„Im März hatten alle mehr Angst“
In Pflegeeinrichtungen ist Nähe besonders wichtig.

 „Durch den regionalen Lockdown hat sich kaum etwas verändert“, sagt Elena Grawe von der Diakonie Gütersloh. Der evangelische Wohlfahrtsverein unterhält in Rheda-Wiedenbrück zwei Wohngemeinschaften, die jeweils maximal 15 Bewohner beherbergen. Viele von ihnen leiden unter Demenz. Mithilfe regelmäßiger Beschäftigungen wie dem Schneiden von Gemüse beim Kochen und Gymnastikübungen sollen die betagten Bewohner fit bleiben.

Sechs Stunden Ausgang

Unabhängig vom Lockdown im Kreis Gütersloh sind im Verlauf dieser Woche weitere Lockerungen erlaubt worden: So dürfen die Bewohner ihre Bleibe für maximal sechs Stunden verlassen – sie seien selbst für ihren Infektionsschutz verantwortlich. Zudem ist es ihnen erlaubt, zweimal täglich Besuch zu empfangen, was in Zeiten der Kontaktbeschränkungen im Frühling undenkbar war. Lediglich die Besuche in den Bewohnerzimmern bleibt für den Kreis Gütersloh untersagt. Frühestens ab dem 7. Juli soll dies wieder möglich sein.

Wer nicht in der Wohngemeinschaft leben möchte und Pflege in den eigenen vier Wänden benötigt, der nimmt die ambulante Pflegedienstleistung in Anspruch. 20 Mitarbeiter sind bei der Diakonie für diesen Bereich zuständig. Sie helfen den Bedürftigen beim Waschen von Kleidung, beim Aufwärmen von Speisen, bei der Einteilung von Medikamenten, und haben darüber hinaus ein offenes Ohr für die Probleme der zumeist Alleinlebenden. „Bei der Arbeit tragen die Pflegenden weiterhin Schutzmasken und Handschuhe“, erklärt Grawe. Die Einhaltung des Sicherheitsabstands zwischen Mitarbeiter und dem Gepflegten hänge dagegen von der Situation ab – das Stützen bei Gehproblemen oder der Wechsel von Verbänden funktioniere kaum ohne Körperkontakt.

Stimmung ist gut

Drückt die Situation auf die Stimmung der Pflegebedürftigen? „Eher nicht“, meint die Vorstandsassistentin der Diakonie und betont: „Während der ersten Welle im März hat man deutlich mehr Ängste wahrgenommen. Jetzt nehmen die meisten es gut auf.“

Seit einigen Tagen finden nach Anweisung des Landes NRW Corona-Tests in Pflegeeinrichtungen im Kreis Gütersloh statt. Allerdings müssen die Mitarbeiter diese selbst durchführen und bekommen hierfür ein Test-Set zugesendet.

760 der 1200 Mitarbeiter getestet

Im Pflegedienst des Vereins „Daheim“ wurden kreisweit etwa 760 der 1200 Mitarbeiter getestet. Dazu zählen unter anderem Angestellte der Wohngemeinschaften und der Tageseinrichtungen. Auch externe Dienstleister wie Fußpfleger und Friseure werden überprüft. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hilft bei der Logistik. Die genommenen Proben werden im Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen unter die Lupe genommen und schließlich den Einrichtungen mitgeteilt.

Noch keinen positiven Befund

„Unsere Mitarbeiter bekommen ihre Information per App. Bislang haben wir noch keinen positiven Befund“, hat die Geschäftsleiterin vom Verein „Daheim“, Susann Klingert, gestern auf Anfrage der Redaktion verraten. Fest steht dagegen, dass sich aktuell zwei Mitarbeiter für die kommende Zeit in Quarantäne befinden, da sie Kontakt zu Mitarbeitern von Tönnies hatten.

Sollte Covid-19 in Einrichtungen der Diakonie in Rheda-Wiedenbrück ausbrechen, dann haben die Verantwortlichen einen Sicherheitsplan vorbereitet. Wenn ein Mitarbeiter infiziert ist, wird er durch das Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt. Gleiches gilt auch für alle anderen Mitarbeitenden mit Kontakt zum Infizierten.

Getestet werden alle

Getestet werden auch die Bewohner. Kommt es zu einer Infektion eines Bewohners, würden die genauen Maßnahmen ebenfalls mit dem Gesundheitsamt und der Heimaufsicht abgeklärt werden. Eigentlich wäre in diesem Fall eine Isolation des Bewohners vorgesehen. „Je nach Gesundheitszustand müssen wir individuelle Lösungen finden“, erklärt Elena Grawe und verweist auf den Bewegungsdrang von Demenzkranken.

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