Konzept für mehr Sauberkeit in der Stadt 
Sagen dem Müll den Kampf an: (v. l.) Eckhard Uhr, stellvertretender Betriebsleiter des Bauhofs, Hans-Peter Laukötter, bei Pro Arbeit Ausbilder und Leiter des Stadtreinigerprojekts, Hans-Bernd Hensen, Leiter der städtischen Abteilung Sicherheit, Ordnung und Umwelt, Carsten Engelbrecht, Geschäftsführer von Pro Arbeit, Bürgermeister Theo Mettenborg und Wolfgang Krause, Pro-Arbeit-Mitarbeiter und Stadtreiniger. Krause und zwei Kollegen werden im Wechsel mit dem eigens zu diesem Zweck kreierten Lastenfahrrad in Rheda- unterwegs sein. Bild: Werneke

Weggeworfene Getränkedosen, Fast-Food-Verpackungen und Co. sammelt er in den Abfallbehälter hinter seinem Sattel. Zudem steuert er Glascontainerstandorte an. Der Einsatz eines solchen Stadtreinigers in Rheda-Wiedenbrück ist neu: Gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen des Vereins Pro Arbeit wird sich Wolfgang Krause die Tätigkeit und das eigens für diesen Zweck entwickelte E-Bike teilen. Ihre Aufgabe stellt einen von mehreren Bausteinen innerhalb des neuen Gesamtkonzepts „Sauberkeit in der Stadt“ dar.

Beteiligte verschiedener Fachbereiche

Wie Hans-Bernd Hensen, Leiter der städtischen Abteilung Sicherheit, Ordnung und Umwelt, im Pressegespräch erläutert, ist dieser Plan von einer Arbeitsgruppe erstellt worden, in der nicht nur sein Fachbereich vertreten war, sondern auch Mitarbeiter der Abteilungen Tiefbau, Finanzen, Soziales und Bürgerservice sowie des Bauhofs mitgewirkt haben. Die Mitglieder des Umweltausschusses haben während der jüngsten Gremiumssitzung einstimmig grünes Licht zur Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen gegeben. Zwar sei die Situation nicht „desaströs“, doch Verwaltung und Bevölkerung hätten festgestellt, dass die Sauberkeit in der Stadt „verbesserungswürdig“ sei und „man etwas mehr machen könne“, erläuterte Hensen den Ausgangspunkt der Überlegungen.

Der Stadtreiniger werde in Ergänzung zum Bauhof aktiv. Dessen Mitarbeiter sammeln bereits unkorrekt entsorgte Kleinabfälle wie etwa Zigarettenschachteln ein. Bürgermeister Theo Mettenborg erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass bis vor einigen Jahren noch ein „Handkarrenmann“ unterwegs gewesen sei. Er freue sich über diese „tolle Kooperation mit Pro Arbeit“.

E-Bike mit grünem Müllsammelkorb

Wolfgang Krause und seine Mitstreiter, können sich indessen nun auf ein E-Bike schwingen, das unter der Ägide von Ausbilder Hans-Peter Laukötter bei Pro Arbeit ausgetüftelt worden ist. 160 Kilogramm beträgt das zulässige Gesamtgewicht des mit zwei Akkus bestückten Gefährts. Über dessen zwei Hinterrädern thront in leuchtendem Grün der pulverbeschichtete in drei Fächer aufgeteilte Müllsammelkorb.

Das Rad sei zugleich ein sichtbares Zeichen, merkt Laukötter an und zeige: „Wir packen zu“. Zudem werde der Fahrer als Ansprechpartner wahrgenommen. Im Gespräch mit den Bürgern könne er wichtige Infos, etwa über Angebote und Öffnungszeiten des von Pro Arbeit betriebenen Recyclinghofs, weitergeben. Pro-Arbeit-Geschäftsführer Carsten Engelbrecht, begrüßt, dass das Projekt der Arbeitsmarktintegration, E-Mobilität und Umweltschutz verknüpft.

Erste Routen festgelegt

Das Sauberkeitskonzept mit dem Lastenradmodul ist zunächst auf eine Erprobungsphase bis Ende des Jahres begrenzt. Der Einsatzplan der rollenden Sammler orientiert sich an den Gebieten, die auch für den Bauhof festgelegt sind. Das Gefährt wird zunächst auf vier Routen und zwar in den Innen- und Außenbereichen von Rheda und Wiedenbrück unterwegs sein, weitere Stellen sind angedacht. All dies sowie bei Bedarf weitere Systemanpassungen sollen im Rahmen monatlicher Abstimmungen erarbeitet werden. Über die Routen hinaus sei es vorgesehen, künftig auch „auffällige Orte“ anzusteuern. Über solche für illegalen Müll bekannte Stellen werde eine Liste geführt, informierte Hensen. Die alte Bahntrasse gehöre etwa dazu.

Ansprechpartner für die Bürger

Größere Abfälle, die nicht aufs Rad passen, melden die Stadtreiniger zur Abholung. Zudem sollen sie die Wertstoffcontainerstandorte im Blick behalten. Mit dem Handy in der Tasche kann die Einsatzkraft ein Foto anfertigen, wenn wieder einmal Müll neben den Behältern steht und dies mitteilen. Die mit dem Rad wendigen Ansprechpartner für die Bürger sollen zudem zeitlich flexibel agieren und anlässlich von Festen, wie etwa Kirmes, sowie an Sonn- und Feiertagen zu Sondereinsätzen ausrücken. Bei Pro Arbeit sei schon ein zweites Rad in Planung, verrät Laukötter.

Plan umfasst mehrere Bausteine

Das Gesamtkonzept zur Verbesserung der Sauberkeit in der Doppelstadt an der Ems umfasst weitere Bausteine zu folgenden Bereichen.

Wertstoffcontainer: Rund 40 Behälterstandorte gibt es in der Doppelstadt an der Ems. Sie werden seit 1993 durch den Verein Pro Arbeit täglich von Montag bis Freitag gereinigt. Da zunehmend dort Müll abgelagert werde, sollen laut Hans-Bernd Hensen die Intervalle erhöht werden. Wie es aus dem Rathaus heißt, seien häufigere Kontrollen durch den Ordnungsdienst geplant. Dazu wäre jedoch zusätzliches Personal erforderlich. Zudem gelte es, neue Standorte zu schaffen, etwa dann, wenn neue Baugebiete entstehen oder sich Lebensmittelhändler und Discounter ansiedeln. Zudem soll neuerdings eine Nassreinigung ausprobiert werden, denn nicht selten seien die Standorte durch eine klebrige Masse verschmutzt, wie Hensen informiert.

Abfallbehälter: Die Zahl der Mülleimer soll bedarfsgerecht ergänzt werden. Nach Auskunft der Stadt unterhält der Bauhof zurzeit 400 solcher Behälter, davon 285 im Stadtgebiet, 91 auf Spielplätzen und 20 an Bushaltestellen. Hinzu kämen noch die nicht vom Bauhof unterhaltenen im Flora-Westfalica-Park. Bürger sind laut Hensen dazu eingeladen, zu melden, wo ihrer Meinung nach Abfallgefäße fehlen oder womöglich an falscher Stelle stehen. Der Fachbereich Tiefbau werde einen Vorschlag erarbeiten, wo und wie viele Behälter platziert werden sollen. Darüber wird letztlich der Bau-, Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss zu entscheiden haben. Laut Verwaltung würden für die Aufstellung eines Mülleimers einmalig 500 Euro anfallen. Hinzu kämen pro Jahr laufende Kosten in Höhe von rund 690 Euro.

Hundekotbeutel: An 24 Tütenspendern in Rheda-Wiedenbrück können Gassigänger Hundekotbeutel ziehen. Zudem haben sie Gelegenheit, ebenfalls kostenlos, Tüten im Rathaus abzuholen. Wie Eckhard Uhr, stellvertretender Betriebsleiter des Bauhofs, informiert, sei man inzwischen von schwarzen auf rote Beutel umgestiegen. Das solle die Hemmschwelle erhöhen, die Hinterlassenschaften der Vierbeiner im Grünen zu entsorgen. Weiterer Effekt laut Hensen: Rot wird beim Rasenmähen besser erkannt. Wegwerfbecher Rheda-Wiedenbrück will sich an der Einführung eines kreisweiten Mehrwegbechersystems beteiligen. Mögliche Ausgabestellen werden in einem nächsten Schritt abgefragt.

Unterkünfte für Werkvertragsarbeiter und städtische Unterkünfte: Da teilweise Unterkünfte für Werkvertragsarbeiter nicht an die städtische Entsorgung angeschlossen sind, will die Verwaltung den geltenden Anschluss- und Benutzungszwang konsequent durchgesetzen, falls nötig etwa durch Ordnungsgelder. Zudem sollen Wohnraumkontrollen verstärkt werden. Da nicht selten Unwissenheit zum Thema bestehe, will man in den Unterkünften zugleich auf Erziehung sowie aufsuchende Sozialarbeit setzen. Ziel ist es, mit den Bewohnern über Themen wie Mülltrennung und Ressourcenschonung zu sprechen und aufzuklären.

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