Kirchenbänke für den privaten Gebrauch
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Mit vereinten Kräften: Andreas Heimann und Ralf Manche luden während der Verkaufsaktion in der Kreuzkirche in Wiedenbrück eine halbe Kirchenbank in den Bulli von Claudia Tanski (v. l.). Der Verkaufserlös soll in den Umbau des neuen Gemeindezentrums fließen.
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In der Kreuzkirche an der Wasserstraße haben sich am Samstag zwar auch Männer und Frauen getroffen, um miteinander ins Geschäft zu kommen, doch ist dies von Pfarrer Marco Beuermann und den Mitgliedern des Presbyteriums der Versöhnungs-Kirchengemeinde ausdrücklich erwünscht, zumal der Erlös nicht dem eigenen Vorteil, sondern der Zukunft des Gotteshauses dient.

Die Türen am Haupt- und Seiteneingang stehen offen, und im Innenraum klaffen bereits große Lücken zwischen den Bankreihen. An manchen kleben Zettel mit Namen, auf denen sich vereinzelt das Wort „bezahlt“ findet. Andere halten den prüfenden Blicken interessierter Besucher stand, die mit Zollstöcken die Sitzgelegenheiten vermessen. „Alle Bänke müssen raus“, erklärt Presbyterin Antje Telgenkämper. Für die ehrwürdigen Eichenholzkonstruktionen, auf denen Generationen von Gottesdienstbesuchern den Worten ihres Pfarrers gelauscht haben, wird im neuen Gemeindezentrum kein Platz mehr sein.

Multifunktionale Begegnungsstätte

Als solches soll die Kreuzkirche ab 2017, um einen Anbau im Südosten erweitert, eine multifunktionale Begegnungsstätte sein. Dort können außer Gottesdiensten Gruppenarbeiten wie die Konfirmationsvorbereitung und Konzerte stattfinden. Mit handlichen Stühlen könne man sich je nach Bedarf der Situation anpassen und den gesamten Innenraum nutzen, ergänzt Antje Telgenkämper. Für den Umbau ist eine Summe von rund einer Million Euro veranschlagt, die zu wenigstens zehn Prozent aus Spenden und Verkäufen finanziert werden soll. Um das zu schaffen, veräußert die Gemeinde nahezu alles, was an beweglichen Gütern in der Kirche vorhanden ist, also auch die 40 Sitzbänke. Andreas Heimann und Ralf Manche, beide ebenfalls im Presbyterium aktiv, schrauben sie aus ihren Verankerungen, tragen sie durch den Seiteneingang ins Freie und helfen beim Einladen. Zum Einheitspreis von 50 Euro sichern sich manche Käufer gleich mehrere der etwa vier Meter langen Möbelstücke.

 „Vorhin kam jemand mit einem LKW, da haben wir zwei komplette Bänke eingeladen“, beschreibt Hans-Martin Leskovsek. Der Tischlermeister hat seine Motorsäge mitgebracht, um den Kunden die Bank bei Bedarf zuzuschneiden. Er zeichnet die Schnittlinie vor, ehe er mit der Sägekette auf der Rückenlehne ansetzt. Schnurgerade frisst sich das Metall durch das Holz, auf dem kürzlich gebetet wurde.

Taufstein künftig transportabel

Laut Architektenentwurf verkleinert sich der eigentliche Kirchenraum, und der Altarbereich hebt sich kaum noch von der Umgebung ab. Die Prinzipalstücke, also der Taufstein, die Kanzel und der Altar, sollen in Zukunft ebenfalls transportabel sein, weshalb ihre Neuanschaffung erforderlich ist. Für den Taufstein hat sich sogar schon ein Abnehmer gefunden. „Einige Leute finden das pietätlos, aber wenn ihn jemand in seinen Garten stellt, wird er immerhin noch benutzt“, meint Antje Telgenkämper. Ein Teil der steinernen Kanzel soll beim Umbau vermauert werden. Auf der Orgelempore, die ein Drittel ihrer Fläche einbüßen wird, haben Marco Beuermann und seine Helfer alles zusammengetragen, was sie in den Ecken und Abstellräumen der Kreuzkirche finden konnten, darunter jede Menge Kerzen und Gesangbücher. „Vieles habe ich noch nie gesehen“, wundert sich der Pfarrer über Kuriositäten wie etwa zwei blau-weiße Verkehrsschilder, die in diversen Kinder- und Jugendgottesdiensten zum Einsatz gekommen sein könnten.

Wie auf einem Trödelmarkt stöbern die Besucher an den Tischen, auf denen die Gegenstände liegen. Eine Ahnung von der Wirkung des neuen Innenraums dürfte sich schon Ende Februar ergeben, wenn das Blasorchester der Gütersloher Feuerwehr ein Benefizkonzert auf der Baustelle geben wird.

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