Märchen vom Bleicherkind soll verzaubern
Bild: Wille
Verwandeln das Bleichhäuschen in eine Märchenwelt: Melanie Körkemeier und Künstler Frank Josten präsentieren erste Bilder der Character-Design-Ausstellung „Weißes Leinen – Die Legende vom Bleicherkind“. Das linke Bild zeigt den Tuchhändler, das rechte den bösen, eifersüchtigen Sohn der Familie.
Bild: Wille

Das Häuschen in Rheda diente vor einigen hundert Jahren den Bleichern als Wohnhaus. Sie bleichten Leinen auf den umliegenden Wiesen vor dem Schloss. Dieses kleine Fachwerkhaus, das seit 1990 als Kunstwerkstatt dient, nahm sich der Künstler Frank Josten aus Essen als Grundlage für sein Märchen. Der studierte „Character-Designer“ schöpft dabei aus seiner Fantasie: „Ich habe mir zuerst ein klassisches Märchen ausgedacht. Es ging mir dabei nicht um genaue historische Fakten“, erklärt er. Alle seine Figuren und die Handlungen seien fiktiv.

Zurück ins Jahr 1650

Auf der Basis des Märchens, das in der Zeit um 1650 spielt, zeigt seine Ausstellung die von ihm entwickelten Figuren. Sie sind vielschichtig und haben facettenreiche Charaktereigenschaften und Funktionen. Die detailreiche Darstellung der Figuren soll einen kritischen Blick auf die Gesellschaft zulassen.

Hintergrund

Das Märchen dreht sich um eine Familie, die in einem kleinen Bleichhäuschen lebt, das sie von einem reichen Tuchhändler gepachtet hat. Die Mutter ließ sich auf eine Liaison mit dem düsteren Tuchhändler ein und gebar ein Kind von ihm. Da niemand das Geheimnis erfahren durfte, steckte die Mutter das kleine Kind in den Keller, der für immer verschlossen blieb. Trotz seines einsamen Lebens hatte das kleine Kind eine besondere Gabe: Leinen, das es mit den Händen berührte, wurde strahlend weiß. Menschen, die dieses Leinen anschauten, wurden von der Reinheit so geblendet, dass sie für das Elend der Welt keinen Blick mehr hatten. Die Seelenveränderung der Dorfbewohner zollte ihren Tribut: Eine grausame Epidemie suchte das Dorf heim.

Dem Künstler Frank Josten war es wichtig, in den Bildern keine Geschichte zu erzählen: „Der Fokus meiner Arbeit liegt auf dem Charakter-Design, nicht auf den einzelnen Geschichtsteilen“, betont er. So werden die Besucher der Ausstellung lediglich in Form eines Aushangs eine Kurzfassung des Märchens zu lesen bekommen. Auf den rund 45 Bildern werden dann nur die Figuren abgebildet sein: „Die Charaktere illustrieren die Geschichte, so dass der Betrachter sich selbst ein Bild von der Handlung machen kann“, erklärt Josten.

Breites Publikum ansprechen

Die Ausstellung soll ein breites Publikum ansprechen: „Die Geschichte funktioniert für Kinder und Erwachsene“, sagt Melanie Körkemeier, Leiterin des Bleichhäuschens. Es sei dabei besonders wichtig, dass sich die Menschen aus Rheda-Wiedenbrück mit der Geschichte identifizieren, aber die Ausstellung solle auch Leute von Außerhalb in die Kunstwerkstatt locken.

Melanie Körkemeier und Frank Josten können sich vorstellen, später aus den Werken ein Bilderbuch, ein Comic oder gar einen Kurzfilm zu kreieren.

Ausstellung läuft bis zum 24. Februar

Die Character-Design-Ausstellung wird am Freitag, 21. Dezember, um 19 Uhr im Bleichhäuschen, Steinweg 4 in Rheda, eröffnet. Sie ist noch bis zum 24. Februar 2013 für die Besucher geöffnet. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Weitere Besichtigungstermine sind nach Vereinbarung möglich. Bleichhäuschen-Leiterin Melanie Körkemeier weist darauf hin, dass auch Schulklassen und Studentengruppen willkommen sind. Diese sollten sich vorab anmelden.

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