Kirmes-Schaustellern fehlt es an Personal
Bild: von Stockum
Aus dem Trausaal ins Getümmel: Janine und Marc Heidfeld haben sich am Freitag in der Orangerie des Schlosses in Rheda das Ja-Wort gegeben. Anschließend zog es die Frischvermählten auf die Herbstkirmes nach Wiedenbrück.
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Wenn Vanessa Markmann während der Wiedenbrücker Herbstkirmes aus ihrer kleinen Kommandozentrale heraus den „Hexentanz“ mit Effekten befeuert, dann ist dem Ganzen wieder ein Eiertanz in Sachen Personalsuche vorausgegangen. Bei Auf- und Abbau braucht es enorm viele Hände, und auch während des laufenden Betriebs sind Beschäftigte vonnöten, die die Sicherheit gewährleisten, Fahrchips verkaufen und dieselben wieder einsammeln. Die Suche danach gestaltet sich für die Schausteller immer schwieriger.

Personal fehlt

Marktmeister Hans-Bernd Hensen weiß um das Problem. Gleich zwei kleinere Betriebe haben dem Ordnungsamtsmitarbeiter zuletzt kurzfristig abgesagt. Nicht etwa, weil sie die Herbstkirmes in Wiedenbrück für kaum lukrativ hielten, ganz im Gegenteil. Schlichtweg, weil das Personal fehlte, um den Umzug von einem Rummelplatz zum nächsten zu stemmen. Lücken zwischen den einzelnen Fahr-, Vergnügungs- und Verpflegungsbetrieben werden die Besucher dennoch nicht entdecken. Hensen fand kurzfristig Ersatz.

Dass die Herbstkirmes erneut ein stimmiges Bild abgibt, ist das Verdienst Hans-Bernd Hensens, der die Veranstaltung nunmehr zum elften Mal als alleiniger Marktmeister vorbereitete, aber auch das seiner Vorgänger: Der Rummel in der Altstadt genießt unter Schaustellern einen erstklassigen Ruf – und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Größe. Die reisenden Kaufleute schätzen die heimelige Atmosphäre, mögen das treue Publikum, das selbst bei Wind und Wetter dem Vergnügen den Vorzug gibt.

Wiedenbrück bleibt Linie treu

„Die Dosis und die Mischung passen“, attestiert am Freitag Janida Schneider, die mit ihrem Mann Michael das „Pirate’s Adventure“ betreibt. Viele Volksfeste entwickelten sich traurigerweise zusehends zu reinen Trinkveranstaltungen, Wiedenbrück hingegen bleibe seiner Linie treu. „Das ist für mich immer wie Nach-Hause-Kommen“, sagt die Schaustellerin aus Lippstadt, die viele als Crêpe-Stand-Betreiberin vom Wiedenbrücker Christkindlmarkt kennen. Und mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Man wundert sich ja immer wieder, was für Apparillos hier Platz finden.“

Besser geht‘s nicht

Es habe schon häufiger Überlegungen gegeben, ob die Herbstkirmes in Wiedenbrück nicht in die eine oder andere Richtung erweitert werden solle, sagt Hans-Bernd Hensen am Freitagnachmittag, doch das ergebe keinen Sinn. Die Größe sei genau passend. Es ist ihm beinahe etwas unangenehm, wenn er zwischen Fahrgeschäften sowie Ständen entlangschlendert und feststellt: „Dieses Jahr ist die Beschickung so, dass ich sage: Besser geht es nicht.“

Wenn die Oma mit dem Enkel...

Der Wiedenbrücker Rummel sei eine Veranstaltung für die ganze Familie, unterstreicht Vanessa Markmann. „Hier fährt die Oma mit dem Enkel und umgekehrt.“ Jahrelang hat Hensen sich bemüht, den „Hexentanz“ ihrer Familie in die Doppelstadt zu lotsen. Nun endlich steht das Fahrgeschäft von 1986 auf Büschers Platz. Es ist das letzte seiner Art, eins von jener Sorte, die allen Generationen Freude macht. Seit 14 Jahren betreibt die Familie Markmann die Konstruktion, hat viel Geld in die Hand genommen, um es auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Das Wiedenbrücker Publikum weiß das offensichtlich zu schätzen. „Ich kann eine halbe Stunde nach Inbetriebnahme sagen, ob es an einem Standort läuft“, sagt die Juniorchefin mit Blick auf den Kirchplatz. „Und hier läuft es.“

„Bin da schon sehr pingelig“

„Ich bin da schon sehr pingelig“, meint Hensen hinsichtlich des Anspruchs, den er an eine Kirmes stellt. Letztlich solle sie jedem Freude machen, ihn begeistern. Die Veranstaltung müsse ein Volksfest bleiben, dürfe nicht zu einer Zeltparty werden.

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