Literarischer Streifzug mit Prinz Asserate
Bild: Vredenburg
Prinz Asfa-Wossen Asserate las auf dem Schlossfest in Rheda aus seinen Werken vor.
Bild: Vredenburg

Wie aber spricht man den Großneffen des letzten Kaisers von Äthiopien korrekt an? „Wenn Sie mich mit ,Herr’ anreden, ist das vielleicht das größte Kompliment, das Sie mir machen können, denn dagegen ist nichts einzuwenden“, sagte der Prinz und lachte. Auf die Frage, was ihn nach Deutschland verschlagen hat und warum er die Sprache so gut spricht, erklärte der 65-Jährige: „Vermutlich, weil sie wollten, dass ihr Erstgeborener deutsche Disziplin erlernt, haben meine Eltern mich auf die damals neu gegründete deutsche Schule in Addis Abeba geschickt, wo ich als einer der ersten Äthiopier überhaupt das Abitur erlangte.“ 1968 sei er schließlich nach Deutschland gekommen, um in Tübingen zunächst Jura, dann Philosophie, Volkswirtschaft, Politologie und Geschichte zu studieren, informierte der hohe Besuch.

Sprache ist Grundlage für Integration

In Folge der blutigen Revolution in Äthiopien im Jahr 1974 habe er nicht in seine Heimat zurückkehren können. Also sei er geblieben, habe sein Studium beendet und in Geschichte promoviert. Zunächst habe er als Journalist gearbeitet, sei später Pressesprecher der Düsseldorfer Messegesellschaft geworden und seit 1985 in Frankfurt als Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten tätig. „Im Vergleich zu anderen Einwanderern war ich sehr privilegiert, weil ich dieses Land, die Sprache und die Kultur durch die deutsche Schule bereits kannte“, sagte Asserate und betonte: „Sprache ist die Grundlage für Integration und Verständnis zwischen den Kulturen.“ Da Deutschland seine Heimat geworden sei – „hier lebe ich länger, als in Äthiopien“ – habe er mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen.

Deutsche Tugenden

Anmut, Gemütlichkeit, Sparsamkeit, bis hin zu Weltschmerz und Zivilcourage sind nur einige der Eigenschaften, die der Prinz in seinem Buch „Deutsche Tugenden“ beschreibt. Auf Vollständigkeit sei es ihm nicht angekommen. Vielmehr handele es sich um einen subjektiven Streifzug durch Kultur und Geschichte aus Sicht eines Zugereisten, „der hier Wurzeln geschlagen hat“. Missverständnissen vorbeugend, stellte Asserate gut gelaunt klar: „Es wäre falsch zu glauben, der Autor des Buches wähne sich im Vollbesitz auch nur einer der beschriebenen Tugenden“ – zumal der Schritt zum Laster oftmals nur ein kleiner sei.

Kaffee in Kännchen

Im zweiten Teil der Lesung stellte der Literaturprofi sein Buch „Draußen nur Kännchen“ vor. Der Begriff „Kaffee“ entstamme der äthiopischen Provinz Kaffa, „dem einzigen Ort auf Gottes Erden, wo der Kaffee immer noch wild wächst“. Dass die Deutschen leidenschaftliche Kaffeetrinker seien, habe sich bereits in seiner Kindheit bis nach Addis Abeba herumgesprochen. Seine Bekanntschaft mit dem deutschen Filterkaffee sei daher „durchschlagend ernüchternd“ ausgefallen.

SOCIAL BOOKMARKS