Keine Chance auf schnelle Einigung
Bild: Sudbrock
Meterhoch wuchert das Unkraut auf dem ehemaligen Bäckerei-Grundstück am Gänsemarkt. Eigentlich sollte hier längst eine moderne Wohnanlage mit etwa zwölf Einheiten stehen.
Bild: Sudbrock

An dem Zustand des Areals wird sich in absehbarer Zeit wohl nichts ändern. „Es sieht leider nicht so aus, dass zwischen dem Investor und dem kommunalen Gestaltungsbeirat in Kürze eine Einigung erzielt werden kann“, sagt Immobilienmakler Horst Neugebauer aus Gütersloh. Er koordiniert das Neubauvorhaben als Projektbegleiter. Drei Architekten hätten im Auftrag des Investors unabhängig voneinander das Gelände überplant – aber mit keinem der Vorschläge sei der Gestaltungsbeirat restlos zufrieden gewesen. „Es gab immer wieder Änderungswünsche“, erklärt Neugebauer.

Dreigeschossiger Wohnkomplex geplant

Der Investor, der auf dem Grundstück ein dreigeschossiges Wohnhaus mit etwa zwölf Einheiten errichten will, habe viele der Verbesserungsvorschläge akzeptiert. „Ein Kritikpunkt bestand beispielsweise darin, dass die Parkplatzsituation aus Sicht des Gestaltungsbeirats nicht zufriedenstellend gelöst war“, sagt Horst Neugebauer. Deshalb habe man sich von der ursprünglichen Idee, im Erdgeschoss der Immobilie Stellflächen einzurichten, schnell verabschiedet. Stattdessen sei nun eine Tiefgarage vorgesehen, so dass der Parterrebereich ausschließlich Wohnzwecken vorbehalten bleibe.

Gestaltungsbeirat stellt Ansprüche

Nicht folgen wolle der Investor aber der Forderung des Beirats, das Erdgeschoss durch einen Sockel etwa 60 bis 80 Zentimeter anzuheben, weil durch die zusätzlichen Kosten die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojekts infrage gestellt werde. Neugebauer: „Um weiterhin die Barrierefreiheit des Gebäudes zu gewährleisten, wäre die Installation eines zweiten Aufzugs im Eingangsbereich nötig, um den Höhenunterschied zwischen der Straße und dem Niveau des Erdgeschosses zu überbrücken“, erläutert der Immobilienfachmann. Der Beirat beabsichtige mit der Anhebung der Parterreetage die Steigerung der Lebensqualität in den unteren Wohneinheiten. Neugebauer: „Die Bewohner sollen dadurch wohl besser vor den Blicken der Passanten geschützt werden.“

Stadt: Noch Gesprächsbedarf

Der Projektbetreuer gibt zu bedenken, dass nicht alles, was theoretisch wünschenswert und sinnvoll sei, praktisch umgesetzt werden könne. „Die eierlegende Wollmilchsau gibt es auch in der Immobilienbranche nicht“, sagt Horst Neugebauer. Abstriche und Kompromisse seien bei jedem Neubauvorhaben unumgänglich. Eine Einigung mit dem Gestaltungsbeirat, der sich aus Architekten und Stadtplanern zusammensetzt, hält Neugebauer momentan für eher unwahrscheinlich. Die Gefahr sei durchaus real, dass das Projekt scheitere. Die Stadtverwaltung lobt der Immobilienmakler hingegen ausdrücklich: „Der Abstimmungsprozess mit der Bauabteilung des Rathauses war stets konstruktiv und auf Augenhöhe.“ Die Stadtverwaltung bestätigt, dass es auf dem Gänsemarkt-Grundstück noch Abstimmungsbedarf mit dem Investor gebe. Es gehe vor allem um die Frage, wie viel Prozent des Areals bebaut werden dürfen. „Grundsätzlich legen wir Wert darauf, dass sich Neubauten ins Stadtbild einfügen und dass sie zur historischen Fachwerkumgebung passen“, heißt es aus dem Rathaus.

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