Grüne legen in der Causa Tönnies nach
Foto: Brandt
„Mit den ausbeuterischen Strukturen muss Schluss sein“: Grundlegende Änderungen innerhalb der fleischverarbeitenden Industrie forderten am Freitag die Grünen-Politikerinnen (v. l.) Sonja von Zons, Britta Haßelmann und Helga Lange.
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Industrielle Schlachthöfe benötigten eine übergeordnete und unabhängige Kontrolle mit Durchgriffsrechten, heißt es in dem vierseitigen Papier. Zu diesem Zweck müssten auf Bundes- und Landesebene die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Helga Lange, Vorsitzende der grünen Kreistagsfraktion, bekräftigte, in dieser Thematik den Druck von unterer politischer Ebene hoch halten zu wollen.

„Schluss mit Ausbeutung“

Die Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann nahm das verbale Zuspiel gern auf und betonte, alles dafür zu tun zu wollen, dass der für September erwartete Gesetzesentwurf von den Regierungsparteien CDU/CSU und SPD nicht durch Einwirkung von Lobbyisten aufgeweicht werde. Die Grünenpolitikerin fand deutliche Worte: „Der massenhafte Corona-Ausbruch bei Tönnies hat vor Augen geführt, was wir alle bereits wussten. Mit den ausbeuterischen Strukturen muss Schluss sein.“ Das System der Werkvertragsarbeit dürfe nicht mehr Bestand haben, die Arbeits- und Wohnbedingungen bedürften einer deutlichen Verbesserung.

Sonja von Zons stellte fest, dass die südosteuropäischen Beschäftigen und ihre Familien eine Parallelgesellschaft bilden. Das sei schockierend. Sie verlangte eine bessere Integration und Förderung. Dass dies eine Herausforderung sei, die Geld koste, sei ihr bewusst. In dem Zusammenhang brachte die Rheda-Wiedenbrücker Bürgermeisterin eine finanzielle Beteiligung der Unternehmen ins Spiel, die von jenen Arbeitskräften profitieren, und sprach diesbezüglich von einer „moralischen Verpflichtung“.

Kritik an vorhandenen Strukturen

Britta Haßelmann kritisierte ferner die Verdichtung auf wenige große industrielle Schlachthöfe. Das gefährde das Tierwohl und habe negative Auswirkungen auf die Umwelt. Die landwirtschaftlichen Betriebe sollten nicht von einem einzigen Schlachtbetrieb abhängig sein. „Wir brauchen kleinere, regionale Strukturen“, erläuterte die Grünen-Politikerin und forderte auch in dieser Hinsicht neue Gesetze.

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