„Lesen bedeutet Teilhabe am Alltag“
Bild: Hövelmann
Regelmäßig kommen die Gäste der Caritas-Tagespflege Wiedenbrück zu Besuch in die Bibliothek des St.-Vinzenz-Hospitals, um sich mit Lesestoff einzudecken. Das Bild zeigt (v. l.) Angelika Vaughan, kommissarische Leiterin der Stadtbibliothek Rheda-Wiedenbrück, die Tagespflegegäste Werner Witthaut und Heinrich Stiens, Elke Watermann Bruns, Leiterin der Tagespflegeeinrichtung, sowie Itha Heitjohann, Leiterin der Krankenhausbibliothek.
Bild: Hövelmann

Und die Einrichtungsleiterin der Caritas-Tagespflege Wiedenbrück soll recht behalten.

Seit eineinviertel Jahren stattet sie der Bibliothek gemeinsam mit ihren „Kollegen“, den Tagespflegegästen Werner Witthaut und Heinrich Stiens, alle drei bis vier Wochen einen Besuch ab. Dann werden neue Bücher, Zeitschriften, Magazine und CDs für die Einrichtung ausgesucht. „Gelesen wird bei uns viel“, sagt Watermann Bruns. Vor allem Bildbände seien beliebt – ob mit historischen Fotos von der Doppelstadt oder aus den 1950er- und -60er-Jahren. Sie ließen die Senioren schnell in Erinnerungen schwelgen. Aber auch Garten- und Automagazine dürften nicht fehlen. „Ganz hoch im Kurs steht die Musik“, betont sie. Deshalb wären neue CDs stets das A und O.

Was in die Tasche wandert, entscheiden die Senioren vorab gemeinsam. „Wir achten darauf, dass wir mit unserer Auswahl den individuellen Interessen unserer Gäste entsprechen“, sagt die Leiterin der Caritas-Einrichtung. Anschließend wird eine E-Mail mit allen Wünschen an Itha Heitjohann verschickt. Sie leitet die Krankenhausbibliothek seit knapp drei Jahren – und das mit Herz und Seele. „Ist ein Buch nicht im Sortiment, wird es extra für uns bestellt“, betont Watermann Bruns.

Krankenhausbibliothek 1983 eröffnet

Für die Senioren sei die Kooperation ein Glücksfall. „Denn Lesen bedeutet Teilhabe am Alltag.“ Vollbepackt geht es nach jedem Treffen auf den gut 200 Meter langen Rückweg zur Rietberger Straße 92. Dort werden die Ausflügler bereits erwartet. Schließlich muss die Ausbeute erst einmal gebührend präsentiert werden. Watermann Bruns: „Das ist für unsere Gäste wie ein Überraschungspaket.“

1983 ist die Krankenhausbibliothek als Zweigstelle der Stadtbibliothek Rheda-Wiedenbrück in Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung entstanden. „Hintergrund war die Idee, dass Bücher die Genesung positiv beeinflussen“, erklärt Angelika Vaughan, kommissarische Leiterin der Stadtbibliothek. Jeden Tag sei die Bücherei seither für die Patienten und Mitarbeiter des Krankenhauses geöffnet. Einen Ausweis benötigten diese zur Ausleihe nicht. „Stattdessen notieren wir uns Patienten- oder Personalnummer“, sagt sie.

Gut 2000 Medien in den Regalen

Gut 2000 Medien sind in den Regalen der Krankenhausbibliothek zu finden – fein säuberlich in Regalen sortiert nach Genre und Thematik. Beliebt seien bei den Patienten vor allem Romane. Vorzugsweise jene Exemplare, die gerade erst erschienen sind, sagt Itha Heitjohann. Und deshalb durchstöbere sie regelmäßig die Bestsellerlisten, um das Sortiment zu erweitern. Ungefähr 1000 Euro Etat stehen ihr dafür pro Jahr zur Verfügung.

Zahl der Ausleihen 2017 gestiegen

Dass sie bei ihrer Auswahl ein glückliches Händchen hat, lässt ein Blick auf die Zahlen vermuten. Denn die Nachfrage steigt: Rund 4000 Ausleihen hat die Krankenhausbibliothek 2017 verzeichnet. „Das sind 22 Prozent mehr als noch im Vorjahr“, stellt Angelika Vaughan heraus. Dabei bilde der Raum für viele Menschen einen Rückzugsort, ist sich die Leiterin der Stadtbibliothek Rheda-Wiedenbrück sicher. „Wenn man sich hier in den Sessel setzt, spürt man die Ruhe“, sagt sie. Gibt es Fragen oder Anregungen, ist Itha Heitjohann immer mittwochsnachmittags von 14.30 bis 16 Uhr in der Krankenhausbibliothek des St.-Vinzenz-Hospitals anzutreffen.

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