Land fährt beim Wind volle Kraft voraus
Der Rotor eines Windrads, das seit einigen Jahren am Brockweg in Gütersloh kurz vor der Linteler Grenze steht.

Dass die Ruhe vor dem Sturm die längste Zeit gedauert haben könnte, vermutet man auch im Rhedaer Rathaus. „Veränderungen bei der Genehmigungspraxis für neue Windkraftanlagen sind wahrscheinlich“, sagt Stadtsprecher Martin Pollklas auf „Glocke“-Anfrage. „Schließlich will die rot-grüne Landesregierung mit dem geplanten neuen Windkraft-Erlass die Nutzung dieser Energieform fördern.“

Noch kein rechtsverbindlicher Erlass

Noch liege ein rechtsverbindlicher Erlass aber nicht vor. „Erst wenn wir alle Fakten kennen, ist eine Neubeurteilung der Situation sinnvoll“, unterstreicht Pollklas. Bürgermeister Theo Mettenborg gehe jedoch davon aus, dass der Windkraft-Erlass erhebliche Veränderungen mit sich bringen wird. „Die Stadtverwaltung beobachtet die weitere Diskussion und wird bei einer Verfestigung der Lage den Rat informieren“, so Pollklas.

Bislang nur eine Vorrangfläche in St. Vit

Eine so genannte Vorrangfläche für Windenergie, auf der theoretisch schon seit sechs Jahren Anlagen errichtet werden könnten, gibt es im Stadtgebiet lediglich in St. Vit. Auf dem 27 Hektar umfassenden Areal wären nach Auskunft der Stadtverwaltung bis zu acht Windräder mit einer Höhe von bis zu 100 Metern möglich. Wenn der Windkraft-Erlass der Regierung neue, vielleicht entschärfte Vorgaben für die Standortsuche für potenzielle Anlagen mit sich bringen würde, müsste auf der Suche nach geeigneten Bauplätzen das gesamte Stadtgebiet noch einmal unter die Lupe genommen werden.

„Da das Land die Windkraftnutzung offensichtlich deutlich ausdehnen und bestehende Beschränkungen weitgehend aufheben möchte, wären erheblich größere Windräder genehmigungsfähig, die dann vermutlich nicht nur auf Fallwinde angewiesen wären“, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Rathaus.

Stromerzeugung auch ohne Stromberger Fallwinde

Heißt konkret: Windräder mit einer Höhe von über 100 Metern könnten künftig auch andernorts im Stadtgebiet sprießen. Denn in höheren Sphären weht mehr Wind, der zur Stromerzeugung genutzt werden kann. Die St. Viter Windräder würden sich hingegen die Stromberger Fallwinde zunutze machen, die auch in tieferen Regionen wehen.

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