Im Fachwerk an der Marienstraße gehen die Lichter aus
Bild: Werneke
Dem Vertreter der dritten Generation des Familienbetriebs, Bernd Schmalhorst, fällt die Schließung des Leuchtenfachgeschäfts an der Marienstraße in Wiedenbrück zwar nicht leicht, doch er will sich verstärkt auf seine Aufgaben als Geschäftsführer von „IP44de outsight lighting“ konzentrieren. 
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Bernd Schmalhorst möchte sich künftig auf sein Unternehmen „IP44.de outside lighting“ konzentrieren, das er 1993 gegründet und seitdem kontinuierlich fortentwickelt hat. Gleichzeitig fühlt er sich der Firmen- und Familientradition sowie seinen in Wiedenbrück liegenden Wurzeln verpflichtet. Bereits sein Großvater Bernhard handelte seit den 1930er-Jahren mit Weißer Ware und Elektroartikeln, verkaufte Waschmaschinen ebenso wie Glühlampen.

„Wir haben eine Verantwortung dafür, dass es gescheit weitergeht“, sagt das ehemalige Vorstandsmitglied des Wiedenbrücker Gewerbevereins mit Blick auf die Zukunft des imposanten Fachwerkgebäudes aus dem Jahr 1688. Er sucht für die, wie er sagt, „Schlüsselfläche“ in der Innenstadt eine Nachnutzung im Bereich des Einzelhandels. Engere Gespräche mit mehreren Interessenten würden bereits geführt, und er sei zuversichtlich, „einen adäquaten Nachmieter“ zu finden.

„Pioniere im Beleuchtungsbereich“

In Familienbesitz gelangte das Haus 1975, blickt Bernd Schmalhorst zurück. Seine Eltern erwarben demnach das Haus. In der Zeit davor habe es einmal ein Hotel beherbergt, und zwischenzeitlich sei auch über dessen Abriss zugunsten von Straßenbau nachgedacht worden. In dem kurzzeitig dort untergebrachten Standesamt haben seine Eltern geheiratet, bevor sie es später zu dem heute so renommierten Leuchtenfachgeschäft entwickelten, berichtet der 47-Jährige. Mit seiner Frau Elisabeth wagte Norbert Schmalhorst, in der Nachfolge seines Vaters, der den Unternehmensgrundstein gelegt hatte, einen neuen Schritt in Richtung Design: Ab 1977 gab es zwei Standbeine: Elektro-Schmalhorst an der Wasserstraße 34 und im renovierten Fachwerk an der Marienstraße 13 Leuchten-Schmalhorst. „Sie waren schon Pioniere im Beleuchtungsbereich“, unterstreicht der Wiedenbrücker die Leistung seiner Eltern, die so mutig gewesen seien, als Vorreiter in der Provinz italienische Designleuchten anzubieten. Erfolg belohnte das Wagnis: „Wir haben überregional mit Ware gehandelt und Lichtplanung gemacht“, berichtet der Vertreter der dritten Schmalhorst-Generation. 1984 erfolgte ein Anbau.

„Ich betrachte das als Evolutionsstufe“, beschreibt Bernd Schmalhorst den geschäftlichen Wandel. Er wird sich auf das dritte Schmalhorst-Standbein „IP44.de outside lighting“ konzentrieren. Dieses Geschäft mit der Entwicklung und dem Vertrieb von Außenleuchten der eigenen Marke habe sich kontinuierlich entwickelt. Der Geschäftsführer ist stolz auf manchen Designpreis. Dieses Jahr sei gut gestartet mit dem „Iconic Award“ und dem „iF Design Award“ für die Wand- und Deckenleuchte „Slat“. Auch die regionale Anerkennung durch den Wirtschaftspreis der Stadt Rheda-Wiedenbrück 2015 freut ihn. Der Geschäftsführer darf auf zehn Mitarbeiter zählen. Für die zwei Mitarbeiter aus der Marienstraße besteht das Angebot, bei „IP44.de outside lighting“ unterzukommen. Zur jetzigen Entscheidung beigetragen habe nicht zuletzt, dass man eine passende Immobilie an der Mühlenstraße 20 gefunden habe. Dort könnten bisher auf verschiedene Orte verteilte Bereiche gebündelt werden. Der Einzug sei für den Sommer geplant. Zudem biete das knapp 4000 Quadratmeter große Grundstück Erweiterungspotenzial.

Wieder Einzelhandel anvisiert

Ende März, Anfang April sollen die Lichter für „Leuchten Schmalhorst International“ an der Marienstraße ausgehen. Danach soll wieder Einzelhandel in dem Gebäude, das laut Bernd Schmalhorst fast 700 Quadratmeter Verkaufsfläche und beachtliche Schaufensterfläche biete, Einzug halten. Wegen der Geschäftsaufgabe startet zur „Wiedenbrücker Nachtschicht“ am Freitag ein Räumungsverkauf. „Wir haben viele treue Kunden gehabt“, berichtet der 47-Jährige von rührenden Reaktionen, die er erfahren habe. Doch zugleich steht er zu seinem Entschluss: „Irgendwann muss man eine Entscheidung treffen.“

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