Junge Leute wachsen an ihren Aufgaben
Bild: Schulte-Nölle
Gesellschaftsspiele wie „Mensch, ärgere dich nicht“ bereiten Lisa Malkmus, die seit Mai den Bundesfreiwilligendienst als Berufsorientierung nutzt, und ihren Schützlingen im Seniorenheim viel Freude.
Bild: Schulte-Nölle

Sieben so genannte Bufdis unterstützen dort aktuell das Personal und kümmern sich liebevoll um die Bewohner. Ihre Aufgaben sind dabei so vielfältig wie der Arbeitsalltag in der Seniorenstätte. Egal ob Freizeitgestaltung, Betreuung, Fahrtendienste oder Haustechniker-Tätigkeiten: „Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist groß und wird vorher mit jedem Bufdi besprochen“, sagt Rudolf Voß.

Traditionelle Rollenverteilung

Die bisherigen Erfahrungen der Mitarbeiter der Wiedenbrücker Einrichtung spiegeln dabei nach Angaben des Pflegedienstleiters eher traditionelle Geschlechterentscheidungen wider: So entfallen die Bewerbungen junger wie älterer Frauen zumeist auf den Pflege- und sozialen Bereich, während sich die Männer eher für handwerkliche Herausforderungen interessieren.

„Durchweg positiv“

Stephan Stiens bildet da keine Ausnahme. Der 21-Jährige, der bereits eine Ausbildung im Straßenbau abgeschlossen hat, ist fast am Ende seiner Bufdi-Zeit in der Haustechnik des Altenheims angelangt. Zwölf Monate und noch einmal dreieinhalb Monate Verlängerung, die den Linteler verändert haben – „durchweg positiv“, wie er betont.

„Was kommt da bloß auf mich zu?“

„Man lernt, eine neue Perspektive auf die Dinge zu gewinnen, anders zu denken, unbefangener mit Menschen umzugehen“, sagt Stephan Stiens. Oft seien die Lösungen eben viel einfacher, als zuvor gedacht. Wenn zum Bespiel ein Bewohner ein defektes Gerät moniert, geht der 21-Jährige heute routiniert und vor allem gelassen ans Werk, prüft zunächst, ob das Kabel mit der Steckdose verbunden ist, ob das Gerät korrekt bedient wurde. „Am Anfang dachte ich immer: Was kommt da bloß auf mich zu? Kann ich das überhaupt?“

Hintergrund

Für den Bundesfreiwilligendienst können sich alle bewerben, die ihre Pflichtschulzeit absolviert haben. Damit werden junge Erwachsene ebenso angesprochen wie Menschen im mittleren Alter und Senioren. Alter, Geschlecht, Nationalität oder die Art des Schulabschlusses spielen dabei keine Rolle. In der Regel dauert der Bundesfreiwilligendienst zwölf Monate, es besteht jedoch die Möglichkeit zur Verlängerung auf insgesamt 18 sowie zur Verkürzung auf sechs Monate. Wie hoch das Taschengeld für den freiwilligen Einsatz ausfällt, entscheidet die Einsatzstelle. Die Höchstgrenze liegt bei 357 Euro.

Mittlerweile ist der junge Mann bereits so weit, dass er seinen erst kürzlich angefangenen Bufdi-Kollegen Nils Ralenkötter mit anlernt. „Unser Haustechniker ist erkrankt, aber die beiden sind so fit, dass es trotzdem läuft, und zwar richtig gut“, sagt Rudolf Voß anerkennend.

Die Erfahrungen, die Stiens in den 15 Monaten als Bundesfreiwilligendienstler gesammelt hat, waren für ihn so überwältigend, dass er dem Altenwohnheim St. Aegidius Wiedenbrück auch nach Ablauf des Programms erhalten bleiben möchte: als ehrenamtliche Technikassistenz bei Veranstaltungen und Festen.

Selbstbewusster und selbstständiger

Für Gudrun Bauer ist eine Entwicklung wie die von Stephan Stiens ein wichtiger Bestandteil des Bundesfreiwilligendiensts. Die Leiterin des Sozialen Diensts des Altenheims St. Aegidius musste mit Verena Güth jetzt die erste Bufdi-Kraft im eigenen Bereich nach zwölf Monaten verabschieden. „Zu sehen, wie sich diese junge Frau entwickelt hat, wie sie erwachsen geworden ist, selbstbewusster und selbstständiger, das freut mich auch ganz persönlich“, sagt Gudrun Bauer.

Verena Güth startete mit 19 Jahren in das Abenteuer Bundesfreiwilligendienst – direkt nach dem Abitur, unerfahren und unsicher. Zum Ende ihrer Zeit in der Wiedenbrücker Senioreneinrichtung leitete die momentan in Batenhorst wohnende Gütersloherin eigenständig Gruppenangebote, übernahm Fahrtendienste, kümmerte sich unterstützend um die Freizeitgestaltung der Bewohner oder begleitete sie bei Arztbesuchen. „Das hätte ich mir am Anfang nicht zugetraut“, sagt die heute 20-Jährige stolz.

Aussicht auf Festanstellung

Für Bufdi-Kollegin Lisa Malkmus ist aus dem Programm auf Zeit jetzt eine Aussicht auf Anstellung geworden. Die 24-Jährige, die erst seit Mai das Heim im Pflegebereich unterstützt, wird im Oktober ihre Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen. Für die junge Mutter aus Rheda ist das nach der Ausbildung und Arbeit als Kinderpflegerin endlich ein Beruf mit Perspektive. „Die alten Menschen geben mir etwas zurück, mit ihnen kann ich reden. Und sie haben Lebenserfahrung, an der ich teilhaben darf“, sagt sie.

Auch wenn es für das Altenwohnheim St. Aegidius Wiedenbrück zurzeit gut läuft: Bewerbungen von Bundesfreiwilligendienst-Leistenden in spe sind stets willkommen. „Besonders im Pflegebereich würden wir uns über weitere Interessenten freuen“, sagt Pflegedienstleiter Rudolf Voß.

SOCIAL BOOKMARKS