Humorvolle Aufklärung in Kölner Dialekt
Bild: Daub
In seinem Programm „Volksbegehren“ hat Kabarettist Jürgen Becker am Donnerstagabend das Thema Fortpflanzung humorvoll unter die Lupe genommen. Zu seinem Auftritt waren 200 Besucher ins Ratsgymnasium Wiedenbrück gekommen.
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Das „Volksbegehren“, so der kabarettistische Titel der im Kölner Dialekt verabreichten Show, erlebten 200 amüsierte Besucher am Donnerstagabend im Ratsgymnasium in Wiedenbrück.

Wenn die Hoffnung aufgeht, sagt der 59-Jährige, entstehe Kabarett – „frisch aus dem Ofen, gut geraten dank der Backzutaten“. Und er ergänzt: „Bereits meine Vorfahren haben gebacken, wie mein Name schon sagt.“

In Wiedenbrück beginnt Becker mit der Bundeskanzlerin – eine Hommage, die mit seiner „kulturgeschichtlichen Reise“ durch von körperlicher Liebe geprägte Jahrhunderte wenig zu tun hat. „Es gibt eine Ära Merkel, die werden wir noch schwer vermissen“, sagt Becker. Ihre Rücktrittsankündigung habe ihn „geschockt“.

„Zu mir oder zu dir?“

Danach dreht er auf. Als Nächstes müssen Blattläuse dran glauben: „Wenn ihnen nach Fortpflanzung zumute ist, gebären die Lausmädels ohne Zutun eines Lausbuben bis zu zehn Töchter am Tag. Sie müssen nicht fragen: Zu mir oder zu dir? Sie fragen: Zu mir oder zu mir? So einfach kann Leben sein.“ Der Austausch von Körperflüssigkeiten, doktert der Kölner in seinem süffigen Dialekt, habe sich „bei 99 Prozent der Tierarten durchgesetzt“. Geschlechtliche Fortpflanzung finde man sogar bei Obstbäumen, Ziersträuchern und in Blumenrabatten – „wenn darin Herren- und Damenkegelclubs des Nachts bei ihren lustvollen Ausflügen übereinander herfallen. Wir sind Tiere und werden es immer bleiben.“

Zoten sind nicht Beckers Metier

Wer sich Beckers Ausführungen, die er so genüsslich und mit einer jovial angereicherten Rhetorik herunterleiert, anhört, kann durchatmen. Denn Zoten sind nicht sein Metier. Sein Programm erinnert an die „Weltgeschichte“, die Hermann Mostar vor 40 Jahren in Sachen Liebe und Klatsch berühmt gemacht hat.

Und wenn auf der Bühnenleinwand Rubensbilder mit nackten Paaren oder erotischen Darstellungen aus dem Indien um 250 nach Christus eingeblendet werden, dann weiß der Zuschauer: Die Zeiten, als über Kamasutra nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde, sind heute der Epoche des „offenen Meinungsaustauschs“ gewichen.

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