Krane will Hemmelmann-Haus wachküssen
Bild: Schulte-Nölle
Blick in die Deele: In dem Hemmelmann-Haus an der Straße In der Halle im Herzen Wiedenbrücks scheint die Zeit still zu stehen. Treppe, Balustrade, Türen, Stützbalken und Decke stammen noch aus dem Erbauungsjahr 1567.
Bild: Schulte-Nölle

Für den Wiedenbrücker Unternehmer steht fest: Im Herzen der Wiedenbrücker Altstadt gelegen, könnte das Hemmelmann-Haus ein touristischer Anziehungspunkt und Botschafter einer lebendigen Geschichte werden. „Das Besondere an dem Gebäude ist, dass das Innere noch in der originalen Struktur erhalten ist. Und das hat in Wiedenbrück – bei all den schönen Fassaden, die es zweifelsohne gibt – Seltenheitswert“, sagt Krane.

Förderverein oder Stiftung als Träger

Um das Hemmelmann-Haus künftig einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, schwebt Krane eine Trägerschaft in Form eines Fördervereins oder einer Bürgerstiftung vor – „gern auch unter Beteiligung der Stadt“. Mit dem Eigenkapital und unter Zuhilfenahme etwaiger Fördertöpfe des Landes ließe es sich bewerkstelligen, das Bauwerk in seinen Ursprungszustand zurückzuversetzen und dauerhaft zu erhalten, ist Krane überzeugt. Geöffnet werden könnte das historische Gemäuer zum Beispiel im Rahmen von Stadtführungen. „Bislang fehlen uns dort die Höhepunkte“, sagt der Unternehmer.

So könnten Einheimische wie Touristen zwar die Fachwerkhäuser von außen betrachten – „ein original hergerichtetes Ackerbürgerhaus zu besichtigen, in dem noch der Zeitgeist von damals lebt und atmet, das ist bis dato aber nicht möglich.“ Denkbar ist für Krane beispielsweise, das Hemmelmann-Haus als Start- oder Abschlusspunkt zu nutzen. Außer einer Führung durch das Bauwerk selbst könnte er sich auch einen multimedialen Vortrag zur historischen Bedeutung des Gebäudes sowie zur Stadtgeschichte vorstellen. Einen idealen Raum dafür bilde die Deele. „Die ist groß genug und bietet zugleich eine wunderschöne Kulisse.“

Eine Konkurrenz zum Museum Wiedenbrücker Schule sollen seine Gedankenspiele übrigens nicht darstellen, betont Krane. „Diese Einrichtung ist ein Schatz für unsere Kommune, hat aber durch die sakrale Ausrichtung einen gänzlich anderen Schwerpunkt“, stellt der Unternehmer klar. Einen Kontakt mit dem Eigentümer des Hemmelmann-Hauses, dem Privatmann Wilfried Sudbrock, hat Franz-Josef Krane bereits hergestellt. „Er sucht einen neuen Besitzer und hofft darauf, dass das Haus in gute Hände kommt“, weiß Krane.

Planungen „schön, aber unrealistisch“

Das Hemmelmann-Haus wieder mit Leben zu füllen, das ist für Wilfried Sudbrock (Bild) ein mittlerweile schon fast verzweifelter Wunsch. Schon seit Jahren ist der 80-Jährige auf der Suche nach einem passenden Interessenten – bislang ohne Erfolg. Die Planungen von Franz-Josef Krane, das Gebäude als eine Art lebendiges Museum zugänglich zu machen, hält Sudbrock für „schön, aber unrealistisch“. Er habe sich mittlerweile damit abgefunden, dass wohl ein Umbau nötig werde, um das Haus auch für eine gewerbliche Nutzung attraktiv zu machen, sagt der Eigentümer im Gespräch mit der „Glocke“.

Eine Vorstellung, die Sudbrock allerdings wenig behagt. Schließlich hat der Rentner seine Kindheit und Jugend in dem Hemmelmann-Haus verbracht. Erst als er mit Anfang 20 in das Berufsleben startete, verließ er die Wohngemeinschaft aus Eltern und drei Tanten. Noch heute verlegt Wilfried Sudbrock regelmäßig für mehrere Tage im Monat seinen Wohnsitz vom niederrheinischen Kleve nach Wiedenbrück und bezieht Quartier in seinem Geburtshaus. „Normal bewohnen kann man das Gebäude schon aufgrund der nicht mehr zeitgemäßen Raumstruktur nicht mehr“, betont Sudbrock, der für seine Aufenthalte eigens zwei Räume gedämmt, zweckmäßig ausgestattet und mit einer Heizung versehen hat. Dennoch hält das Haus einige Besonderheiten bereit. So befindet sich noch heute unter dem Dach die Werkstatt seines Großvaters Fritz Hemmelmann. Der Kunsttischler gilt als Mitglied der Wiedenbrücker Schule.

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