„Helauleluja“ erschallt aus 250 Kehlen
Bild: Wieneke
Drei Erzengel zeichnen Georg Effertz als Pius-Baumeister aus: (v.l.) Pfarrer Marco Beuermann (Erzengel Raphael), Pastor Rüdiger Rasche (Erzengel Gabriel), Georg Effertz und Erich Israel (Erzengel Karl-Heinz).
Bild: Wieneke

So präsentierte sich am Sonntagabend fast fünfstündig, traditionsreich und närrisch erstklassig der Pius-Gemeindekarneval. Das Publikum genoss in vollen Zügen karnevalistischen Garde- und Showtanz mit Aktiven der KG „Helü“ und des WCV „Grüne Funken“ sowie der Herren-Showgruppe der „Ecke Sagemüller“.

„Emsmatrosen“ entern die Bühne

Das Flair von Rock’n’Roll und Twist lebte mit 20 charmanten Damen der WCV-Jugendgarde auf. Zackig war der Gardetanz von 18 „Helü“-Jugendtänzerinnen und eine Augenweide der Soloauftritt von Mariechen Jacqeline Manche. Mit dem Elferrats-Ballett der „Helüaner“ kehrten die 80er-Jahre in einer sehenswerten Show zurück, während die „Helü-Emsmatrosen“ leicht und galant über die Bühne schwebten.

Erzbistum verlangt strenge Sicherheitsvorkehrungen

Der „schärfste Tanz im schärfsten Outfit“ durfte auf Anordnung des Erzbistums Paderborn nur unter erheblichen Sicherungsmaßnahmen über die Bühne gehen: Nachdem die Männer im Saal mit ihren Hosengürteln an den Stühlen gefesselt worden waren, eroberte die „Helü“-Damengarde mit ihrem Showtanz zu heißen Rhythmen der legendären Gruppe „Queen“ die Herzen des Publikums. Ebenso große Begeisterungsstürme gab es für eine weitere fantastische Show: Die „Ecken- tänzer“ aus Lintel boten als harte Männer der „American Police New York“ einen mitreißenden Tanz reich an akrobatischen Einlagen. Aus mehr als 250 Kehlen erschallte immer wieder der närrische Pius-Schlachtruf „Helauleluja“.

„Landeier“ rocken den Saal

Bereits zum Auftakt standen die Jecken auf den Stühlen: Die fünf „Landeier“ enterten im Sturm bei ihrem Heimspiel den Piussaal. Denn in Wiedenbrück hat die karnevalistische Spitzenband aus der Mähdrescherstadt ihre erste und größte Fangemeinde, die „Möpkenbrot“-Truppe mit Anne Huneke als Vorsitzende. „Jetzt reißen wir die Bude ab“, gab der schwergewichtige Andy die Marschrichtung vor. Beim „Rock im Bullenstall“ und beim „Danz ob de Deel“ bebte der Boden, während beim Hit des Jahres „Mein Westfalenland“ ein Lichtermeer aufleuchtete.

Kurz und knackig

Fest die närrischen Zügel in der Hand hielt Wilhelm Baumhus: Beim Pius-Karneval unter dem Motto „Nix mehr Bau, Pius Helau“ stahl er allen die Schau. Knackig und kurz, witzig und ideenreich führte er durchs Programm.

Huhn mit Burn-out-Syndrom

Herzliches Lachen war angesagt, als das karnevalistische Urgestein Klärchen Flaskamp über einen Besuch am Pottmarkt zu Libori in Paderborn erzählte und jecke Frauen aus den Reihen der KFD aktiv wurden.

WCV-Jugendgarde.
So beim Hühner-Gequatsche beim Psychiater: Ein Burn-out-Huhn (Heike Effertz) und ein liebestolles Huhn (Renate Dreier) wollten den „Pius-Kardinal“ und Pastor Rasche bei „Rettet die Million“ anmelden, aber auch zum Casting „Wir suchen den Schlauesten von St. Pius“, um das riesige Finanzloch nach dem Bau zu stopfen.

„Till“ spart sich Wulff

Seit Freitag um elf konnte sich Moderator Baumhus in seiner Rolle als „Till Eulenspiegel“ das Thema „Wulff“ schenken und sich ganz auf die Geschehnisse in der Doppelstadt konzentrieren. Dass die Stadtschützen Rheda beim Schützenfest im vergangenen Jahr aus Kostengründen auf Toiletten verzichteten, prangerte er ebenso an wie die Dramen um die St. Viter Alm, das Leinewebermuseum und das überalterte Stadtrats-Gremium. „Bleiben Sie dem Karneval gewogen, dort wird nicht gelogen“, gab Baumhus den Jecken mit auf den Weg.

Eklatante Baumängel

„Geht mir weg mit der Freude – Freude und Protestanten, das passt nicht zusammen“, rief Pfarrer Marco Beuermann im rotem Talar aus der Bütt den Narren zu. Drohe Freude, so habe der Protestant schnellstens einen Schutzraum aufzusuchen, laute die erste Verhaltensregel. Nur wenig später erschien Beuermann als Erzengel Raphael gemeinsam mit seinen Kollegen Gabriel (Pastor Rüdiger Rasche) und Erzengel Klaus-Dieter (Erich Israel). Im Auftrag des Himmels hatten sie als Handwerkskammer Gottes die Pius-Baustelle abzunehmen. Kein Auge blieb trocken, als sie das übervolle Mängelbuch – unterstützt durch modernste Videotechnik auf Großbildleinwand – auf den Tisch knallten. Mit Blick auf das neue Gitter im Kirchenraum meinte das Trio: „Lieber eine offene Kirche als eine geschlossene Anstalt.“

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