virtuoser Organist

 „Die Orgeltage sind ein großes Ereignis“. Wer würde da Pfarrer Thomas Hengstebeck widersprechen wollen? „Ich schenke Ihnen die Predigt zugunsten der Danksagung“, erklärte er. Diese ging besonders an den künstlerischen Leiter Harald Gokus, der aus seinem Chor alle Kräfte hervorgelockt habe. Die gelungene, ergreifende Aufführung sprach für sich. Unter Gokus einfühlsamem Dirigat verschmolzen Chor und Orchester zu einem homogenen Klangkörper. Das Orchester „La Réjouissance“ zeigte sich als erstklassiges Begleitensemble, wenn auch in der Messe der instrumentale Anteil gegenüber Soli und Chor im Hintergrund bleibt. Einen strahlenden Abschluss bereitete die „Toccata in B“ (1910) des Engländers Alfred Hollins, die dem Organisten Klaus-Dieter Holzberger (Ahrweiler) ein passender Abschluss zur Messe zu sein schien. Man hatte den Eindruck, dass unter seinen virtuosen Händen die Fischer-und-Krämer-Orgel in ihrer ganzen Pracht tanzte und bebte. Noch lange klang der Applaus nach.

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