Im Zweifel für den Angeklagten
Im Zweifel für den Angeklagten hat das Schöffengericht Gütersloh im Fall eines 40-Jährigen entschieden.

Der 40 Jahre alte Angeklagte reagierte darauf mit Tränen. Die 29-jährige angeblich Betroffene ließ sich durch einen Anwalt vertreten. Das in dem Satz angesprochene Prinzip war schon Bestandteil der auf Aristoteles – Philosoph, der von 384 bis 322 vor Christus lebte und lehrte - zurückgehenden griechischen Rechtsauffassung und prägte das römische Recht. Bevor in Deutschland ein Gericht einen Angeklagten nach dem Grundsatz frei spricht, muss es von Amts wegen den Sachverhalt aufklären und alle in Betracht kommenden Beweismittel ausschöpfen (Paragraph 244 der Strafprozessordnung). Danach handelte am zweiten Prozesstag auch die Gütersloher Richterin.

Es ging darum, „eine andere Person mit Gewalt genötigt zu haben, sexuelle Handlungen des Täters an sich zu dulden, wobei er mit dem Opfer den Beischlaf vollzog“, lautete die Anklage. Dies soll nachts im Badezimmer der Frau geschehen sein, nachdem der Ex-Freund durch ein Fenster eingestiegen sei, um eine „letzte Aussprache“ mit der Frau zu führen, die sich von ihm getrennt hatte.

Die Staatsanwältin: „Der Angeklagte und die Zeugin lebten in einer lange bestehenden, angespannten Beziehung.“ Zur Vergewaltigung, die am 24. Juli 2010 stattgefunden haben soll, sagten beide Seiten aus („Die Glocke“ berichtete). Am zweiten Prozesstag wurden mehrere Zeugen aus dem sozialen Umfeld vernommen. Möglichen Seitensprüngen standen seine Versicherungen gegenüber, er habe keine Parallelbeziehungen und könne ohne die Gefährtin nicht leben. „Sind wir eine Familie oder nicht?“, habe die 29-Jährige und Mutter ihn mal wieder gefragt, als andere Frauen auftauchten. Er habe SMS und Briefe geschrieben, die den Papierkorb gefüllt hätten, sogar mit einem Heiratsantrag reagiert, schilderte die Frau.

Das „Kerngeschehen“ könnte nach den Schilderungen der 29-Jährigen so passiert sein; aber Zweifel ließen sich auch nach abgeschlossener Beweiswürdigung nicht ausräumen, argumentierte die Richterin. So kam es zum „in dubio pro reo.“

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