Lotsen überwinden Sprachbarrieren
Bild: Schulte-Nölle
Stellten den neuen Standort des Sprachlotsenpools im Haus der Caritas vor (v. l.): Birgit Kaupmann, Leiterin des Fachbereichs Familienhilfe der Caritas, ihre Stellvertreterin Kerstin Raeder, Anna Südkamp, Multiprofessionelles Team Fachbereich Soziales und Integration der Stadt Rheda-Wiedenbrück, und Nelson Rodrigues, Kommunales Integrationszentrum Kreis Gütersloh.
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Das Ziel: Als neutrale Vermittler sollen sie immer dann aktiv werden, wenn es gilt, Sprachbarrieren zu überwinden. „Die Sprache ist immer noch das A und O in der Integrationsarbeit“, macht Nelson Rodrigues deutlich. Der Projektkoordinator ist Mitarbeiter des Kommunalen Integrationszentrums des Kreises Gütersloh, das für die Gesamtsteuerung des Lotsenpools verantwortlich zeichnet.

Doppelstadt startet mit zehn Sprachen

In Rheda-Wiedenbrück startet das Stadtfamilienzentrum, das vor Ort die ehrenamtlich Engagierten vermittelt, mit acht Dolmetschern. Gemeinsam bringen sie es auf ein durchaus ansehnliches Repertoire, das außer Deutsch, Englisch, Türkisch und Russisch auch Polnisch, Albanisch, Rumänisch, Serbokroatisch, Dari sowie Farsi umfasst. Kreisweit können die derzeit insgesamt 103 Lotsen sogar mehr als 30 Sprachen vorweisen.

Das Besondere: Alle haben eine Sprachprüfung abgelegt und zusätzlich eine Schulung durchlaufen. Denn um überhaupt in den Pool aufgenommen zu werden, müssen Interessenten in ihren jeweiligen Sprachen – darunter ausdrücklich auch Deutsch – mindestens Kenntnisse auf dem europäisch anerkannten Niveau B 2 nachweisen. Im Rahmen eines rund 30 Stunden umfassenden Workshops werden sie zudem auf die Herausforderungen im Rahmen ihres Ehrenamts vorbereitet. Und: „Wer bei uns mitmachen möchte, muss mindestens zwei Jahre in Deutschland leben“, sagt Rodrigues. So solle sichergestellt werden, dass die Aktiven eben nicht nur die Sprache beherrschen, sondern auch ausreichend Einblicke in die deutsche Kultur und Gesellschaft gewonnen haben.

Dringend gesucht: Bulgarisch, Rumänisch, Polnisch

Etwa 90 Prozent der Lotsen haben nach Angaben des Projektkoordinators einen Zuwanderungshintergrund, sind ehemalige Flüchtlinge oder Arbeitsmigranten. „Viele haben uns zurückgemeldet, dass sie mit dieser Tätigkeit in vielerlei Hinsicht ihren Horizont erweitern konnten“, freut sich Rodrigues. Die Ehrenamtler werden beim Stadtfamilienzentrum angefragt. Dort wird geschaut, ob vor Ort ein passender Dolmetscher zur Verfügung steht. „Ist dies nicht der Fall, kontaktieren wir ein Familienzentrum in einer anderen Kommune im Kreis, das über den passenden Lotsen verfügt“, erläutert Kerstin Raeder, stellvertretende Fachbereichsleitung Familienhilfe und Teamleitung der Caritas-Familienzentren.

Für ihr Engagement erhalten die Sprachlotsen 15 Euro pro 90 Minuten geleisteter Arbeit. Dem Auftraggeber werden für diese Zeiteinheit 20 Euro in Rechnung gestellt. Anfragen nimmt das Stadtfamilienzentrum Rheda-Wiedenbrück über ein Buchungsformular entgegen, das auf der Internetseite des Kommunalen Integrationszentrums zu finden ist. Für den Lotsenpool in der Doppelstadt werden weitere Ehrenamtler gesucht. Insbesondere Bulgarisch, Rumänisch und Polnisch sind stark nachgefragt. Ansprechpartnerin ist Esther Hartmann, Telefon 05242/40820 oder E-Mail an familienzentrum@caritas-guetersloh.de.
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