Lübke: Entscheidung nicht leicht gemacht
Schlanker werden um auch bei weniger Auftragseingängen profitabel arbeiten zu können – das ist aus Sicht von Interlübke-Chef Leo Lübke (48) das Ziel der bevorstehenden Neuausrichtung.

Am Donnerstagvormittag erläuterte Lübke die Gründe für die „schmerzliche Entscheidung“ vor Medienvertretern. „Natürlich hätten wir im Jahr unseres 75. Firmengeburtstags lieber mit positiven Nachrichten Schlagzeilen gemacht“, unterstrich Leo Lübke, doch sei es nicht seine Art, vor weniger erfreulichen Entwicklungen die Augen zu verschließen. „Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, wagen wir die Flucht nach vorn“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter des Premium-Möbelherstellers. Er gehe davon aus, dass die momentane Krise bis Jahresfrist überwunden sei. Akut im Bestand gefährdet sei das 1937 von den Brüdern Hans und Leo Lübke gegründete Familienunternehmen aber nicht.

18 Prozent Auftragsrückgang im März

An der Konsolidierung und strategischen Neuausrichtung führe jedoch kein Weg vorbei. Drei verlustreiche Geschäftsjahre in Folge und ein Auftragseinbruch im März von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat hätten die Alarmglocken schellen lassen. Die Umsatzrückgänge infolge der Weltwirtschaftskrise 2009 und die neuerliche Konjunkturdelle zum Ende des ersten Quartals 2012 hätten dazu geführt, „dass wir wesentlich früher als geplant die Neuausrichtung unseres Unternehmens in Angriff nehmen müssen“, sagte Lübke.

Weiterbeschäftigung bei Cor im Einzelfall denkbar

Die Freisetzung von insgesamt 40 Mitarbeitern aus den Bereichen Produktion und Verwaltung bis Ende 2012 ist dem 48-Jährigen, der das Unternehmen in dritter Generation führt, nach eigenem Bekunden nicht leicht gefallen. „So etwas tut weh.“ Er hoffe, dass einige im Schwesterunternehmen Cor weiterbeschäftigt werden könnten. Denn dort stimme nach wie vor die Auftragslage. Hauptgrund für den Rückgang bei Interlübke sei das geänderte Kaufverhalten der Kunden. Der Trend gehe dazu, Premium- und Mitnahmemöbel verstärkt zu mischen, sagte Lübke. „Und hochwertige Schrankwände sind längst nicht mehr für jeden ein Statussymbol.“

Kein Spielraum für Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Sozialverträglich und in enger Abstimmung mit dem Personalrat soll die Reduzierung der Belegschaft bis zum Jahresende vonstatten gehen, sagte am Donnerstag Leo Lübke. Die Zusammenarbeit mit der Mitarbeitervertretung bewertet er als „sehr kooperativ“. Urlaubs- und Weihnachtsgeld könne Interlübke bis auf Weiteres nicht zahlen, Lohn- und Gehaltskürzungen seien aber kein Thema. Das ursprünglich für den 16. Juni geplante Mitarbeiterfest aus Anlass des Firmenjubiläums sei abgesagt worden. Lübke: „Zum jetzigen Zeitpunkt Geburtstag zu feiern, wäre unpassend.“

„Behutsame Reduzierung des Sortiments“

Neben der Verringerung der Personalkosten ist die „behutsame Reduzierung des Produktsortiments“ (Leo Lübke) die zweite Weichenstellung zur Neuausrichtung des Unternehmens. „Wir werden dem Handel künftig ein kompakteres Produktprogramm im Premiumsegment anbieten.“ Die Programmvielfalt bei Bestsellern wie dem Kommodensystem Cube“ oder dem Schranksystem „S07“ solle behutsam reduziert werden, um bei gleichbleibender Qualität profitabler produzieren zu können. Ergänzt werde das Portfolio durch maßgeschneiderte Sonderlösungen für besonders anspruchsvolle Kunden.

Auslastung der Produktion erhöhen

Um die Auslastung der Produktion in den Hallen an der Ringstraße zu erhöhen, setzt Leo Lübke verstärkt auf Auftragsfertigung. So soll bei Interlübke demnächst auch für den Modellverband WK-Möbel produziert werden. Lübke rechnet mit einem jährlichen Auftragsvolumen von zwei Millionen Euro.

Besser aufstellen will sich Interlübke zudem im Bereich der Objekteinrichtung. „Wir werden uns ein Beispiel an unserer Polstertochter Cor nehmen, die ganze Gebäude mit Sofas und Sesseln einrichtet“, sagte Lübke. Erst kürzlich habe Cor den Auftrag zur Ausstattung des neuen Kreuzfahrtschiffs „MS Europa“ mit 600 Polstermöbeln an Land gezogen, erläuterte der Firmenchef.

SOCIAL BOOKMARKS