Krankenhaus Rheda weicht Wohnsiedlung
Bild: Sudbrock
Letztes Kapitel: Ein funktionsfähiges Krankenhaus gibt es in Rheda bereits seit Juni 2013 nicht mehr. Bald wird auch von dem Gebäude kein Stein mehr übrig sein. Die Abrissarbeiten sind nach achtmonatiger Verzögerung wieder in vollem Gang. OP-Trakt und Schwesternheim sind bereits dem Erdboden gleichgemacht worden. Jetzt folgt der Abbruch des etwa 20 Meter hohen Bettenhauses.
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Aber schon in wenigen Wochen wird von dem Krankenhauskomplex in Rheda nichts mehr zu sehen sein. Tag für Tag fressen sich seit Mitte April drei Bagger durch Beton und Mauerwerk. „Spätestens Ende Juli wird kein Stein mehr auf dem anderen stehen“, sagt Baustellenleiter Ralf Voßhenrich von der Gütersloher Abbruchfirma Hagedorn.

Die Arbeiten schreiten zügig voran. Das dreigeschossige Schwesternwohnheim am Fichtenbusch, in dem zuletzt die Verwaltung der Evangelischen Stiftung untergebracht war, liegt bereits in Schutt und Asche. Auch der zur Gütersloher Straße gelegene Trakt mit den Operationssälen, der 1987 ebenso wie der Eingangsbereich mit Foyer und Cafeteria angebaut worden war, ist bereits der Abrissbirne zum Opfer gefallen.

Sprengung wäre zu teuer geworden

„In Kürze geht es dem Bettenhaus an den Kragen“, erläutert Ralf Voßhenrich das weitere Vorgehen. Das vier- bis fünfgeschossige Gebäude misst bis zu 20 Meter. Es ist damit die höchste Einheit auf dem ehemaligen Krankenhausareal am Rand der Rhedaer Innenstadt. Beim Abbruch des Bettentrakts kommt ein spezieller Langarmbagger zum Einsatz, mit dem in bis zu 27 Metern Höhe gearbeitet werden kann. Eine kontrollierte Sprengung sei nie eine Option gewesen, sagt Voßhenrich. „Das wäre allein schon mit Blick auf die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen zu kostenintensiv gewesen.“

Achtmonatige Verzögerung

Durch die Pleite der Evangelischen Stiftung Rheda im vergangenen Jahr ist der Abriss des Krankenhauses ins Stocken geraten. Über den Haufen geworfen wurde der Ablaufplan von Ralf Voßhenrich dadurch nicht. „Der Abbruch läuft jetzt genauso weiter, wie es ursprünglich vorgesehen war – nur eben mit achtmonatiger Verzögerung“, sagt der Baustellenleiter. Eigentlich sollte das frühere Hospital längst nicht mehr existieren. Schon im Oktober 2014 sollte das Grundstück vollständig abgeräumt worden sein.

Unvorhersehbare Schwierigkeiten gab es beim Abriss des Krankenhauses bislang nicht. „Die Gebäudeteile wurden bereits komplett entkernt“, erläutert Voßhenrich. „Türen, Fenster, Metallrohre und Dämmstoffe wurden entfernt, damit wir am Ende sortenreinen Bauschutt erhalten, der beispielsweise als Füllfundament für Straßen eine neue Verwendung finden kann“, sagt der Abbruchexperte.

Als Wohnbauland genutzt wird das ehemalige Rhedaer Krankenhausgelände in Zukunft. Die Weichen dafür hat der Stadtrat bereits gestellt. Einfamilienhäuser sollen auf dem Areal zwischen Gütersloher Straße und Fichtenbusch ebenso entstehen wie Gebäude mit mehreren Mieteinheiten.

16.000 Tonnen Bauschutt

Die Erschließungsarbeiten können freilich erst beginnen, wenn der Abriss des ab 1964 errichteten Krankenhauses abgeschlossen ist. Voraussichtlich Ende Juli wird es soweit sein. Baustellenleiter Ralf Voßhenrich rechnet damit, dass bis dahin 16.000 Tonnen Bauschutt abtransportiert werden müssen. Die Menge entspricht 640 Lastwagenladungen.

Hospital stand schon 2005 vor dem Aus

Das Krankenhaus hatte die Evangelische Stiftung Rheda bis 2005 in Eigenregie betrieben. Weil die Krankenkassen der Einrichtung den Geldhahn zudrehten, wurde das Haus damals im laufenden Betrieb geräumt. In den Folgejahren führte das Klinikum Gütersloh das Rhedaer Krankenhaus als Zweigstelle. Im Juni 2013 kam das endgültige Aus. Gebäude und Grundstück gehörten bis zuletzt der inzwischen abgewickelten Stiftung.

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