Minister zieht vor Rettern seinen Hut
Bild: Jochen Tack
Respekt für Helfer in der Not: Sebastian Parmenter (19) und Jan von Prondczinski (23) sind am Donnerstag in Hagen von NRW-Innenminister Ralf Jäger (v.l.) mit dem Zivilcouragepreis ausgezeichnet worden. Sie hatten im Flora-Park zwei Frauen beschützt.
Bild: Jochen Tack

Die beiden jungen Männer wurden neben anderen couragierten Bürgern aus Nordrhein-Westfalen von Minister Jäger während einer Feierstunde in Hagen für ihr mutiges Eingreifen geehrt. Indem sie nicht lange zögerten, sondern handelten, hätten Sebastian Parmenter und Jan von Prondczinski Schlimmeres verhindert, zeigte sich der SPD-Politiker überzeugt. Ihr Einsatz verdiene Respekt, sagte Jäger während seiner Ansprache zum Abschluss der Aktion „Hut ab“, die die Landesregierung gemeinsam mit der Polizei und der Opferschutzorganisation Weißer Ring initiiert hatte.

Frauen vor Angreifer beschützt

Es ist der Abend des 7. Juni 2015. Sebastian Parmenter hat Geburtstag, er wird 18. Nach der Feier dreht er mit seinem Hund noch eine Runde durch den Flora-Westfalica-Park. Die Strecke führt den jungen Mann in die Nähe des Seilzirkus’. Dort wird er Zeuge, wie in einiger Entfernung zwei Schwestern von einem Fahrradfahrer angegriffen werden. Der Mann zerrt die wehrlosen Frauen in ein angrenzendes Dornengebüsch.

Von einer Sekunde auf die nächste wird Parmenter klar, dass er helfen muss. Er spurtet zu einem Pärchen, das ihm kurz zuvor entgegen gekommen ist. „Hier werden zwei Frauen vergewaltigt“, ruft er Jan von Prondczinski zu. Der inzwischen 23-Jährige unternimmt an diesem Abend mit seiner Freundin einen Spaziergang durch die Flora. Auch er muss nicht lange überlegen. Genauso wie Sebastian Parmenter weiß er, was zu tun ist: Die zwei Retter in der Not schlagen den Angreifer in die Flucht. Während einer bei den Opfern bleibt, verfolgt der andere den Mann quer durch den Park. In der Nähe des Combi-Markts verliert sich jedoch dessen Spur.

Bewährungsstrafe und Sozialstunden

Als Sebastian Parmenter und Jan von Prondczinski später bei der Polizei ihre Aussagen zu Protokoll geben, treffen sie im Warteraum auf den Täter. Ein Riesenzufall: Der 50-Jährige war nämlich eigentlich wegen eines Eigentumsdelikts einbestellt worden. Dass er auch für den Übergriff auf die beiden Frauen verantwortlich ist, erfahren die Beamten erst von deren mutigen Rettern. Die Handschellen klicken.

Wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung wird der Mann einige Monate später vom Gericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr sowie zu 150 Sozialstunden verurteilt.

„Für Angst keine Zeit“

„Um Angst zu bekommen, war eigentlich gar keine Zeit“, erinnert sich Sebastian Parmenter an den Vorfall im Flora-Westfalica-Park. „Es ging alles Schlag auf Schlag.“ Früher habe er oft überlegt, was er tun würde, wenn er in der Öffentlichkeit unterwegs ist und jemand um Hilfe ruft. Einfach weitergehen, stehen bleiben und zugucken oder gar das Handy zücken und ein Video drehen – mittlerweile weiß der 19-Jährige, dass für ihn keine dieser Optionen infrage kommt. Er sei ebenso wie Jan von Prondczinski stolz darauf, eingegriffen zu haben. „Obwohl es selbstverständlich sein sollte, ist ein solches Verhalten heute leider viel zu selten geworden“, sind sich die jungen Männer einig. Das habe auch Innenminister Ralf Jäger während der Vergabe des Zivilcouragepreises in Hagen betont. Die beiden Rheda-Wiedenbrücker hoffen, dass ihr Beispiel Schule macht: „So wie wir gehandelt haben, sollten sich eigentlich alle verhalten. Schließlich wünscht sich in Notsituationen jeder, dass ihm geholfen wird.“

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