„Lieber integrieren als isolieren“
Eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Zufriedene Arbeitgeber präsentierten beim Hanse-Haus-Forum ebenfalls zufriedene Schützlinge. Das Bild zeigt im Haus Ottens (hinten, v.l.) Christian Frings, Michael Voltmann, Christian Rosenfeld, Thomas Erdbories und Gerd-Peter Lersch vom Jobcenter sowie (vorne, v.l.) Yohannes Brhane, Jilian Ibrahim, Ivan Ibrahim, Farhad Mansouri und Barleb Kalee.

Während eines Treffens des Hanse-Saal-Forums im Haus Ottens in Wiedenbrück stellten sie ihre Schützlinge vor, mit denen sie durch die Bank positive Erfahrungen gemacht haben: eine Veranstaltung mit Leuchtturmwirkung, von der weitere positive Impulse in die Region ausgehen sollen. Getreu der Devise, die Gastgeber Helmut Westrup als Leitsatz vorangestellt hatte: „Lieber integrieren als isolieren.“

Unternehmer sind rundum zufrieden

Zwar gibt es diverse Unternehmer, die Flüchtlingen zeitlich begrenzt ein unbezahltes Praktikum ermöglichen, aber unbefristete, reguläre Arbeitsverhältnisse sind immer noch die Ausnahme. Einer der Ersten, die den Mut hatten, diesen Schritt zu wagen, war Malermeister Christian Frings, der Yohannes Brhane aus Eritrea einen festen Job gab. „Rundum zufrieden“ sei er mit seinem Schützling. Auch von Kunden, bei denen Brhane eingesetzt war, habe er nur positive Rückmeldungen erhalten. „Niemand hatte Angst vor dem dunkelhäutigen Fremden, von Vorurteilen war nichts zu spüren, alle Kunden waren begeistert“, berichtete Frings.

Für einen kleinen Betrieb wie seinen sei jedoch „der Schriftkram, der an einer solchen Anstellung hängt, ein Problem“, betonte der Malermeister, um sogleich dem Jobcenter des Kreises Gütersloh ein dickes Kompliment zu machen: „Das war eine tolle Zusammenarbeit.“

Unterstützung vom Jobcenter

Gerd-Peter Lersch, der in der Behörde Ansprechpartner für Arbeitgeber ist, gab das Lob gleich weiter an zwei Aktive der Flüchtlingshilfe, Heike Zurmühlen und Gaby Stecher-Dick: „Dank der umfangreichen Vorarbeit, die diese Frauen leisten, muss ich oft nur noch den Hammer auf den Nagel schlagen.“ Bei den Flüchtlingen, die vom Jobcenter betreut würden, sei ihm oft schnelle und gezielte Hilfe möglich, so Lersch. Durch seine Teilnahme an dem Treffen wollte er auch jenen Arbeitgebern, die noch skeptisch sind, Mut machen, einen Flüchtling einzustellen: „Das Jobcenter hat vielfältige Möglichkeiten, dabei unterstützend mitzuwirken, von der reinen Beratung und Vorauswahl passender Bewerber bis hin zur finanziellen Förderung der Einarbeitung.“

„Er passt gut ins Team“

„In allen Bereichen problemlos eingesetzt“ hat auch Michael Voltmann seinen Schützling Jilian Ibrahim in seiner Tischlerei am Westring. Der Selbstständige zeigte sich rundum zufrieden, diesen Schritt gewagt zu haben. Gleiches gilt für Christian Rosenfeld aus Wiedenbrück, der Ivan Ibrahim eine Chance als Gas- und Wasserinstallateur gibt. „Alle Mitarbeiter berichten, dass er gut ins Team passt“, unterstrich Rosenfeld. Jetzt steht für den jungen Syrer eine Ausbildung in Aussicht.

In anderthalb Jahren viel gelernt

Super läuft auch die Ausbildung, die Farhad Mansouri und Barleb Kalee bei Elektro-Beckhoff in Verl absolvieren, wie die beiden jungen Männer mit leuchtenden Augen bekundeten. „Alle Mitarbeiter schwärmen geradezu von den beiden“, berichtete Thomas Erdbories. „Die Jungs sind extrem motiviert und haben total Spaß an ihrem Job.“ Er sei fasziniert, was seine Schützlinge in den anderthalb Jahren bereits auf die Beine gestellt hätten.

Ausbildung oder Festanstellung?

Flüchtlinge, die in einem Alter sind, in dem eine reguläre Ausbildung angezeigt ist, sind die eine Seite. Dass es da aber auch gestandene Männer gibt, die schon eine Familie mit zwei bis drei Kindern zu versorgen haben, wissen Heike Zurmühlen und Gaby Stecher-Dick aus ihrer täglichen Arbeit nur zu gut. „Die wollen keine Ausbildung, sondern einfach nur in einem festen Job arbeiten, um genügend Geld zu verdienen, damit sie auch ohne öffentliche Leistungen für Asylbewerber ihre Familie ernähren können“, berichteten die beiden Rheda-Wiedenbrückerinnen. Bei Ali Osman Omer und Samuel Teklai ist ihnen das gelungen. Die Bauunternehmer Dieter Oesselke und André Gosemärker haben beiden Männern eine Chance als Bauhelfer gegeben.

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