„Gute Geister“ sorgen für Theaterspaß
Bild: Wieneke
Auf der Piusbühne in Wiedenbrück sorgen „Gute Geister“ für gute Laune.
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Mit Einfühlungsvermögen und fast professioneller Akribie bringt Regisseur Holger Kardinal in Assistenz von Reiner Hammeran das moderne Märchen für Erwachsene auf die Piusbühne, wo am Wochenende die Premiere stattfand. Die neun Akteure auf der bis ins Detail perfekt gestalteten Bühne verkörpern überzeugend und zündend ohne Effekthascherei die vielfältigen Charaktere. Die Zuschauer erleben spritzig-heitere Momente ebenso wie in die Tiefe der menschlichen Seele gehende Erfahrungen.

Probleme mit Petrus

Der Besucher wird in ein gemütliches Landhaus geführt. Der einsam gelegene Kotten ist das Zuhause des Krimi-Bestsellerautors Paul Katzmann (Friedemann Dressler) und seiner Ehefrau Lucy (Kathrin Kardinahl). Ungestört in ihrem Refugium und verliebt wie am ersten Tag könnte das sympathische Paar eigentlich ein sorgenfreies Leben führen, wäre da nicht ein Problem: Paul und Lucy sind tot. Nach einem Bootsunglück im Urlaub am Gardasee – Paul kenterte und Lucy versuchte ihn zu retten – gab es an der Himmelpforte arge Probleme mit Petrus. Paul spielte sich als überzeugter Atheist mächtig auf und wurde auf die Erde zurückgeschickt. Lucy durfte aufgrund ihres vorbildlich geführten Lebenswandels in das Paradies einziehen, auf ihren drängenden Wunsch aber ihren Gatten „bei garantierter Rückkehrmöglichkeit“ begleiten.

Junges Glück zieht ein

So leben sie als Geister in ihrem Häuschen und vertreiben sich die Zeit damit, den arroganten Makler Markus Weber (Tobias Winkenstette) und unbeliebte Mieter mit Erfolg zu vergraulen, möchten sie doch ihr beschauliches „Leben“ allein genießen. Doch das gelingt nicht mehr, als das junge Pärchen Simon (Sebastian Wenk) und Feli (Dana Bressel) in das Geister-Haus einzieht. Die Geduld von Paul und Lucy wird auf eine harte Probe gestellt: Auf dem Konto des jungen Liebespaars herrscht Ebbe, denn Jungautor Simon bringt keine Zeilen zustande und Feli erhält von ihrer wohlhabenden, aber herrschsüchtigen Mutter Marga (Ilona Bals) keine Unterstützung. Zudem ist Feli schwanger.

Haussegen hängt schief

Lucy möchte den neuen Mitbewohnern eine Chance geben und hofft auf ein wenig Abwechslung, aber ihr Geister-Gatte Paul, möchte seine Ruhe haben und die jungen Mieter am liebsten vergraulen. Schnell hängt der Haussegen mächtig schief – bei den lebenden ebenso wie bei den toten Bewohnern.

Lucy fordert in ihrer Not die Unterstützung ihres Schutzengels an, der in zwei Erscheinungspersonen (Heike Efferts und Erich Israel) entscheidende Hilfe leistet. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten – bis auf die Tatsache, dass Regisseur Holger Kardinahl mit tatkräftiger Unterstützung seiner Spielerschar den Text von Pam Valentine harmonisch für eine weitere Person erweitert hat: speziell für das Wiedenbrücker Original Klärchen Flaskamp. Sie spielt die Großmutter der liebenswerten Feli und erscheint nach einem plötzlichen Herztod in der Mitte der Geister. So nimmt „unser Klärchen“ in ihrem 31. Piustheater-Jahr und mit ihrem 28. Auftritt nach der laufenden Spielsaison Abschied von der Piusbühne.

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