Kulinarische Ampel-Koalition am Herd
Bild: Grujic
Runde Sache: Auch wenn Amtsinhaber Theo Mettenborg aufgrund dringender Termine kurzfristig abgesagt hat, sind „Ratskeller“-Chefkoch Dirk Frankrone, Hans-Hermann Heller-Jordan (Bürgermeisterkandidat der Grünen), Hotelbesitzer Peter Surmann, Brigitte Frisch-Linnhoff (SPD) und Michael zur Heiden (FDP, v.l.) beim Auftakt der Kochaktion der „Glocke“ zum Endspurt des Kommunalwahlkampfs bester Laune.
Bild: Grujic

Während die drei Bürgermeisterkandidaten der Oppositionsparteien der „Glocke“-Einladung vollzählig gefolgt waren, hatte Amtsinhaber Theo Mettenborg (CDU) aufgrund wichtiger, unaufschiebbarer Termine kurzfristig absagen müssen. Pech für den Rathauschef: Ihm entgingen selbst gemachte Ziegenfrischkäse-Ravioli auf Tamarillo-Chutney mit Rucolasalat und gerösteten Pinienkernen als Vorspeise und Spargel mit Kartoffeln, Schinken, Rührei und Sauce Hollandaise als Hauptgang. Auch das vom Küchenteam zubereitete luftig-leichte Erdbeersorbet als Dessert hätte Mettenborg bestimmt geschmeckt. Und das Mitbringsel, das FDP-Herausforderer zur Heiden für ihn im Gepäck hatte (vielleicht als kleine Wiedergutmachung für den Grünflächenamts-Spruch während der Bürgermeister-Diskussionsrunde?), konnte der 43-Jährige ebenfalls nicht in Empfang nehmen: Ein kleines Döschen mit schwarzen Oliven, „trocken eingelegt und entkernt“, wie das Etikett verriet.

Küchenchef ist mit „Lehrlingen“ zufrieden

Sie haben geputzt, sie haben gehobelt, sie haben gerührt und Ravioli geformt – und sich das gemeinsame Essen im „Ratskeller“-Restaurant zum Abschluss der schweißtreibenden Kochaktion redlich verdient. Ob beim Zubereiten des Tamarillo-Chutneys, beim Kochen der Sauce Hollandaise für den frisch gestochenen Wiedenbrücker Spargel oder bei der Teigherstellung für die mit Ziegenfrischkäse gefüllte italienische Nudelspezialität: Michael zur Heiden, Brigitte Frisch-Linnhoff und Hans-Hermann Heller-Jordan haben bei allen von Küchenchef Dirk Frankrone gestellten Aufgaben eine gute Figur gemacht. Der Chefkoch war am Ende mit seinen „Lehrlingen“ aus der Kommunalpolitik, die beim Urnengang am 25. Mai allesamt den Sprung auf den Chefsessel des Rhedaer Rathauses schaffen wollen, hochzufrieden: „Wenn es mit dem Bürgermeisteramt doch nichts werden sollte, können Sie gerne bei uns anheuern“, gab Frankrone den drei „Azubis“ mit auf den Weg. Die von „Ratskeller“-Inhaber Peter Surmann zur Verfügung gestellten Kochschürzen in Parteifarben haben jedenfalls alle behalten. Auch wenn damit die „plötzliche Rekrutierung ins Küchenteam“ verbunden sein könnte, wie Michael zur Heiden befürchtete.

Nicht aus der Tüte

Dass Sauce Hollandaise so weich und cremig sein kann, wenn sie nicht aus der Tüte kommt, hat die rot-gelb-grüne Dreierkoalition am Herd des Vier-Sterne-Romantikhotels positiv überrascht. „Das Rezept probieren meine Frau und ich demnächst Zuhause aus“, versicherte Michael zur Heiden.

Rezept Tamarillo-Chutney

Zutaten (für vier Personen): 300 g Tamarillo, 50 ml Olivenöl, 15 g Ingwer (gerieben), 60 g Zwiebeln (Würfel), eine Chili, 125 ml Tomatenessig, 75 g Bio-Mascobado-Vollrohrzucker, ein Lorbeerblatt, zwei Prisen Steinsalz.

Zubereitung: Bei den Tamarillo den Strunk entfernen und an der anderen Seite ein Kreuz einritzen, damit später die Haut einfacher abgezogen werden kann. Die Baumtomaten in kochendem Wasser blanchieren und in Eiswasser abschrecken. Die Haut abziehen und die Frucht in Würfel schneiden. Ingwer, Chili, Bio-Mascobado-Vollrohrzucker und das Lorbeerblatt in Olivenöl anschwitzen. Tamarillowürfel dazugeben und verkochen, bis eine dickliche Konsistenz entsteht. Zum Schluss das Lorbeerblatt entfernen und mit Steinsalz abschmecken. Ravioli gesondert zubereiten (am besten selbst machen) und dann gemeinsam mit Rucolasalat und dem Tamarillo-Chutney als Vorspeise servieren.

Hin und weg vom Tamarillo-Chutney für die Vorspeise, das auf einem neuseeländischen Rezept beruht und ohne die namensgebende Baumtomate aus Kolumbien nur halb so gut schmecken würde, war Brigitte Frisch-Linnhoff. Der Genossin gefiel vor allem die Farbe: „Da ist ziemlich viel Rot im Spiel.“

„Das ist ja wie Wäschebügeln“

Hans-Hermann Heller-Jordan hatte an der Nudelmaschine seine helle Freude. „Ich will auch mal etwas plattmachen“, gab der Bündnisgrüne die Marschrichtung vor. Gesagt, getan: Mit Unterstützung seines Mitbewerbers Michael zur Heiden wurde aus dem Teig in mehreren Arbeitsschritten eine ein Millimeter dünne Schicht, aus der mit Hilfe einer Spezialform aus Österreich die Ravioli gestochen wurden. Als der Teig länger und länger wurde, musste Brigitte Frisch-Linnhoff unweigerlich an die daheim wartende Hausarbeit denken: „Ziehen und Falten, das ist ja fast wie Wäschebügeln.“

Ausfahrt im Oldtimer mit Mettenborg

Nach so viel Einsatz in der Küche hatten sich die drei Verwaltungschefs in spe das Essen wirklich verdient. „Und das ist jetzt wirklich das, was wir drei gekocht haben?“, fragte eine etwas ungläubige Brigitte Frisch-Linnhoff Hotelchef Surmann, als ihr Gaumen vor Hochgenuss Purzelbäume schlug. Noch bevor der Nachtisch serviert wurde, hatten sich die drei Kandidaten zur nächsten Gemeinschaftsunternehmung verabredet: Eine Ausfahrt in zur Heidens Oldtimer – gerne auch mit Theo Mettenborg.

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