Gurt ist unverzichtbar für sichere Fahrt
Bild: Frielinghaus
Passives System im Auto rettet Leben: Damit das gewährleistet ist, überprüfen Roland Potthoff, Leiter der TÜV-Nord-Station in Rheda, und seine Kollegen alle zwei Jahre Gurt und Schloss auf Mängel.
Bild: Frielinghaus

„Der Sicherheitsgurt ist im Auto der Lebensretter Nummer eins“, sagt Andreas Koptik, Verkehrsdienstleiter der Kreispolizeibehörde Gütersloh. Untersuchungen hätten ergeben, dass Autofahrer bei einem Unfall eine 50 Prozent höhere Überlebenschance haben, wenn sie das strapazierfähige Nylongewebe angelegt haben. Das beweisen auch die Zahlen der Verkehrstoten im Kreis Gütersloh vom vergangenen Jahr. Bei vier von zehn PKW-Unfällen konnte nachgewiesen werden, dass Fahrer oder Insassen nicht angeschnallt waren. In zwei Fällen sei die Sachlage hingegen unklar.

Anschnallpflicht zeigt positive Entwicklung

Grundsätzlich sieht Koptik eine positive Entwicklung. Mit der Einführung der Gurtpflicht im Jahr 1976 ist die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle rapide zurückgegangen, bestätigt er. Diese Einschätzung teilt auch Dr. Jens Kind, Oberarzt im Wiedenbrücker Sankt-Vinzenz-Hospital. Seit 1988 arbeitet er in der Unfallchirurgie. Mit der Anschnallpflicht erlebte er in der Notaufnahme einen Wandel. „Die typischen Unfallverletzungen sind schlagartig weniger geworden“, sagt Dr. Kind: „Heute sieht man sie nur noch extrem selten.“ Und das, obwohl die Unfallzahlen gestiegen seien, betont er.

Während vor vier Jahrzehnten Unfallopfer mit Brüchen, tiefen Schnittwunden im Gesicht, Verletzungen des Brustkorbs, lebensbedrohlichen inneren Blutungen oder Frakturen der Wirbelsäule und der Extremitäten eingeliefert wurden, kommen die Patienten heute vergleichsweise glimpflich davon – vorausgesetzt, der Sicherheitsgurt war angelegt. Die automatische Stoppfunktion verhindert den Aufprall mit Frontscheibe, Armaturenbrett oder Lenkrad. „Typische Verletzungen sind heute Prellungen im Bereich des Brustkorbs oder Blutergüsse im Gurt-Verlauf, die sogenannten Gurtprellmarken“, erklärt der Unfallchirurg.

Gurtmuffel ziehen sich durch alle Altersgruppen

Nach den Geschwindigkeitsüberschreitungen sind Verstöße gegen die Anschnallpflicht aber nach wie vor die zweithäufigsten Verkehrsvergehen. „Leichtsinnig“, betont Hauptkommissar Koptik. Bei Kontrollen werde deshalb seit einigen Jahren vermehrt auf den Anschnallgurt geachtet. Dabei hätten er und seine Kollegen festgestellt, dass sich Gurtmuffel durch alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten zögen. Meist seien es jedoch Fahrer von älteren PKW-Modellen. Denn: In neueren Fahrzeugen erinnert ein akustisches Signal ans Anschnallen.

Ein erheblicher Mangel liegt vor, wenn der Sicherheitsgurt nicht ordnungsgemäß funktioniert. „Dann gibt es keine TÜV-Plakette“, sagt Roland Potthoff, Leiter der TÜV-Nord-Station in Rheda. Der Schaden müsse vom Fahrzeughalter umgehend repariert werden. Bei der Hauptuntersuchung (HU) von Fahrzeugen wird der aus Nylongewebe gefertigte Gurt alle zwei Jahre auf seine Funktion überprüft. Potthoff und seine Kollegen kontrollieren dann, ob das Schloss einrastet und ob der Keil für den Stopp-Mechanismus bei ruckartigem Zug zuschnappt. Schließlich soll der Sicherheitsgurt im Ernstfall einen Aufprall auf das Armaturenbrett, das Lenkrad und vor dem freien Flug gegen die Frontscheibe oder gar aus dem Auto heraus verhindern.

„Airbag reicht nicht aus“

„Mehrere Tonnen muss der Gurt aushalten“, erläutert Potthoff. Denn zum eigenen Körpergewicht komme die von der gefahrenen Geschwindigkeit und Aufprall abhängige Fliehkraft hinzu. „Ein Airbag reicht nicht aus“, warnt Hauptkommissar Andreas Koptik. Er diene als ergänzendes Sicherungsmittel ausschließlich dazu, das Verletzungsrisiko für bestimmte Körperregionen zu vermindern.

SOCIAL BOOKMARKS