Kreissparkasse verlangt Negativzinsen
Foto: Schulte-Nölle
Einnahmequelle: Nicht nur von Bestands-, sondern auch von Neukunden verlangt die Kreissparkasse Wiedenbrück künftig in einigen Fällen Negativzinsen auf Guthaben. Das Foto zeigt den Eingang des Vermögensmanagements an der Wasserstraße.
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Wer das Verwahrentgelt bezahlen muss, bewegt sich in einem exklusiven Kreis: „Wir haben die Zinsen lediglich punktuell bei sehr vermögenden Unternehmen und institutionellen Kunden im Rahmen individueller Verträge erhoben“, erläuterte am Donnerstag Vorstand Werner Twent. Lag der Freibetrag zunächst bei einer Million Euro, wird die Grenze vier Jahre später bei der Hälfte dieser Summe gezogen.

Kleinsparer und private Bestandskunden sind raus

Beinahe unbemerkt ist der Kreis derer, die für die sichere Verwahrung ihres Kapitals zur Kasse gebeten werden, vor einigen Monaten gewachsen. So müssen seit Mitte Februar auch außerordentlich finanzkräftige Neukunden der Kreissparkasse damit rechnen, mit Negativzinsen für ihre Einlagen belastet zu werden. Das betrifft alle, die auf Sparbüchern und Tagesgeld- sowie Girokonten insgesamt mehr als 250 000 Euro parken. „Kleinsparer und private Bestandskunden raus“, sagt Werner Twent.

Letztlich gehe es der Kreissparkasse Wiedenbrück nicht darum, mit dem neuen 0,5-Prozent-Negativzins eine Einnahmequelle zu erschließen, sondern die Kunden zu anderen Anlageformen zu bewegen, erläutert Twent. Die Einführung dieser Abgabe ist eine Konsequenz aus der anhaltenden Niedrigzinsphase, die Twent als solche gar nicht mehr bezeichnen will. Schließlich seien die Entgelte, die von der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt werden und die man als Geldinstitut selbst auch berappen muss, schon längst nicht mehr niedrig, sondern ins Minus verkehrt worden.

Schwierige Situation auf dem Finanzmarkt

Die seit 2014 andauernde Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank belaste die Banken insofern ebenso wie die Sparer, sagt Werner Twent. Was diese Verwahrungsentgelte bedeuten, ist rechnerisch eine simple Sache. Ein positiver Zins von einem Prozent macht im Lauf eines Jahres aus 100 Euro 101 Euro. Ein Negativzins von einem Prozent hingegen lässt nur 99 von den 100 Euro übrig. Über die Jahre gesehen komme da Einiges zusammen, weiß Twent.

Seit 2019 gibt es sogar Banken, die ab dem ersten Euro einen Minuszins verlangen. Darunter sind die Volksbank/Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck und die Kreissparkasse Stendal.

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